Missstände in italienischen Textilfabriken

In Italien wird nach dem tödlichen Feuer in einer Textilfabrik der Ruf nach Konsequenzen immer lauter. «Das war eine Tragödie mit Ankündigung», sagte der Bürgermeister der toskanischen Stadt Prato. Das Problem sind illegal eingewanderte Chinesen, die als Näher arbeiten.

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Kritik an Arbeitsbedingungen nach Fabriktragödie

1:12 min, aus Tagesschau am Mittag vom 3.12.2013

In Italien gibt der Brand in einer Textilfabrik zu reden, bei dem am Sonntag mindestens sieben Menschen starben. Die Fabrik in Prato in der Toskana wurde von Chinesen betrieben. Sie stellten dort unter erbärmlichen Arbeitsbedingungen billige Kleidung für den europäischen Markt her. Italienische Politiker fordern Konsequenzen, damit solches nicht noch einmal geschieht.


Gespräch mit Italienkorrespondent Massimo Agostinis

3:04 min, aus SRF 4 News aktuell vom 03.12.2013

Illegal eingewandert

Das Problem fängt bereits bei der Einwanderung an, sagt Italienkorrespondent Massimo Agostinis: «Man muss davon ausgehen, dass die meisten Chinesen illegal eingewandert sind.» Sie arbeiten 15 bis 20 Stunden pro Tag. Sie schlafen in dieser Fabrik manchmal direkt neben der Nähmaschine, manchmal in einem separaten Raum. In diesen Fabriken wird gelebt, gekocht, Fernsehen geschaut. Es ist ein permanentes Kommen und Gehen zwischen Arbeit, Schlaf und Alltagsaufgaben, die man erledigt.

Karte von Italien mit Prato.

Bildlegende: Prato liegt 20 Kilometer nordwestlich von Florenz und hat fast 190'000 Einwohner. SRF

Die Fabrik in Prato ist kein Einzelfall. In der Toskana besonders rund um Florenz haben sich hunderte, tausende solcher Firmen angesiedelt. Der Grund: Prato ist das historische Produktionszentrum für italienische Kleider. Die italienischen Fabrikbesitzer produzieren aber nicht mehr selber, sondern vermieten häufig an die Chinesen. Diese sind deshalb in den 90er-Jahren vor allem dorthin eingewandert.

Textilfabriken mit chinesischen Arbeitern in ganz Italien

Unterdessen aber gibt es solche Zentren in ganz Italien verstreut: rund um Neapel, selbst in den Vororten Roms oder in Mailand, oder der Emilia-Romagna in der Stadt Forli, wo Polstergruppen produziert werden. Auch dort sind in erster Linie die Chinesen die Näher.

Nach dem Brand vom Sonntag sprach der Bürgermeister von Prato von einer Tragödie mit Ankündigung. Nun werden Konsequenzen gefordert. «In erster Linie bräuchte es Kontrollen und dann Konsequenzen», sagt Agostinis. Wenn die illegalen Einwanderer aufgestöbert werden, müsste man sie zurückschicken können. Keine einfache Aufgabe, so der Korrespondent: «Sie werfen ihre Pässe fort, oder verstecken sie, so dass man sie nicht einfach nach China zurückschicken kann.»

Ein weiteres Problem ist, dass diese riesige illegale Industrie rund um die Kleider nur deshalb wachsen und so gross werden konnte, weil auch Italiener befürworteten, dass die Chinesen unter diesen haarsträubenden Bedingungen arbeiten. Die Italiener sind nun gefragt, solches nicht mehr zuzulassen.

Sechsmal mehr als gemeldet

7000 chinesische Migranten leben laut offiziellen Angaben in der 200'000 Einwohner-Gemeinde Prato vor Florenz. Laut den Behörden halten sich jedoch mindestens weitere 43'000 illegale chinesische Einwanderer in den Fabriken der Stadt auf.