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Anschlag auf Lehrer entsetzt Frankreich
Aus Echo der Zeit vom 17.10.2020.
abspielen. Laufzeit 03:48 Minuten.
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Mord an Lehrer bei Paris Tatmotiv: Hass auf die französische Republik und ihr Rückgrat

Schauplatz Conflans-Saint-Honorine – eine Kleinstadt in der Agglomeration von Paris. Ein brutaler Mord auf offener Strasse: Ein Mann überfällt einen Passanten und enthauptet ihn. Wenig später erscheint die Polizei. Es kommt zu einem Feuergefecht mit dem mutmasslichen Täter, der «Allahu Akbar» ruft und beim Schusswechsel getötet wird. Das Opfer war Lehrer. Er soll kürzlich im Medienunterricht zum Thema Meinungsfreiheit Mohammed-Karikaturen gezeigt haben.

War der Mörder ein Einzeltäter oder Teil eines Netzwerkes – die Staatsanwaltschaft ermittelt in alle Richtungen. Klar ist aber: Die Tat trifft die Schule – und damit eine der zentralen Institutionen Frankreichs.

Grundwerte vermitteln

Frankreichs Erziehungsminister Jean-Michel Blanquer bringt es in zwei Sätzen auf den Punkt. Das Motiv für den Mord am Lehrer in Conflans-Saint-Honorine sei Hass auf die Französische Republik, denn die Schule sei das Rückgrat der Republik. Sie soll nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch die Grundwerte: kurz gesagt Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

Blanquer fügte vor den Medien am Samstagmorgen ein viertes Element hinzu: Den Laizismus, die Neutralität des Staates in Bezug auf Weltanschauung und Religion. Erst diese Neutralität mache es möglich, die Ziele Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu erreichen.

Den radikalen Islam zurückbinden

Frankreich löst diesen Anspruch in der täglichen Praxis zwar nicht wirklich ein. Es gibt in der Gesellschaft grosse Ungleichheiten. Aber der Laizismus ist eines der wichtigsten Dogmen der Republik, insbesondere in den Schulen.

Dies zeigt sich auch bei der Debatte um das Gesetz gegen Separatismus, das Präsident Emmanuel Macron vor zwei Wochen angekündigt hat. Macron nannte das Ziel beim Namen: den radikalen Islam zurückbinden, der sich in vielen Metropolen Frankreichs in eigenen Gemeinschaften organisiert und dabei auch starken Einfluss auf die gemässigte Muslime bekommen hat.

Die Schule nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Für viele fundamentalistische Muslime sind Frankreichs staatliche Schulen ein Ort der Subversion: Sie schicken ihre Kinder in private Koranschulen, um sie vor dem Einfluss des westlichen Modernismus zu bewahren. Wiederholt haben die französischen Behörden in den letzten Jahren solche Koranschulen entdeckt.

Flagge zeigen

Das geplante Gesetz gegen Separatismus, soll dieser Praxis einen Riegel schieben. Denn künftig sollen alle Kinder staatlich anerkannte und kontrollierte Schulen besuchen müssen. Als treibende Kraft hinter dieser neuen Regel gilt Erziehungsminister Blanquer, der sich durch den Mord in Conflans-Sainte-Honorine bestätigt sieht. Die Republik müsse Flagge zeigen, sagt er, keine Angst zeigen – jetzt erst recht.

Der Mord am Lehrer wird Einfluss auf die Debatte um das neue Gesetz gegen Separatismus haben. Ähnlich wie die Morde auf der Redaktion der Satirezeitschrift «Charlie Hebdo», die derzeit vor Gericht verhandelt werden. In beiden Fällen geht es letztlich um das Gleiche: um die Meinungs- und Glaubensfreiheit, die der Staat durch seine Neutralität garantiert.

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Echo der Zeit, 17.10.2020

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Lothar Drack  (spprSso)
    Mit dem Laizismus lebt Frankreich sicher ein wichtiges Prinzip vor, von dem sich Resteuropa was eine Scheibe abschneiden könnte: Keine religiösen Zeichen in öffentlichen Institutionen und Schulen. Ebenso wenig sind Kopftücher akzeptiert wie sichtbare Kreuzchen an Goldkettchen etc.
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