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International Mursi verhängt Ausnahmezustand

Ägyptens Präsident hat wegen der Unruhen im Land den Notstand in drei Städten ausgerufen. Die Demonstranten wollen sich davon aber nicht abhalten lassen: Sie planen neue Aktionen. Bei Ausschreitungen waren zuvor mehr als 100 Menschen verletzt worden.

Legende: Video «Präsident Mursi ruft in drei Städten den Ausnahmezustand aus» abspielen. Laufzeit 1:17 Minuten.
Aus Tagesschau Nacht vom 27.01.2013.
Mann wirft Molotow-Cocktail
Legende: Gegner von Präsident Mursi bewerfen die Sicherheitskräfte und andere Ägypter mit Molotow-Cocktails und Steinen. Reuters

Ägypten kommt nicht zur Ruhe: Wegen der Unruhen in den drei Städten Suez, Ismailia und Port Said hat Mohammed Mursi dort den Notstand ausgerufen. Der Ausnahmezustand solle am Montag in Kraft treten, sagte der ägyptische Präsident im Staatsfernsehen.

Der Notstand werde zunächst für 30 Tage verhängt, sagte Mursi bei seiner Rede an die Nation. Zudem wolle er mit führenden Politikern zu Wochenbeginn den Dialog suchen.

Gerichtsurteil als Auslöser

Der Schritt Mursis sei eine politische Drohgebärde, sagt die Journalisten Astrid Frefel in Kairo gegenüber Radio SRF. Die Menschen wollen sich ihr Demonstrationsrecht jedoch nicht nehmen lassen, wie ägyptische Agenturen meldeten. Bereits für heute haben sie zu neuen Aktionen gegen Mursi aufgerufen. Der Präsident lenke von den wirklichen Problemen des Landes ab.

Bei einem Trauermarsch für die 31 Opfer der Krawalle in Port Said vom Samstag kam es erneut zu Ausschreitungen. Es gab heftige Zusammenstössen mit den Sicherheitskräften: Schüsse waren zu hören, Tränengas wurde eingesetzt. Das Militär schickte Panzer an die Brennpunkte.

Auslöser der jüngsten Gewaltwelle ist ein Gerichtsurteil: 21 Fans der Fussballmannschaft Al-Masri wurden am Samstag wegen der Beteiligung an tödlichen Übergriffen auf Anhänger des gegnerischen Klubs Al-Ahli vor einem Jahr zum Tode verurteilt. 74 Menschen starben damals. 

Kreislauf der Gewalt

Für die Journalistin Frefel verlaufen die Ausschreitungen nach einem Muster: «Es fängt mit Demonstration an. Sobald es Tote gibt, kommt ein gefährlicher Kreislauf der Gewalt in Gang.»

Entscheidend seien die nächsten Tage. «Wenn es relativ ruhig bleibt, sind die Chancen für eine politische Lösung gegeben», sagt Frefel.

Präsident Mohammed Mursi hatte wegen der Krise in seinem Land die Teilnahme am Afrika-Gipfel in Äthiopien abgesagt, um sich mit seinen Ministern für Verteidigung, Justiz und Information über das weitere Vorgehen zu beraten.

Legende: Video «Ausschreitungen in Ägypten» abspielen. Laufzeit 0:30 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.01.2013.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Schmid, Wittenwil
    Daran, dass Mursi bzw. die Muslimbrüderschaft an die Macht gekommen ist, sind die westlichen Journalisten nicht ganz unschuldig. Bei der damaligen Wahl zwischen Mursi und Schafik haben sie sich ebenfalls mehr für Mursi stark gemacht. Es wurde mehrmals darauf hingewiesen, dass mit Schafik die Rückkehr zum alten Machtapparat geschehen könnte. Dass Mursi an seinem Versprechen "es folge keine islamische Renaissance" nicht Wort halten wird, war uns ja allen klar, nur nicht den Medien. .
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  • Kommentar von A. Holenstein, Cross'n'Star
    na bravo... wer jetzt noch ferien dorthin bucht, gehört also zu den ausnahmefällen! die griechen, spanier und portugiesen freuen sich über schweizer gäste!!!
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