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International Nach dem Nein aus Hellas: Was jetzt ansteht

Nach der Absage aus Griechenland an die Sparvorgaben der EU müssen die Geldgeber Grundsatz-Entscheide fällen: Wollen sie mit Griechenland weiter verhandeln? Zudem muss die EZB entscheiden, ob sie die griechischen Banken weiter unterstützt. Das Rad der Krisendiplomatie dreht weiter.

Stehen erneut vor Sitzungen: Kanzlerin Merkel, IWF-Chefin Lagarde, EU-Kommissionspräsident Juncker und EZB-Chef Draghi.
Legende: Stehen erneut vor Sitzungen: Kanzlerin Merkel, IWF-Chefin Lagarde, EU-Kommissionspräsident Juncker und EZB-Chef Draghi. Keystone

Was wird jetzt in Brüssel diskutiert?

Für SRF-Korrespondent Oliver Washington in Brüssel ist klar: Zwei Fragen stehen im Vordergrund. «Erstens die Grundsatzfrage: Will man Griechenland weiter helfen, mit dem Land verhandeln?»

Zweitens gehe es um die Frage, ob die Geldgeber bereit seien, Griechenland entgegen zu kommen – insbesondere mit Blick auf einen Schuldenschnitt. Gemäss Angebot, das noch vor zehn Tagen auf dem Tisch lag, hätte diese Frage erst im Herbst verhandelt werden sollen.

Wird die Europäische Zentralbank Griechenland weiter unterstützen?

EZB-Chef Mario Draghi habe immer gesagt, seine Bank wolle keine politischen Entscheide fällen. Also nicht darüber bestimmen, ob Griechenland den Euro verlasse oder nicht, so Washington.

«Bei den kurzfristigen Krediten geht es aber letztlich um diese Frage. Wenn die EZB diese nicht erhöht, wird es für die Banken und damit auch für Griechenland ganz schwierig», so Washington in Brüssel.

Zwar konferiere der EZB-Rat noch heute. Doch: «Es würde mich nicht überraschen, wenn die EZB mit neuen Entscheiden bis morgen Abend wartet. Dann sollten die Resultate des Sondergipfels bekannt sein», sagt Washington.

Was bedeutet Varoufakis Rücktritt?

Der Rücktritt vereinfache die anstehenden Verhandlungen, ist Washington überzeugt. Er sei in Brüssel die Reizfigur gewesen.

Washington: «Er hat in Sitzungen der Finanzminister seinen Kollegen regelmässig Vorträge gehalten. Dabei verhandelte er nicht wirklich, sondern trug immer und immer wieder die griechische Grundsatzanalyse vor, wonach die bisherige Politik der Geldgeber Griechenland in die Katastrophe geführt habe. Auch wenn das stimmen mag, weist er damit die Verantwortlichen lediglich immer wieder auf ihre Fehler hin. Das vergiftet das Klima auf die Dauer. Insofern ist der Personalwechsel sicher als positives Signal zu werten.»

SRF-Korrespondent Philipp Zahn in Athen nennt Varoufakis einen gelungenen Schachzug in der Politik von Premier Alexis Tsipras, um die Karten in den Verhandlungen mit den Institutionen neu zu mischen.

82 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Eines ist sicher:Die Hetze gegen Griechenland wird weitergeführt. Mich nimmt wunder, wie lange sich diese Muppets-Show noch über Wasser halten kann. Die Griechen zumindest, scheinen zu wissen, dass sie ein menschliches Vorgehen vertreten,+ sich deshalb nicht schämen müssen. Ich denke, dass die einzelnen EU-Länder wieder wie vor der EU, Beziehungen mit ihren Nachbarländern mit Respekt vor dem "Andern" aufnehmen sollten. Die EU ist ein menschenverachtendes Wirtschaftgebilde + gehört aufgelöst.
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    1. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Klingt gut, M.Roe :-) NUR: vergessen Sie bitte nicht, das Griechenland VOR dem EU-Beitritt (1981) fast einen Krieg mit der Türkei angefangen hätte (1974), und dass Ungarn unter Viktor Orban sich zum Beschützer der ungarischen Minderheit in Rumänien aufschwingen wollte, was ohne das energische Eingreifen der EU, deren Mitglied Ungarn zum Glück schon war, mit Sicherheit in einer militärischen Auseinandersetzung gemündet wäre. Es gibt gute Gründe, starre Feindbilder zu überdenken :-)
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  • Kommentar von Samuel Schmidt, CH
    Die ganze Krise kann man mit einem faulen Zahn verglichen. Die EU hat seit 2008 Fieber und die ganzen Finanzierungen, Reformen und Kürzungen haben nur wenig gebracht. Seit 3 Jahren hören wir dass die Krise nun vorbei sein soll, aber die Eu hat immer noch Fieber. Die Arbeitslosenzahlen sind immer noch hoch, die Wirtschaft in der EU stagniert. Griechenland hat nun den Mut gehabt diesen faulen Zahn mal auszureissen
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    1. Antwort von Sascha Stalder, Oberdiessbach
      Das sehe ich anders, dort wo die Reformen gemacht wurden z.Bsp. in Portugal und Spanien, sieht es heute wesentlich besser aus, Wirtschaftswachstum von 2.4 %. Die haben auf den Zahnarzt gehört, während die Griechen die Behandlung verweigern und immer mehr Zahnschmerzen haben. Es ist ja nicht so das durch das Nein auch nur ein Problem gelöst wurde.
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    2. Antwort von m.mitulla, wil
      Das Wachstum in Portugal und Spanien ist auf extrem kleinen Niveau, s.Stalder. Die Schuldenlast drückt auch dort ungemein - und sie wächst weiter.
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    3. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      m.mitulla, auch Spanien und Portugal haben grosse Probleme, aber diese sind nicht (mehr) vergleichbar mit denen Griechenlands. Sagen Sie doch einfach einmal konkret, was man Ihrer Meinung nach in diesen Ländern anders machen soll! Jahre- oder gar jahrzehntelange Misswirtschaft lässt sich nicht mit einem Zaubertrick korrigieren. Der Gesundungsprozess ist schmerzhaft und braucht viel Geduld. Die EU für jedes hausgemachte Problem verantwortlich zu machen, ist unfair und schlicht falsch.
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  • Kommentar von HaPe Langenau, Zürich
    Was jetzt anstehen würde wäre eine Fundamentalanalyse: Das Ergebnis, welches die EU über viele Jahre, mit viel Personal und unter Einsatz eines dreistelligen Milliardenbetrags im klitzekleinen Griechenland zu erzielen vermochte besteht aus einem Referendum, dass die gesamte vorangegegangene "Bemühungen" mit 61 zu 39 umgehend pulverisiert und die Weltwirtschaft in "ernste Gefahr" bringt. Respekt! Weniger ist gar nicht darstellbar.
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    1. Antwort von Sascha Stalder, Oberdiessbach
      Die Weltwirtschaft interessiert ein EURO ausstieg der Griechen mittlerweile nicht mehr so sehr, sie konnte sich lange darauf vorbereiten und die nächsten Wackelkandidaten Spanien und Portugal sind stabil genug um nicht mitgerissen zu werden.
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