Nach Attentaten in Frankreich: «Die Jagd geht weiter»

Die französische Polizei sucht weiter nach Komplizen der Attentäter auf die Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» und einen jüdischen Supermarkt. Hayat Boumeddiene – Freundin des Geiselnehmers Amedy Coulibaly – ist bereits letzte Woche von der Türkei nach Syrien weitergereist.

Hayat Boumeddiene – Freundin des Attentäters vom jüdischen Supermarkt in Paris (links) – soll bereits in Syrien sein.

Bildlegende: Hayat Boumeddiene – Freundin des Attentäters vom jüdischen Supermarkt in Paris (links) – soll bereits in Syrien sein. Keystone

Die französische Polizei sucht nach Unterstützern der islamistischen Terroristen. Es gebe «ohne Zweifel einen Komplizen», sagte Premierminister Manuel Valls am Montag dem französischen Sender BFMTV. «Die Jagd geht weiter»; mehr wolle er dazu nicht sagen.

Die französische Terrorverdächtige Hayat Boumeddiene ist nach Angaben der türkischen Regierung vergangene Woche nach Syrien gereist. Boumeddiene sei am 2. Januar in der Türkei angekommen und am 8. Januar nach Syrien gelangt, sagte Aussenminister Mevlüt Cavusoglu am Montag der Nachrichtenagentur Anadolu.

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Lücken bei der Früherkennung

5:36 min, aus 10vor10 vom 8.1.2015

Sucht Boumeddiene beim IS Zuflucht?

Die 26-jährige Hayat Boumeddiene, Lebensgefährtin des Pariser Attentäters Amedy Coulibaly, wird als dessen Komplizin gesucht. Coulibaly hatte am Freitag in Paris in einem jüdischen Supermarkt mehrere Geiseln getötet.

Am Donnerstag soll er am südlichen Stadtrand ein Polizistin erschossen haben.
Coulibaly bekannte sich in einem am Sonntag veröffentlichten Video als Kämpfer des sogenannten Islamischen Staates IS und gab an, die Attentate in Paris koordiniert zu haben. Bei dem Anschlag auf das Satireblatt «Charlie Hebdo» starben am vergangenen Mittwoch zwölf Menschen.

Das sind die getroffenen Massnahmen

  • Die Sicherheitslage sieht Regierungschef Manuel Valls in Frankreich unverändert. Deswegen bleibe die höchste Terrorwarnstufe in Kraft.
  • Zur Stärkung der inneren Sicherheit gegen Terroranschläge mobilisiert Frankreich 10'000 Soldaten. Sie sollen nach den Worten von Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian «an sensiblen Punkten des Landes» eingesetzt werden.
  • Besonders geschützt werden ab sofort die jüdischen Schulen in Frankreich. Innenminister Bernard Cazeneuve verkündet in Montrouge bei Paris die Abordnung von 4700 Polizisten und Gendarmen für die 717 jüdischen Schulen des Landes. Damit reagiert die französische Regierung auf das Attentat vom vergangenen Freitag auf einen koscheren Supermarkt am östlichen Stadtrand von Paris. Die vier jüdischen Opfer des Anschlags werden am Dienstag in Jerusalem beigesetzt.
  • Valls kündigte neue Schritte im Kampf gegen den Terrorismus an. Zunächst sollten Möglichkeiten für Abhörmassnahmen verbessert werden. Islamistische Häftlinge sollten in den Gefängnissen isoliert werden. Zwei der Terroristen, die in der vergangenen Woche bei Anschlägen und Geiselnahmen 17 Menschen getötet hatten, waren in ihrer Haftzeit in Kontakt.