«Mit dem Reformpaket ist ein Meilenstein geschafft»

Heute wählt der Fifa-Kongress einen Nachfolger für den gesperrten Präsidenten Sepp Blatter. Ein erster wichtiger Entscheid ist bereits gefallen im Zürcher Hallenstadion: Der Weltfussball-Verband verpasste sich umfangreiche Strukturreformen.

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Fifa will sich reformieren

2:13 min, aus Tagesschau am Mittag vom 26.2.2016

Der Fifa-Kongress hat in Zürich umfangreiche Reformen verabschiedet. Das Paket, das unter anderem eine Machtbeschränkung für den Präsidenten und die Exekutivmitglieder vorsieht, erhielt die notwendige Drei-Viertel-Mehrheit der Delegierten. Insgesamt stimmten 179 von 207 Verbänden für die Reformen.

«Eine Botschaft der Einheit»

«Wir müssen eine Botschaft an die Welt richten, eine Botschaft der Einheit», sagte Interimspräsident Issa Hayatou, der den gesperrten und scheidenden Amtsinhaber Sepp Blatter vertrat. Der Kameruner schwor die Landesverbände auf die notwendigen Umstrukturierungen ein. «Die Fifa beginnt ihre Reise mit dem Ziel, Vertrauen wieder herzustellen.»

Mit der Reform will der Weltverband die politische von der ökonomischen Entscheidungsebene trennen. Zudem gilt für den Fifa-Präsidenten und die Mitglieder des neuen Councils, das das umstrittene Exekutivkomitee ablösen soll, eine Beschränkung auf drei Amtszeiten à vier Jahre. Sie müssen sich vor Amtsantritt einem externen Integritätscheck unterziehen, ihre Gehälter werden offengelegt.

SRF-Fifa-Experte Jean-François Tanda zum Reformbeschluss

«Vor eineinhalb Jahren waren vergleichbare Reformen im Kongress noch chancenlos. Dass heute 89 Prozent der Delegierten Ja sagen, erstaunt trotzdem nicht. Die Fifa hat schon immer so funktioniert, dass der Kongress durchwinkt, was die Führung vorgibt. Es hat sich ja auch nur ein Delegierter getraut, sich kritisch zu äussern. Mit der Statutenänderung ist nun ein Meilenstein geschafft. Die Präsidentenwahl vom Nachmittag verliert eindeutig an Gewicht, weil der neue Präsident jetzt gar nicht mehr so viel Macht haben wird. Insofern spielt es gar keine Rolle, wie der Mann heisst, der vornehmlich noch Repräsentationsaufgaben haben wird.»

Die Eckpunkte der Fifa-Reform

  • Der Präsident Er soll in der Hauptsache nur noch repräsentieren, erhält aber Sitz und Stimme im neuen Council. Schlägt den Generalsekretär vor. Integritätscheck erforderlich. Die Amtszeit ist auf maximal zwölf Jahre begrenzt.
  • Council Es dient als Aufsichtsrat und ersetzt das Exekutivkomitee. Hat 37 Mitglieder (bisher 25). Genehmigt operative Entscheidungen. Integritätscheck erforderlich. Amtszeit: Maximal zwölf Jahre.
  • Der Generalsekretär Bestimmt künftig das Alltagsgeschäft. Wird vom Council gewählt und kontrolliert. Muss sich auch vor der Abteilung für korrekte Unternehmensführung bei der Fifa verantworten.
  • Administration Nur noch neun statt 26 ständige Kommissionen. Nicht mehr für alle 209 Fifa-Mitglieder gibt es Posten, stattdessen sollen die Hälfte der Kommissionsmitglieder externe Experten sein.
  • Kontrolle Ethikkommission und juristische Gremien wie die Disziplinarkommission werden komplett unabhängig und extern besetzt.
  • Frauen Jede Konföderation entsendet mindestens eine Frau ins Council. Die Gleichberechtigung der Geschlechter steht nun in den Statuten.
  • Menschenrechte Die Wahrung der Menschenrechte wird als Ziel in die Statuten aufgenommen.
  • Demokratie Für Kontinentalverbände werden demokratische Grundregeln in Statuten und unabhängige juristische Institutionen Pflicht.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • FOKUS: Die Fifa vor der Wende

    Aus 10vor10 vom 25.2.2016

    Der Fifa-Kongress vom Freitag soll ein Wendepunkt markieren. Im Zürcher Hallenstadion wählt die Fifa ihren neuen Präsidenten. Bereits am Donnerstag haben sich die Kandidaten in den Zürcher Nobelhotels ihren Wählern präsentiert.

  • Vor dem FIFA-Kongress

    Aus Tagesschau vom 25.2.2016

    Am FIFA-Kongress morgen in Zürich stehen neben der Wahl des Nachfolgers von Sepp Blatter viele Reformen im Zentrum. Diese müssen von den 209 Landes-Verbänden angenommen werden. Live dazu die Einschätzungen von SRF-Sonderkorrespondentin Monika Schönenberger.

  • Vor der FIFA-Wahl

    Aus Tagesschau vom 24.2.2016

    Übermorgen wird im Zürcher Hallen-Stadion der neue Fifa-Präsident gewählt. Man rechnet mit einem Zweikampf zwischen Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa aus Bahrain und dem Schweizer Gianni Infantino. Eine äusserst spannende Ausgangslage.