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Grüne Spitzenkandidaten Mit «Realos» in den Wahlkampf

Die Parteimitglieder der Grünen schenken Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt das Vertrauen.

Legende: Video Deutsche Grüne empfehlen sich als Koalitionspartner abspielen. Laufzeit 01:34 Minuten.
Aus Tagesschau vom 18.01.2017.
  • Die Grünen ziehen mit zwei «Realos» in den Bundestags-Wahlkampf
  • Dank einer Frauenquote stand Göring-Eckardt schon im Voraus als Siegerin fest.
  • Laut Umfragen wäre auf Bundesebene eine «Jamaika»-Koalition (Schwarz-Gelb-Grün) möglich.

Die deutschen Grünen ziehen mit Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt als Spitzenkandidaten in den Bundestags-Wahlkampf. Das haben die Parteimitglieder in einer Urwahl entschieden.

Beide sind Vertreter des sogenannten realpolitischen Flügels der Ökopartei, was im politischen Berlin bereits als ein Signal für eine mögliche «schwarz-grüne» Koalition mit den Christdemokraten von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach der Wahl zum nationalen Parlament im Herbst verstanden wurde.

Der in Baden-Württemberg geborene und aufgewachsene türkischstämmige Özdemir (51) ist einer der beiden Bundesvorsitzenden der Grünen. Die Thüringerin Göring-Eckardt (50) ist eine der zwei Vorsitzenden der Bundestagsfraktion.

Sieg schon vor der Wahl

Für die beiden Spitzenposten hatte es vier Bewerber gegeben. Göring-Eckardts Nominierung stand schon vor der Wahl fest, weil laut Parteistatuten im Spitzenduo mindestens eine Frau vertreten sein muss und sie die einzige weibliche Kandidatin war. Mit 70,6 Prozent Zustimmung holte die Ostdeutsche auch das mit Abstand beste Ergebnis.

Özdemir lag mit 36 Prozent nur 75 Stimmen vor dem schleswig-holsteinischen Umweltminister Robert Habeck. Co-Fraktionschef Anton Hofreiter, ein Vertreter des linken oder fundamentalistischen Parteiflügels, landete mit 26,2 Prozent abgeschlagen auf Platz vier.

Mögliche Koalitionen

Der Bundestag wird voraussichtlich am 24. September gewählt. Bei der Wahl 2013 waren die Grünen auf enttäuschende 8,4 Prozent zurückgefallen. Seit Ende der rot-grünen Koalition 2005 sind sie auf Bundesebene nur noch eine von mehreren Oppositionsparteien. Die Grünen sind aber an 11 von 16 deutschen Länderregierungen beteiligt und haben damit beträchtlichen Einfluss im Bundesrat.

Nach der Wahl 2013 waren Sondierungsgespräche zwischen Christdemokraten und Grünen schnell gescheitert, und Merkel handelte stattdessen eine grosse Koalition mit den Sozialdemokraten aus.

Anders als 2013 hätte nach gegenwärtigen Umfragen «Schwarz-Grün» in Deutschland keine Mehrheit. Auch eine «rot-rot-grüne» Koalition aus Sozialdemokraten, Grünen und Linkspartei wie in den Ländern Berlin und Thüringen könnte nicht gebildet werden. Möglich wäre dagegen eine «Jamaika»-Koalition (Schwarz-Gelb-Grün) aus CDU/CSU, Grünen und Liberalen (FDP).

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5 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Alle "türkisch" Deutschen werden sich da sehr freuen, dass einer von ihnen in der Politik vielleicht doch mal was zu sagen hat. Worauf Özdemir aus ist, sollte jedem klar sein. Deshalb denke ich, dass das das endgültige AUS dieser Partei sein wird. Ausser, wenn es schon so viele ehemalige Türken in Deutschland gibt, dass sie alleine diese Partei unterstützen könnten. Dann könnte man die Partei umbenennen zu "TKP" türkische Partei. Wenn Europa so weiter macht wie heute, wird das möglich sein.
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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Seit J. Fischers Auftritt als Aussenminister im Kabinett Schröder verloren die Grünen ihre Glaubwürdigkeit. Özdemir kommt mir vor wie die nächste Auflage Fischer, ein aalglatter Opportunist. Dieser könnte sich ebensogut als Kandidat der AKP für das Bürgermeisteramt in Istambul aufstellen lassen und es würde mich nicht wundern, wenn er gewählt würde. ( Ist er (noch?) Deutsch-Türkischer-Doppelbürger? Erdogan könnte er erklären, dass er unter den Ungläubigen vom richtigen Weg abgekommen sei.)
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Umweltschutz ist für C. Özdemir nur ein Nebenthema. Ihm geht es in erster Linie um die grossen Fragen wie Integration, den Kampf gegen den Daesh (IS) und darum, dem türkischen Präsidenten R. Erdogan Paroli zu bieten. Und damit will er mehr Wähler gewinnen. Wenn ein Parteivorsitzender in D den Islam, den Daesh und R. Erdogan ganz oben auf die Tagesordnung setzt und gleichzeitig den Gründungsgedanken der Partei für unwichtig hält, dann wird dies vermutlich eher nicht von Erfolg gekrönt werden.
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