Muslimbrüder rufen in Jordanien zum Wahlboykott auf

Tausende Jordanier haben nach dem Freitagsgebet gegen die bevorstehende Parlamentswahl protestiert. Zwar hat das Königshaus bereits Zugeständnisse gemacht, sie gehen den Demonstranten aber nicht weit genug.

Demonstranten mit Fahnen.

Bildlegende: Die Demonstranten befürchten unter anderem Wahlfälschungen. Keystone

In Jordanien wächst der Protest gegen die bevorstehende Parlamentswahl. In mehreren Städten gingen vor allem Anhänger der Muslimbruderschaft auf die Strassen. Sie riefen «Das Volk will das Regime warnen» und «Hör zu (König) Abdullah, das Volk will Freiheit!».

König Abdullah II. hatte zuvor erklärt, das neue Parlament dürfe erstmals die Regierungsmitglieder auswählen. Dieses Recht war bisher dem Monarchen vorbehalten. Der Opposition reicht dies jedoch nicht. Sie fordert eine Änderung der Verfassung.

Angst vor Wahlfälschung

Die Muslimbrüder, die mit ihrer Partei in früheren Parlamenten vertreten waren, lehnen auch das Wahlgesetz ab, weil es ihrer Ansicht nach Kandidaten der Stämme und den Loyalisten nutzt.

Die Islamisten-Bewegung warnte zudem vor Wahlfälschung. Ihr Oberhaupt Homam Said sagte in einer Rede vor den Demonstranten: «Diese Wahlen werden genauso sein wie frühere Wahlen.»

Für die Jordanier ist dies die erste Wahl seit Beginn des «Arabischen Frühlings» im Januar 2011. Nach der Revolution in Tunesien hatte es auch in Jordanien mehrfach Massenproteste gegeben, die jedoch bis auf wenige Ausnahmen friedlich geblieben waren.