Moskau schickt Hilfskonvoi in die Ostukraine

Die Situation im Osten der Ukraine wird im Chaos immer dramatischer. Tausende sind auf der Flucht, Wasser und Lebensmittel für die Verbliebenen werden knapp. Hilfe naht nun vom Roten Kreuz. Ein erster russischer Hilfskonvoi hat sich bereits auf den Weg in die Ostukraine gemacht.

Eine Frau verlässt mit Taschen und einem Vogelkäfig ein zerstörtes Wohnhaus.

Bildlegende: Die Zivilbevölkerung leider immer stärker unter den Kämpfen im Osten der Ukraine. Reuters

Der Weg für eine internationale Hilfsmission für die Bevölkerung im umkämpften Osten der Ukraine ist frei. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko stimmte einem solchen Einsatz nach einem Telefonat mit US-Präsident Barack Obama zu.

Vor allem in den umkämpften Städten Lugansk und Donezk wird die Lage immer prekärer. Wasser und Lebensmittel sind knapp. Hilfe ist dringend nötig.

Erster Konvoi offenbar unterwegs

Wie die Nachrichtenagentur Itar Tass meldete, ist bereits ein russischer Hilfskonvoi am Dienstagmorgen in die Ostukraine aufgebrochen. 280 Lastwagen mit Medikamenten, Nahrungsmitteln und Schlafsäcken sind in der Nähe der russischen Hauptstadt Moskau gestartet.


Hilfe für die Ost-Ukraine

1:24 min, aus SRF 4 News aktuell vom 12.08.2014

Es handele sich insgesamt um 2000 Tonnen Hilfsgüter, die Bürger in Moskau und im Umland gesammelt hätten, berichtete das Staatsfernsehen. Kiew vermeldete aber bereits das es den Konvoi nicht über die Grenze lassen will. Es erachte nur einen Hilfseinsatz unter dem Dach des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) für zulässig.

Hilfe soll von allen Seiten kommen

An der Mission unter Leitung des IKRK sollen sich demnach Russland, die EU, Deutschland und andere Partner beteiligen, wie die Präsidialverwaltung in Kiew mitteilte. Es gehe um einen Einsatz für die besonders von den blutigen Kämpfen betroffene Region Lugansk.

IKRK ist bereit, die Federführung bei der geplanten Hilfsaktion zu übernehmen. Nach Absprache mit russischen und ukrainischen Behörden könne das Rote Kreuz den Menschen in der umkämpften Region bald Hilfe leisten, teilte die Organisation am Abend in Genf mit. Vereinbart wurde demnach mit den Konfliktparteien, dass das IKRK seinen Grundsätzen entsprechend unabhängig und unparteiisch helfe.

Misstrauen gegen Hilfslieferungen aus Russland

Russland hatte immer wieder eine solche Hilfsmission gefordert und dem Westen Zögerlichkeit sowie «Blindheit» für die Notlage der Menschen vorgeworfen. Hilfslieferungen müssen allerdings in Absprache mit dem IKRK koordiniert werden, hiess es von mehreren Seiten.

Die ukrainische Führung hatte dagegen mehrfach die Befürchtung geäussert, Russland könnte unter dem Deckmantel eines Hilfskonvois Soldaten und Waffen über die Grenze schaffen. Auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hatte solche Bedenken geäussert.

Es war die erste Bestätigung von ukrainischer Seite, dass die umstrittene Hilfsmission nun zustande kommt. Zuvor hatte der russische Präsident Wladimir Putin die EU-Kommission über die Teilnahme Russlands an der Mission informiert. Barroso warnte Putin nach Angaben der EU-Kommission vor «einseitigen militärischen Aktionen, unter egal welchem Vorwand, inklusive humanitärer Einsätze».

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Russlands Hilfkonvoi

    Aus Tagesschau vom 12.8.2014

    Ein russischer Hilfskonvoi für die Zivilbevölkerung im Osten der Ukraine weckt Misstrauen. In der Ukraine wird befürchtet, dass Russland unter dem Deckmantel des Hilfskonvois Soldaten in die Ostukraine schmuggeln. Offiziell soll die Federführung das Internationale Rote Kreuz IKRK innehaben.

  • Flüchtlinge aus der Ostukraine in einem provisorischen Flüchtlingslager. Nun soll Hilfe kommen - aus Russland.

    Korridor für humanitäre Hilfe in die Ostukraine

    Aus Rendez-vous vom 12.8.2014

    Die Lage der Bevölkerung in den beiden umkämpften Grossstädten Donezk und Lugansk im Osten der Ukraine ist prekär. Die ukrainischen Streitkräfte ziehen die Belagerungs-Ringe immer enger. Russland hat nun einen Konvoi mit Hilfsgütern losgeschickt. Das weckt auch Ängste.

    Christoph Wüthrich

  • Ukraine-Konflikt vor letzter Phase?

    Aus Tagesschau vom 11.8.2014

    Die prorussischen Separatisten scheinen den Kampf um ihre Hochburg Donezk zu verlieren. Aus Kiew heisst es, Donezk sei eingekesselt. Die Bevölkerung bringt sich in Sicherheit, was angesichts der Lage immer schwieriger wird.