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Mugabe als Sonderbotschafter Was hat sich die WHO bloss dabei gedacht?

Robert Mugabe wird doch nicht WHO-Botschafter. Warum er überhaupt nominiert wurde, erklärt der UNO-Experte von SRF, Fredy Gsteiger.

Mann mit Hemd und Krawatte.
Legende: Fredy Gsteiger ist diplomatischer Korrespondent von SRF. Sein Spezialgebiet sind Sicherheitsfragen oder die UNO. srf

Die Ernennung Mugabes und der Rückzieher danach; welches Zeugnis stellt das dem neuen WHO-Chef aus? «Es zeigt in erster Linie, dass Tedros Ghebreyesus offenbar das politische Gespür abgeht», sagt Fredy Gsteiger, diplomatischer Korrespondent von SRF. Es sei ihm möglicherweise nicht bewusst gewesen, dass die WHO zu einem Grossteil durch Spenden finanziert wird. «Von den Spendern, beispielsweise Stiftungen oder NGO, kamen denn auch die Proteste.»

Auch der wichtige Beitragszahler Kanada protestierte: Premierminister Justin Trudeau sprach von einem Aprilscherz. Dem Äthiopier Ghebreyesus fehle möglicherweise auch die Sensibilität dafür, dass Mugabe eine sehr problematische Figur sei. «Es zeigt auch einmal mehr, dass das Auswahlverfahren für einen Spitzenposten in einer wichtigen Uno-Organisation nicht befriedigend durchgeführt wurde. Es hätte auch aus Afrika möglicherweise geeignetere Kandidaten gegeben.»

Warum wollte der WHO-Chef ausgerechnet den umstrittenen Robert Mugabe zum Sonderbotschafter für Afrika machen? «Möglicherweise handelt es sich um eine Geste Ghebreyesus’ an afrikanische Regierungen, die ihn als WHO-Chef gewählt haben und für die Mugabe teilweise immer noch als Symbol des anti-kolonialistischen Widerstands gilt», sagt Gsteiger. Es könne aber auch eine Geste an China sein, das den Wahlkampf von Ghebreyesus für die WHO-Spitze sehr stark unterstützt habe. China sei gleichzeitig das Land, dem Robert Mugabes Regime seit Jahren das Überleben zu verdanken habe. «Man sieht in der UNO oft, dass sich Leute aus autoritären Regimen gegenseitig stützen.»

Hat Ghebreyesus der WHO mit der missglückten Ernennung Mugabes nachhaltig geschadet? «Man muss hoffen, dass das nicht der Fall ist», sagt Gsteiger. Die WHO sei eine sehr wichtige UNO-Organisation. Sie ist ohnehin seit zwei Jahren angeschlagen, weil die in der Ebola-Krise zu wenig und zu spät gehandelt hat. Es sei zu befürchten, dass gerade die USA, die im Moment ja ohnehin eher auf Distanz zur UNO gingen, die Nomination Mugabes als Vorwand nutzen, der WHO den Rücken zu kehren. «Das hätte natürlich für die Organisation, auch im finanziellen Bereich, gravierende Konsequenzen.»

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Foletti (Walter Foletti)
    Herr Mugabe war ein wichtiges Mitglied der damaligen Organisation FRELIMO, die für Freiheit und Unabhängigkeit und gegen Kolonialismus kämpfte. Im heutigen Zimbabwe (ehemals Rhodesien) das von Herr Mugabe regiert wird, geht es dem Volk schlechter als je zuvor währen der Kolonialzeit. Herr Mugabe in ein Amt der WHO zu wählen, währe somit nicht vertretbar, denn damit würde er sich für sein Tun bestätigt fühlen.
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Wer einen Mugabe auf einen UNO-Ponzentron befoerdert gehoert selber auch sofort ersetzt....
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  • Kommentar von elize naude (elize)
    ein seltsame club... mugabe ist ein diktator der andersdenkender brutal verfolgt... in saus und brausch leben während sein volk am verhungern ist... und das seit 40jahren... menschen wie er verursache nur not & elend...
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