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Mord an Esmond Bradley Martin Ein schwerer Rückschlag im Kampf gegen den Elfenbein-Handel

Esmond Bradley Martin war einer der führenden Kämpfer gegen den Elfenbein-Handel. Der Mord an ihm zeigt: Die Kartelle gehen immer brutaler vor.

Legende: Audio ««Esmond Bradley Martin hat sich mit den mächtigsten Köpfen der Kartelle angelegt»» abspielen. Laufzeit 7:31 Minuten.
7:31 min, aus SRF 4 News aktuell vom 09.02.2018.

Darum geht es: Der für seinen Kampf gegen den Elfenbeinhandel bekannte US-amerikanische Naturschützer Esmond Bradley Martin ist in Kenia getötet worden. Er wurde am vergangenen Sonntag erstochen in seinem Haus in der kenianischen Hauptstadt Nairobi aufgefunden. Die Fahndung nach dem Täter läuft. Der Schluss liegt aber nahe, dass er im Milieu der Elfenbeinhändler zu suchen ist.

Dagegen kämpfte Martin: Bettina Rühl, freie Journalistin in Kenia, sagt, dass Martin die Abnahmemärkte im Blick hatte. «Er war vor allem in Asien aktiv und hatte da auch wieder eine Untersuchung am Laufen. Er war den Kartellen direkt auf der Spur», so Rühl. Martin habe sich mit den mächtigsten Köpfen angelegt. Zuletzt hatte er offenbar zu Burma als Abnahmeland von Elfenbein geforscht.

Esmond Bradley Martin.
Legende: Wurde Martin der Kampf gegen die Elfenbein-Kartelle zum Verhängnis? Keystone

So ist die Situation in Afrika: «Die Zahl der getöteten Ranger ist in den vergangenen Jahren eindrücklich gestiegen», weiss Rühl. Der internationale Ranger-Verband erhebt jährlich zur Jahresmitte Zahlen. 2015/2016 sind in Afrika 32 Wildhüter getötet worden, ein Jahr später waren es 55. Die Menschen seien sich durchaus bewusst, dass sie mit dem Beruf Umweltschützer ihr Leben aufs Spiel setzen würden, sagt Rühl. Die Rangers sagen aber, dass sie einerseits nicht vor der Gewalt zurückweichen wollen. Andererseits gäbe es aber auch nicht viele Optionen, Geld zu verdienen.

Zunehmende Brutalität: Dass die Gewalt stark zunimmt, liegt gemäss Rühl daran, dass nicht mehr Einheimische mit bescheidenen Waffen auf die Jagd gehen, sondern Milizen mit Kriegswaffen. «Da kommt es teilweise auch zum Einsatz von Kampfhubschraubern.» Wilderei finde immer stärker im Umfeld von politischer Instabilität statt, so Rühl. «Menschen, die in Bürgerkriegsgebieten oder in politisch instabilen Gebieten unterwegs sind, sind entsprechend auch skrupelloser», sagt die Journalistin.

Männer demonstrieren auf einem Bus in Nairobi.
Legende: Die politische Lage in Kenia ist instabil. Immer wieder kommt es, wie hier in Nairobi, zu Protesten. (30. Januar 2018). Keystone

Situation in Kenia: Eigentlich gilt Kenia als friedliches Land. «Aber im Zentrum des Landes gab es im vergangenen Jahr massive Unruhen», erzählt Rühl. «Gerade auch da, wo viele private Wildschutzgebiete sind.» Leute seien schwer bewaffnet in den Reservaten auf die Jagd gegangen. «Es geht nicht mehr darum, dass ein paar einzelne in ansonsten stabilen rechtsstaatlichen Gebilden ein paar Wildtiere erlegen.»

Elfenbeinmarkt im Umbruch: China hat den Handel mit Elfenbein mittlerweile verboten, trotzdem gehen Naturschutzorganisationen nicht davon aus, dass der Markt austrocknen wird. Denn die Entscheidung von China sei so jung, dass vor Ort offensichtlich noch gar nichts davon zu spüren sei, sagt Rühl. «Weiter wird natürlich der Schwarzmarkt bestehen bleiben.» Und es sei nicht ausgeschlossen, dass andere Staaten als Abnehmer bereit stehen. «Bei den Summen, um die es geht, werden die Kartelle Wege finden, um ihr Geld zu verdienen.»

Legende:
Beschlagnahmtes Elfenbein Weltweite Beschlagnahmungen von geschmuggelten Elfenbein zwischen 2007-2014. Elephant Trade Information System (Etis)

Auswirkungen des Mordes an Martin: «Der Mord hat international für Schlagzeilen gesorgt und natürlich politisch aufgerüttelt», so Rühl. Aber man müsse beachten, dass es regelmässig Morde an profilierten Tierschützern gebe. «Das hat dazu geführt, dass die Szene der Naturschützer in Afrika sehr stark ist.» Denn sie würden, wie auch Martin, in einer juristischen Weise ermitteln – «und das ist eigentlich das, was nötig ist, um diesen Kartellen tatsächlich das Handwerk zu legen.»

Elfenbein.
Legende: In China ist der Handel mit dem weissen Gold mittlerweile verboten. Keystone

5 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Holenweger (Galileo12)
    Das chinesische Verbot Elfenbein zu verkaufen ist doch reine Propaganda. Ich wäre nicht erstaunt wenn die höchsten Regierungskreise selber Elfenbein konsumieren. Solchem Aberglauben ist nicht mit Verboten beizukommen. In Afrika profitieren wohl jene die an den Hebeln der Macht sitzen am meisten daran. Also gibt es ausser ein paar Naturschützer in EU und USA niemand der wirklich etwas ändern möchte. Vielleicht sollten wir solche Länder meiden und ihnen die Devisen aus dem Tourismus entziehen!
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  • Kommentar von Andreas Meier (Epikur)
    Für die Jagd und das Ausschalten von Terroristen werden Milliarden ausgegeben, keine Gesetzesänderung und keine Aufwände gescheut. Zum Schutz unserer wertvollsten Biosphären und gefährdeten Spezies wird ausser ein paar Privatinitiativen und oberflächlichen, zahnlosen Verboten nichts getan. Einmal, nur eimal würde ich mir wünschen, dass die Amis, Russen, NATO und Chinesen illegale Holzhändler, Regenwaldvernichter, Wilderer, Schleppfischer ect. gleich verfolgen und zur Strecke bringen würden.
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  • Kommentar von Thomas Heimberg (tomfly)
    Das Traurige für mich ist unter anderem, dass dieses Elfenbein vor allem für die Chinesen bestimmt ist. Die, die auch alle anderen Tiere mit den Füssen treten und kaum Umweltschutzstandards kennen. Von denen neue Schädlinge und Seuchen nach Europa kommen, weil sie mit der Natur nichts am Hut haben. Die, die trotz all dem hier hofiert werden, weil man mit ihnen Kasse machen kann.
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