Muslimbrüder entsetzt über USA

Spannungen zwischen den Anhängern Mohammed Mursis und den USA: Aussenminister John Kerry gab der Entmachtung des Präsidenten durch das Militär nachträglich seinen Segen.

Muslimbrüder protestieren und halten ein Plakat von Mohammed Mursi hoch.

Bildlegende: Anhänger Mursis wollen ihren Präsidenten wieder an der Macht sehen. Reuters

US-Aussenminister John Kerry zeigte sich in einem TV-Interview zwar besorgt über den Tod von Dutzenden Mursi-Anhängern. Er stärkte aber auch die Position der ägyptischen Armee. Er sagte, die Armee sei von Millionen Menschen, die ein Abgleiten Ägyptens ins Chaos befürchtet hätten, zum Eingreifen aufgefordert worden. «Ihr Ziel war es nicht – soweit wir das bisher beurteilen können – die Macht zu übernehmen.» Vielmehr habe die Armee «die Demokratie wiederhergestellt».

Aussagen, über die Anhänger Mursis, die Muslimbrüder, entsetzt sind. «Wir glauben, dass die US-Regierung mitschuldig an dem Militärputsch ist», erklärte der Sprecher der Islamistenbewegung. Er forderte die US-Bevölkerung auf, sich gegen eine Regierung zu erheben, «die ihre Werte verrät, indem sie Tyrannei und Diktatur unterstützt».

Die Muslimbrüder riefen unterdessen erneut zu Protesten auf. Sie versammelten sich in mehreren Moscheen. Von dort aus wollen sie am Nachmittag mehrere Demonstrationszüge starten. Ihr Ziel: die Wiedereinsetzung von Präsident Mursi erreichen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Muslimbrüder sind durch das Militär in die Ecke gedrängt. Mit fast 100prozentiger Sicherheit wird es zu Gewalt kommen. Muslimbrüder bei Demonstrationen am 1. August 2013 in Kairo.

    Ägypten: Droht jetzt ein Bürgerkrieg?

    Aus Rendez-vous vom 2.8.2013

    Das Militär hat angedroht, zwei Mahnwachen der Muslimbrüder in Kairo zu räumen. Mahnwachen mit tausenden Menschen, die wollen, dass ihr Präsident Mohammed Mursi zurückkommt. Werden die Muslimbrüder einlenken? Gespräch mit Thomas Avenarius in Kairo.

    Simon Leu