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Missbrauch von Facebook-Daten Wusste das Unternehmen aus dem Silicon Valley davon?

  • Im Skandal um den mutmasslichen Missbrauch von Daten hat Facebook mit «Entsetzen» reagiert.
  • Noch hat sich Firmenchef Mark Zuckerberg allerdings nicht persönlich zu Wort gemeldet.
  • Laut der «Washington Post» hat die US-Konsumentenschutzbehörde FTC eine Untersuchung gegen Facebook eröffnet.
  • Auch Investoren sind unzufrieden: Manche von ihnen haben eine Klage bei einem Bundesgericht in San Francisco eingereicht.
Legende: Video Politik droht Facebook abspielen. Laufzeit 1:29 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 21.03.2018.

Firmenchef Mark Zuckerberg und alle Verantwortlichen seien sich des Ernsts der Lage bewusst, teilte Facebook mit. «Das gesamte Unternehmen ist entsetzt darüber, dass wir hintergangen wurden», heisst es in der Mitteilung. Man werde alles tun, um die internen Richtlinien durchzusetzen und die Informationen der Nutzer zu schützen. Zuckerberg selber schweigt bisher allerdings.

Symbolbild: Aufnahme Zuckerbergs auf einem Handy vor einem grossen Facebook-Logo.
Legende: Facebook steht unter massivem Druck – doch Gründer Zuckerberg bleibt auf Tauchstation. Reuters

Kann Facebook auch diesen Sturm aussitzen?

«Es ist zu vermuten, dass die Spitze von Facebook sehr verunsichert ist», sagt der Wirtschaftskorrespondent des «Tages-Anzeigers» in den USA, Walter Niederberger, gegenüber SRF. Man habe wohl geglaubt, dass der Sturm vorübergehe, wie auch frühere schon. Doch diesmal könnte sich diese Strategie fatal auswirken: Bereits ist der Börsenkurs der Aktie stark gefallen.

Nachdem das Wertpapier schon am Montag fast sieben Prozent eingebüsst hatte, verlor es am Dienstag erneut über sechs Prozent. Zeitweise sank der Unternehmenswert von Facebook um bis zu 50 Milliarden Dollar. Dies rief auch die Anleger auf den Plan: Bei einem Bundesgericht in San Francisco haben sie Klage eingereicht. Die Aktionäre machten geltend, dass die Konzernführung sie über die Fähigkeiten in die Irre geführt habe, die Daten der Nutzer zu schützen.

Facebooks Problem mit der Transparenz

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Der in Fachkreisen angesehene Sicherheitschef Alex Stamos will laut der «Washington Post» Facebook verlassen. Demnach setzte er sich für mehr Transparenz über die russische Einmischung in den US-Präsidentenwahlkampf 2016 ein. Doch er sei von anderen Managern abgebügelt worden. Stamos habe zunächst ein Team von 100 Leuten dafür zur Verfügung gehabt, erklärt «Tages-Anzeiger»-Korrespondent Niederberger. Inzwischen sei dieses Personal auf drei Personen zusammengeschmolzen. «Das zeigt, wie wenig die Facebook-Chefs von seinem Unterfangen hielten, mehr Transparenz zu schaffen.»

Bannon soll Beeinflussungsaktion überwacht haben

Trotzdem: Bislang sei der Skandal um die mutmasslich unrechtmässig benutzten Daten von 50 Millionen Facebook-Usern in den USA allerdings recht locker behandelt worden, so Niederberger weiter. «Die Skepsis hat hier nie die gleichen Ausmasse erreicht wie in Europa.»

Doch das könnte sich rasch ändern: Laut den neusten Recherchen der «Washington Post» soll der umstrittene Ex-Präsidentenberater Steve Bannon die Beeinflussungsaktion der Datenverarbeitungsfirma Cambridge Analytica 2016 beaufsichtigt haben, als die Firma für das Team von Trump arbeitete. Sollte sich dies bestätigten, sei «die Zeit der Unschuld für Facebook vorbei», glaubt der Korrespondent.

Untersuchung gegen Facebook eröffnet

Ein Zeichen in diese Richtung ist die Tatsache, dass sich nun auch eine Behörde einschaltet: Ebenfalls nach Informationen der «Washington Post» hat die US-Konsumentenschutzbehörde FTC eine offizielle Untersuchung gegen Facebook eingeleitet. Die zentrale Frage ist hier, ob das Unternehmen von der Datenschieberei gewusst hat.

Kommt hinzu, dass in Hinblick auf die Kongresswahlen im November erneut befürchtet wird, dass gewisse Kreise versuchen werden, die Wahlen mit Hilfe von Facebook, Twitter & Co. zu beeinflussen. Davor hätten sämtliche US-Geheimdienste gewarnt, so Niederberger. Sie befürchten demnach vor allem Beeinflussungsversuche aus Russland. Deshalb sei Facebook jetzt «Subjekt einer allgemeinen Verunsicherung geworden», stellt der Korrespondent fest.

Der Datenschutz hat es schwer in den USA

Trotzdem dürfte der Datenschutz in den USA vorerst nicht verschärft werden: Schon die Regierung von Präsident Barack Obama versuchte, die Nutzer besser zu schützen, doch der Kongress blockierte entsprechende Gesetzesänderungen. Und unter der aktuellen republikanischen Regierung von Präsident Donald Trump seien die Chancen für Veränderungen nicht besser, sagt Niederberger. «Insofern hat Facebook auf der politischen Ebene noch Glück.»

Trump zur Wahl verholfen?

Durch die möglicherweise unrechtmässige Datenauswertung von 50 Millionen Facebook-Usern soll die britische Firma Cambridge Analytica die Präsidentenwahl 2016 zu Gunsten von Donald Trump beeinflusst haben. Das Unternehmen erstellte demnach verschiedene Profilgruppen der User und versuchte diese mit individuellen Posts gemäss ihren Zielen zu beeinflussen.

Cambridge Analytica wurde der «New York Times» zufolge vor etwa fünf Jahren gegründet. Finanziert wurde das Startup vom republikanischen US-Milliardär Robert Mercer. Steve Bannon soll den Namen der Firma ausgewählt haben.

Legende: Video «Dieser Skandal ist nicht das Ende von Facebook» abspielen. Laufzeit 2:18 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 21.03.2018.

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31 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Grossrieder (View)
    Bei Wahlen werden alle moeglichen Medien zur Beeinflussung von Wählern gebraucht und gedulded. So gesehen sollten auch Site-Postings erlaubt sein. Ich wundere mich wieso man da auf Datenmissbrauch von dritter Hand zurueck greifen muss? DT wird auch ohne dies weltweit auf Twitter gelesen. Gibt es Beispiele von solchen Postings um diesem Missbrauch verstaendlicher zu machen?
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  • Kommentar von martin blättler (bruggegumper)
    Wo ist Zuckerberg?Der hat bei Musk eine Rakete gekauft und ist nun unterwegs zum Mars.Oder ist das noch zu wenig weit weg?
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  • Kommentar von Thomas Heimberg (tomfly)
    Mit Daten-Auswertung und -Verkauf und Werbung leben doch diese Konzerne, von wo soll der Stutz denn sonst kommen? Wenn dies strenger reguliert wird, oder sogar unterbunden, könnte ich mir vorstellen, dass das Internet nicht mehr gratis ist und man sozusagen einen Mitgliederbeitrag zahlen muss. Nur eine Vermutung. Mich betrifft's nicht so sehr, da ich mich schon oft als "Antidigitaler" geoutet habe. Kein Social Media Account, kein Online-shoping, kein Smartphone, keine Kundenkarte - nur SRF.
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    1. Antwort von A. Zuckermann (azu)
      Das finde ich auch immer sehr belustigend, oder bzw. eher traurig. Heisst es doch: "Für den Gratis-Service von Facebook zahlen die Kunden mit ihren Daten"… Nun, leider stellt sich fast niemand die richtige Frage: Was für einen Service den eigentlich genau geboten wird? Was ist der effektive Nutzten von fb? Eigentlich nichts aussert Banalitäten… oder?
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