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Mutmasslicher Giftgaseinsatz «Das syrische Massaker ist seit sieben Jahren im Gang»

Legende: Video Giftgas in Syrien: Wer sind die Verantwortlichen? abspielen. Laufzeit 07:01 Minuten.
Aus Rundschau vom 11.04.2018.

Der Arzt Mohamed Khyer Smoud hat mit seiner Familie vorgestern Douma mit einem Konvoi Richtung Norden in die Stadt Taftanaz verlassen. Der «Rundschau» gelang es, mit Smoud über eine brüchige Leitung zu sprechen.

Mohamed Khyer Smoud

Mohamed Khyer Smoud

Leiter Union of Medical Care and Relief Organizations

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Mohamed Khyer Smoud ist 36 Jahre alt und leitet für die humanitäre Organisation «Union of Medical Care and Relief Organizations» UOSSM die Zweigstelle in der umkämpften syrischen Region Ost-Ghouta.

SRF: Letztes Wochenende soll es einen Giftanschlag in Douma gegeben haben. Sie waren selber in der Stadt. Können Sie uns beschreiben, wie es den Leuten geht?

Mohamed Khyer Smoud: Die Sanitäter sind während der Angriffe von einem Schutzraum zum anderen und haben versucht, die Leute zu retten. Sie wurden ins Spital gebracht, ausgezogen und mit Wasser abgespritzt, um die Reste des Giftgases zu beseitigen. Für viele kam jede Hilfe zu spät, sie sind in den Schutzkellern gestorben.

Was denken Sie, wer steckt hinter den jüngsten Angriffen?

Wer hat Tausende von Flugzeugen, Raketen, Sprengstoffbomben, Hubschrauber? Es liegt auf der Hand, dass die Regierungstruppen diese Raketen abgefeuert haben.

Die Rebellen können keine Waffen herstellen, vor allem nicht nach sieben Jahren Belagerung von Ost-Ghouta und ganz sicher nicht in Douma.

Russland sagt, hinter diesen Anschlägen steckten die Rebellen. Was antworten Sie darauf?

Das stimmt überhaupt nicht. Die Materialien und die Spuren sind immer noch auf dem Boden und auf den Körpern der Opfer. Wenn eine Wahrheitskommission nach Douma kommt, kann sie es sehen. Die Rebellen können keine Waffen herstellen, vor allem nicht nach sieben Jahren Belagerung von Ost-Ghouta und ganz sicher nicht in Douma. Sogar Medikamente bekamen wir nur über internationale Organisationen. Es gibt keine Möglichkeiten, die Chemiewaffen nach Ost-Ghouta zu importieren.

Dieser Stellvertreterkrieg in Syrien ist seit sieben Jahren im Gang. Was wünschen Sie sich am meisten?

Leider hat das syrische Volk das Vertrauen in die Vereinten Nationen verloren. Die internationale Gemeinschaft gibt sich höchst alarmiert, wenn Giftgas-Anschläge erfolgen, aber Raketen- oder Sprengstoffanschlägen erachten sie als zulässig. Das syrische Massaker ist seit sieben Jahren im Gang und die Welt bewegt sich überhaupt nicht.

Das Gespräch führte Nicole Frank.

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47 Kommentare

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  • Kommentar von Luzius Brotbeck (LuziBrot)
    Wem können wir noch glauben? Offenbar haben alle Beteiligten eine eigene Agenda. Viele Geschichten, die wir aus Syrien hören, können falsch, manipuliert oder verzerrt worden sein. Interessanter ARD-Sendung: "Syrien Wem können wir noch glauben?" | MIMA-Schwerpunkt 10.04.18 https://www.youtube.com/watch?v=9x74I03s4XI Im Beitrag wird auch umstrittene „französische Hilfsorganisation“ UOSSM erwähnt, welche primär anti-syrische bzw. Anti-Assad-Propagandazwecke zu verfolgen scheint.
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  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Es kann durchaus sein dass dieses Gift, sofern es wirklich eingesetzt wurde, aus den Lagern der Regierung stammt. Da Assad aber längere Zeit sein Land nicht ganz unter Kontrolle hatte kann es durchaus sein das Rebellen sich eine gewisse Menge an Giftgas besorgt haben. Wenn ich mich nicht täusche wurde dies schon bei einem früheren möglichen Giftgas-Einsatz von Journalisten und Experten angedeutet.
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  • Kommentar von martin blättler (bruggegumper)
    Wenn tagelang die gleichen Bilder der gleichen Kinder in verschiedenen Zusammenschnitten gezeigt werden und dies noch für mehrere angebliche Giftgasattacken,erhöht das die Glaubwürdigkeit nicht. Diese gedrechselten Bilder als Grundlage für einen Kriegseintritt zu verwenden,errinnert an den Radiosender Gleiwitz und den Ueberfall auf Polen.
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