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Tiefe Sterblichkeitsrate in Polen
Aus Echo der Zeit vom 18.05.2020.
abspielen. Laufzeit 07:06 Minuten.
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Mitten in der Corona-Pandemie Polen verzeichnet eine «Untersterblichkeit»

Der Grund für die tiefere Sterblichkeit in diesem Frühjahr: das Coronavirus. Das tönt paradox, lässt sich aber erklären.

Weniger Tote dank Corona – in Polen ist das keine neue, dreiste Verschwörungstheorie, sondern eine Tatsache. Am 4. März kam das Virus offiziell nach Polen – seither sind weniger Menschen gestorben als in anderen Jahren; nicht wie in Spanien oder Grossbritannien also, wo wegen Corona Tausende mehr sterben als normalerweise.

In Polen sind es sogar tausende Tote weniger. Der Fernsehsender TVN hat die Anzahl Todesfälle im Land seit Anfang März verglichen mit den Jahren 2015 bis 2019. Die Zahlen sind verlässlich, sie kommen aus den Regionen und vom zentralen Statistikamt.

Weniger Tote – dank Corona

Fachleute, zum Beispiel Virologin Emilia Skirmuntt von der englischen Oxford-Universität, sagen nun: In Polen wird im Moment – statistisch gesehen – weniger gestorben dank Corona, nicht trotz.

Da sind die Autounfälle: Polinnen und Polen fahren nicht selten abenteuerlich, auf den Strassen passiert denn auch überdurchschnittlich viel Schlimmes – nicht so zu Coronazeiten. Die Regierung bremste das ganze Wirtschafts- und Sozialleben, viele Strassen waren praktisch leer, es gab deutlich weniger Unfälle als in normalen Jahren.

Autos fahren an Unfallstelle vorbei
Legende: Laut dem WHO-Bericht zur Strassensicherheit von 2019 verzeichnen in Europa nur Bulgarien, Rumänien und Montenegro mehr Verkehrstote als Polen pro 100'000 Einwohner. Keystone

Da ist die Luft: In Polen ist sie überdurchschnittlich schmutzig, fast der ganze Strom kommt aus Kohle, man fährt oft ältere, dreckigere Autos. Ärzte schätzen: Zehntausende sterben an den Folgen der schlechten Luft. Nicht so zu Coronazeiten; weniger Verkehr und weniger Industrie heisst: weniger Tote, wie die Statistik zeigt.

Belchatow
Legende: Belchatow ist das weltgrösste Braunkohlekraftwerk. Es setzt jährlich zwischen 30 und 40 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid frei – mehr als Länder wie Irland oder die Slowakei insgesamt. Reuters

Da ist die Grippe: Weil fast alle zu Hause geblieben sind, konnte sie nicht stark wüten. Und klar: Das Coronavirus hat in Polen nur wenige erwischt, nur wenige sind daran gestorben.

Weniger Tote dank Corona: Dieser Befund widerlegt sogar eine gängige Verschwörungstheorie. Die Theorie nämlich, dass die Regierung massenhaft Coronakranke und -Tote verschweigt. Die polnische Todesfallstatistik zeigt: Das kann nicht sein.

Echo der Zeit vom 18.05.2020, 18 Uhr

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    Jede noch so erfreuliche Meldung wird daraufhin ausgelegt, dass alles Erdenkliche unternommen werden muss, um die Verbreitung dieses Virus zu stoppen und aufzuhalten, bis eine Impfung kommt. Die Fallsterblichkeit kann sich als zehnmal tiefer herausstellen als befürchtet, R(0) halbieren, das Virus bleibt Staats- und Weltfeind Nummer eins, je strenger die Massnahmen, desto engelsgleicher strahlt das Land. Dass die russischen Spitäler funktionieren? Wen interessierts. Die tiefen Zahlen? Korruption.
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  • Kommentar von Paul Graber  (PG)
    Hm - bedeutet das nun, dass wir einen Lockdown wegen des Verkehrs machen sollten? Dann frage ich mich aber, warum wir des Swiss noch Unterstützungsgelder geben, wenn doch der Verkehr noch gefährlicher ist, als das Virus.
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    1. Antwort von Nathanael Amsler  (SirBlackbird)
      Eine Verkehrsunfall kann nicht an andere Personen weitergegeben werden. Ein Virus hingegen verbreitet sich unkontrolliert (bis man die Ansteckungskette durchbrechen kann). Sie vergleichen Äpfel mit Birnen.
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    2. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Herr Amsler, die Frage ist doch, wie hoch muss die Gefährdung sein, dass man die Kosten auf sich nehmen will, eine Basisreproduktion von etwas über 2 auf unbestimmte Zeit auf unter 1 zu drücken. Falls es mit etwas Vorsicht schon getan ist, prima. Falls es nicht so leicht wird, sollte man allmählich die Verweise auf verschiedene Obstsorten bleiben lassen und sich über Risiken statistische Gedanken machen, die schon längst und tausendmal genauer als sonst irgendetwas über Sars-Cov-2 erhoben sind.
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  • Kommentar von Gerbrand Ronsmans  (GRo)
    Den Zusammenhang mit das Verkehrsaufkommen ist klar und offensichtlich. Den Zusammenhang mit Luftverschmutzung ebenfalls. Aber die beide laufen über verschiedene zeitliche Axe. Es scheint mir sehr unwahrscheinlich dass man senkende Sterberate auf Grund Saubere Luft schon heute messen kann wegen Corona Massnahmen.
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    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Dennoch sind Lockdowns zweifellos in vieler Hinsicht gut. - Erlaube mir die unbeschwerte Ironie nur deshalb, weil vermutlich auch am blauen Himmel über Polen einiges für Entwarnung spricht. Natürlich mindert das weder das Leid, das Menschen durch Covid19 erfahren müssen, noch dasjenige, das durch die Lockdowns verursacht wurde. Eine nüchterne Betrachtung wäre aber doch für alle würdiger als die Extreme Angst und Aufregung und Ignoranz und Aberglaube, zwischen denen jetzt die Menschheit schwebt.
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