Zum Inhalt springen

Header

Video
Vor 75 Jahren hagelten Bomben vom Himmel auf Dresden
Aus 10vor10 vom 13.02.2020.
abspielen
Inhalt

Mythos Dresden Wie mit Geschichte Politik gemacht wird

Vor 75 Jahren wurde Dresden von den Alliierten in Schutt und Asche gelegt. Bis heute wird mit der Bombennacht Propaganda betrieben.

Es war ein Inferno, damals in der Nacht vom 13. Februar 1945. Dresden, die jahrhundertealte Barockstadt voller Kulturschätze, wurde dem Erdboden gleichgemacht – elf Wochen vor Kriegsende. Mehr als tausend britische und US-amerikanische Flugzeuge liessen stundenlang, tagelang Bomben niederprasseln.

Flugzeuge bombardieren Dresden.
Legende: Flugzeugbomber der Alliierten werfen Bomben über Chemnitz bei Dresden am 6. Februar 1945 ab. Keystone

Inge Wenzel erinnert sich, als wäre es gestern gewesen: An das Pfeifen und Donnern, das Phosphor, das von den Wänden tropfte, die lodernden Kohlekeller, die erstickenden Menschen. Die damals zehnjährige Inge war mittendrin – und überlebte wie durch ein Wunder.

Opfer-Mythos war Propaganda

Wenzels Eltern waren beide Mitglieder der NSDAP. Für Inge Wenzel ist klar: Das Elend hatten sich die Deutschen selber zuzuschreiben. Die Nationalsozialisten hatten den Luftkrieg begonnen. Auch Markus Neutzner vom Verein Memorare Pacem sagt, deutsches Leid könne nicht losgelöst werden von der historischen Verantwortung.

«Wer die Bombardierung Dresdens als Opfermythos propagiert, verfolgt ganz offensichtlich eigene politische Ziele», sagt Neutzner, der im Auftrag der Stadt Dresden die genauen Opferzahlen der Bombennacht Dresdens ermittelt hat: Es waren zwischen 18'000 und 25'000.

Bildvergleich

Regler nach links verschieben Regler nach rechts verschieben
Legende:Das zerbombte Dresden von 1945 und wie es heute aussieht.

«Der Bombenangriff war keine Bestrafungsaktion der Alliierten», sagt Neutzner. Er folgte der zynischen Arithmetik des Krieges: Dresden war eine Nazihochburg mit grosser Rüstungsindustrie und als Verkehrsknotenpunkt für die Versorgung der Ostfront entscheidend.

Doch die Nazis stilisierten die Stadt zur unschuldigen Kulturstadt mit unerreichtem Symbolwert. Und sie manipulierten die Zahl der Getöteten in Dresden, indem sie sie verzehnfachten. Damit wurde ein Superlativ geschaffen, der die eigene Bevölkerung zum letzten Mal moralisch mobilisieren sollte.

Eine Strassenbahn im zerstörten Dresden.
Legende: In der Nacht als Dresden bombardiert wurde, starben zwischen 18'000 und 25'000 Menschen. imago images

Rechte instrumentalisieren die Geschichte

Die Propaganda blieb haften. Noch heute marschieren in Dresden Rechte und Neonazis im Gedenken an den angeblichen «Bombenterror». Schützenhilfe erhaltene sie von der AfD. In einem Interview mit dem «Spiegel» behauptete Co-Chef Tino Chrupalla diese Woche, er sei überzeugt, die Opferzahlen von Dresden seien höher, als die offizielle Forschung belegt. Björn Höcke vom völkischen Flügel in der AfD verlangt eine «erinnerungspolitische Wende um 180 Grad» in Bezug auf die deutsche Geschichte des letzten Jahrhunderts, und Fraktionschefin Alice Weidel will endlich Schluss machen mit dem «Schuldkult».

«Das ist unmöglich!», sagt Inge Wenzel. «Aber die sind zu jung. Die haben es nicht erlebt. Krieg, Bomben, als könnten sie von vorne anfangen. Das ist gruselig.» Inge Wenzel und mit ihr ein Grossteil der Dresdnerinnen und Dresdner setzen sich ein für eine Erinnerungskultur der Versöhnung und des Friedens. Denn für Wenzel kann es aus jener Nacht nur eine Lehre geben: «Nie wieder Krieg. Bitte nicht mehr.»

SRF 4 News, 13.2.2020, 13.30 Uhr

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

45 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Niklaus Vogler  (Niklaus Vogler)
    Ich habe grossen Respekt vor Helmuth Schmidt, was er als Bundeskanzler für Deutschland gemacht hat. Er war aber Wehrmachts-Offizier. Für wie viele Tote er da verantwortlich war, weiss man nicht. Auf jeden Fall war es nichts, dass im zur Ehre gereicht hätte. Ein österreichischer Bauer sträubte sich dagen, eigezogen zu werden. Er wurde in Berlin hingerichtet. Wenn diese alle so gemacht hätten, wäre dieser Krieg schnell fertig gewesen. Das Deutsche Volk hat sich in den zweiten Weltkrieg verrant.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Juha Stump  (Juha Stump)
      Auch Helmut Schmidt musste genauso wie viele Millionen andere marschieren und mitkämpfen, bei einer Weigerung wäre auch er standrechtlich erschossen worden. Hätten SIE den Mut gehabt, sich zu weigern, Herr Vogler? Es ist immer leicht, auf andere zu zeigen, wenn man selber nie in einer solchen Lage war.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Neben den Folgen des Klimawandels, halte ich Rechtspopulisten und Nationalismus für die größte Gefahr im einundzwanzigsten Jahrhundert. Es gibt leider viele Menschen, die wollen nicht nur verharren sondern zurück, was nur selten sinnvoll ist. Neue Wege und Ideen machen denen Angst.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Aaron Dettwiler  (Aaron1984)
    Guter Artikel.. was mir fehlt ist die zweite Seite der Medaille: Die Verbrechen der Nazis als politisches Kapital der Linken. Das einfachste Mittel gegen die Rechten ist die Nazikeule, im Fall von Björn Höcke auch zu Recht. Dennoch, nicht jeder Konservative ist ein Nazi und diese Hysterie nervt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Die sogenannte Nazikeule wird nicht gegen die Rechten sondern gegen die Rechtsnationalen, die immer noch mit Sündenböcken operieren eingesetzt. Der überaus größte Teil der Rechten sind Demokraten wie auch der überaus größte Teil der Linken.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Aaron Dettwiler  (Aaron1984)
      @Albert Planta: Naja, ob es immer nur gegen die Rechtsnationalen geht... aber ansonsten haben Sie Recht, mit den meisten Linken und Rechten kann man reden. Die Frage ist doch, wie kritisch sind wir mit den Linksextremen? Wird Herr Ramelow auch permanent mit den Verbrechen des Kommunismus in Verbindung gebracht? Schliesslich ist er Mitglied der SED Nachfolgepartei. Ausserdem mussten benötigten Herr Kemerichs Kinder Polizeischutz - vor der Antifa! Nicht so wirklich demokratisch...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Mihai Löchli  (Siebenbürgen)
      @Herr Planta: Mit Sündenböcke operieren die Linksinternationalen auch, für alles sind die Rechten, näher zu zitieren die Faschisten, Schuld.
      Das Perfide an Antifaschismus ist, er kennt nur schwarz-weis, richtet sich gegen den leeren Signifikanten "Faschismus", füllt ihn willkürlich. Jeder kann Feind sein:Abtreibungsgegner, Konservative, "Klimaleugner", abweichende Linke. Man konstruiert sich seine "Faschisten". Vorgestern war noch Höcke Faschist, gestern der ganze AfD, heute FDP und Werteunion.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Löchli: Faschisten sind Rechtsextreme und Kommunisten sind Linksextreme. Ein Klimaleugner ist demzufolge in der Regel Rechtskonservativ aber nicht zwingend ein Faschist. Man sollte solche Ausdrücke nicht nach Gutdünken einsetzen. Es wäre gegenüber den Opfer des Faschismus nicht angebracht.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen

Mehr aus InternationalLandingpage öffnen

Nach links scrollen Nach rechts scrollen