Musharraf will in Pakistan wieder mitreden

Nach fast vier Jahren im Exil ist Pakistans Ex-Präsident Pervez Musharraf in seine Heimat zurückgekehrt. Erwartet wurde er von seinen Anhängern, der Justiz und den Taliban.

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Pervez Musharraf zurück in Pakistan

0:32 min, aus Tagesschau am Mittag vom 24.3.2013

«Ich kehre heute nach Pakistan zurück, um dabei zu helfen, unseren Platz in der Geschichte als wohlhabender, moderater und fortschrittlicher islamischer Staat zurückzuerobern», hiess es auf der Facebook-Seite und dem Twitter-Account Musharrafs.

Nach Musharrafs Ankunft aus seinem Exil Dubai war auf Fernsehbildern zu sehen, dass sich am Flughafen der südpakistanischen Hafenstadt Karachi einige hundert Unterstützer versammelt hatten. Eine dort geplante Ansprache sei abgesagt worden, berichtete der Sender Geo TV. Stattdessen wolle Musharraf am Mittwoch in Islamabad eine Medienkonferenz abhalten.

Musharraf hat vor, bei der Parlamentswahl am 11. Mai anzutreten. Wegen einer drohenden Amtsenthebung hatte er 2009 Pakistan verlassen. Ihm wird vorgeworfen, nicht genug zum Schutz der ehemaligen Ministerpräsidentin Benazir Bhutto getan zu haben. Sie wurde 2007 bei einem Anschlag auf einer Wahlkampfveranstaltung getötet.

Musharraf umringt von Anhängern und Journalisten.

Bildlegende: Wieder in der Heimat: Pervez Musharraf nach seiner Ankunft in Karachi. keystone

Todesdrohung von Taliban

Zudem gibt es Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Tod eines Separatistenführers. Um einer Verhaftung zu entgehen, hatte er bereits vor seiner Ankunft eine Kaution hinterlegt. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch forderte, Musharraf nach seiner Rückkehr für Menschenrechtsverletzungen während seiner Amtszeit zur Rechenschaft zu ziehen.

Musharraf war nach einem Militärputsch von 1999 bis 2008 im Amt. Während dieser Zeit war er ein enger Verbündeter der USA im Kampf gegen die Taliban und Al-Kaida im benachbarten Afghanistan. Auch im eigenen Land ging er gegen die Islamisten vor.

Die pakistanischen Taliban hatten in einer Videobotschaft gedroht, Musharraf nach seiner Rückkehr zu töten. Sie kündigten an, ihn mit Selbstmordattentätern «zur Hölle zu schicken».

Weg bis zu den Wahlen ist heikel

Der demokratische Übergang ist in Pakistan derweil aber auf relativ gutem Weg. Nach tagelangem Ringen zwischen Regierung und Opposition ernannte die Wahlkommission am Sonntag einen Übergangs-Premierminister. Vier der fünf Mitglieder hätten für den früheren Richter Mir Hazar Khan Khoso gestimmt, sagte Kommissionschef Fakhruddin Ibrahim in Islamabad.

Khoso war von der Volkspartei PPP nominiert worden, die die Regierung bis zum Ende der Legislaturperiode am vergangenen Wochenende geführt hatte. Er soll nun freie und faire Wahlen vorbereiten.

Sollte die Parlamentswahl wie geplant im Mai stattfinden, wäre es der erste Übergang von einer demokratisch gewählten Regierung zur nächsten in der Geschichte Pakistans. Seit der Unabhängigkeit 1947 hat etwa die Hälfte der Zeit das Militär in Pakistan geherrscht.

Die beiden grössten Parteien sind bislang die PPP und die Pakistanische Muslim-Liga (Nawaz/PML-N) von Ex-Premierminister Nawaz Sharif.

Kricket-Legende wälzt Politik um

Die Pakistan Tehreek-e-Insaf (PTI) der Cricket-Legende Imran Khan – die bei der Wahl 2008 nicht angetreten war – könnte das bisherige Machtgefüge allerdings stören. Musharrafs APML spielt in Umfragen bislang keine nennenswerte Rolle.

Khan sagte am Samstag in der ostpakistanischen Metropole Lahore vor Zehntausenden Anhängern, im Falle seiner Wahl würde seine Regierung einen «Heiligen Krieg» gegen Ungerechtigkeit im Land führen.