Money first – die «unsichtbare Vorwahl» in den USA

Noch hat niemand offiziell seine Kandidatur für die US-Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr angekündigt. Doch bei der «unsichtbaren Vorwahl» wird zurzeit um die Gunst der Geldgeber geworben. Diese sind so reich und spendenwillig wie nie. Es wird vermutlich der teuerste Wahlkampf der Geschichte.

«Ich will gewinnen, ich will dass unsere Partei gewinnt, dass die Konservativen gewinnen», machte Jeb Bush vor wenigen Tagen an der Landwirtschaftsausstellung in Iowa deutlich. Der Bruder des früheren Präsidenten George W. Bush nimmt aber auch an vielen exklusiveren Treffen teil.

Jeb Bush an der Landwirtschaftsmesse in Iowa.

Bildlegende: Klare Ansage: Der frühere Gouverneur von Florida Jeb Bush an der Landwirtschftsmesse in Iowa. Keystone/Archiv

Im Januar reiste Bush auf Einladung der schwerreichen Gebrüder Koch an den Luxusort Palm Springs in Kalifornien. Eingeladen waren auch die Senatoren Marco Rubio, Ted Cruz und Rand Paul sowie Scott Walker, Gouverneur in Wisconsin. Eben pilgerten sie nach Florida zum Club for Growth, einem Politverein mit reichen Spendern. Bald geht es nach Las Vegas zur Audienz beim Casino-Magnaten Sheldon Adelson.

Allesamt nehmen alle an der sogenannten «unsichtbaren Vorwahl» teil, wo sie Geld sammeln und um die Unterstützung ihrer Partei ersuchen, bevor die Vorwahlen in den ersten Bundesstaaten losgehen.

An ihnen kommt niemand vorbei

So läuft das immer ab, doch dieses Jahr ist etwas anders, wie Corey Cook, Politologieprofessor an der University of San Francisco, erklärt: «Die potenziellen Kandidaten reden mit Geldgebern, die so reich sind, dass sie eine Kampagne eigenständig finanzieren können.»

So haben die Gebrüder Koch angekündigt, dass sie gegen eine Milliarde Dollar in den kommenden Wahlkampf stecken – so viel wie die republikanische Partei in den letzten Präsidentschaftswahlen.

Grosse Geldgeber machten den Parteien ihre Rolle in der Auswahl des offiziellen Kandidaten sowie der Wahlkampfthemen streitig, betont Cook: «Für Republikaner des Establishments ist es ein grosses Problem, wenn die Koch-Brüder ihre Kandidatur nicht unterstützen.»

Warten auf Hillary Clinton

Doch auch die Demokraten haben ihre Milliardäre: George Soros und Warren Buffet sowie der frühere Hedge Fund Manager Tom Steyer gehören zu den Grossspendern. Bei ihnen ist bisher nur von einer Präsidentschaftskandidatin die Rede: Hillary Clinton.

Hillary Cliton bei Anlass in New York.

Bildlegende: Hillary Clinton: Steigt die ehemalige First Lady und US-Aussenministerin erneut ins Rennen? Reuters/Archiv

Clinton gilt parteiintern als praktisch unschlagbar: Bis sie sich festgelegt hat, wagt niemand anderes, Ambitionen zu zeigen. Sie bleibt aber vage, wie kürzlich an einem Technologie-Kongress: «Alles zu seiner Zeit. Ich muss mir Vieles überlegen.»

Tritt sie an, so werden die demokratischen Geldgeber ihre Schatullen öffnen, erklärt Politologe Cook: «Ihre Fähigkeit, Geld zu sammeln, übertrifft alle in der demokratischen Partei. Falls sie antritt, wird das mit Abstand der teuerste Wahlkampf der US-Geschichte.»