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International Nach dem Terror in Frankreich: Jetzt kommen die Fragen

Am Tag nach der blutigen Terrorwelle herrschen in Paris Trauer und Schock. Die Bevölkerung wird einige Zeit brauchen, nach dem Attentat auf «Charlie Hebdo» und den Geiselnahmen zu einem normalen Alltag zurückzukehren. Bald werden sich Politiker aber offenen Fragen stellen müssen.

Legende: Video Franz. Geheimdienst muss sich Fragen gefallen lassen abspielen. Laufzeit 2:06 Minuten.
Vom 10.01.2015.

Hinterher ist fast immer offensichtlich,was zuvor niemand wirklich vorhergesehen hat. Frankreichs Premier Manuel Valls sagte am Freitagabend, nach der Terrorwelle, es werde ein Vorher und ein Nachher geben. Die Geheimdienste hätten eindeutig Fehler gemacht.

Immerhin hatten sie noch am Tag des Attentats auf «Charlie Hebdo» gemeldet, die Brüder Kouachi – die mutmasslichen Attentäter – seien ihnen bekannt. Einer, Chérif, hatte sogar wegen seiner Mitgliedschaft in einer Dschihadisten-Gruppe im Gefängnis gesessen. Die Brüder waren auf sogenannten No-Fly–Listen der USA – hätten also nie dorthin fliegen dürfen.

Daten zu sammeln, ist nicht sehr schwierig

Ihre Namen standen in einem Register von als hochgefährlich geltenden Personen, denen man Terroraktivitäten zutraut. Aber mit ihnen standen über eine Million weiterer Namen auf der gleichen Liste.

Und hier liegt das Problem: Daten zu sammeln, ist nicht sehr schwierig. Sie zu einem zuverlässigen Bild zusammenzusetzen, dafür umso mehr. Es ist aber auch aus rechtsstaatlichen und finanziellen Gründen nicht möglich, Verdächtige, die sich jahrelang still verhalten, konstant zu überwachen.

Dennoch meint nicht nur SRF-Korrespondent Urs Wiedmer, dass hier ein Versagen des Geheimdienstes vorliegt. «Denn es kann ja nicht sein, dass einer der Attentäter in den Jemen geflogen ist und sich dort hat ausbilden lassen. Und es kann auch nicht sein, dass die Beiden auf einer Liste waren und die Franzosen nicht wussten, dass sie nicht in die USA fliegen durfte.»

Seit dem 11. September, den Anschlägen auf das World Trade Center, kennt man das Problem. Frankreichs Premier Manuel Valls ist nicht der erste, der es zu lösen versucht.

Die Antworten werden nicht beruhigend sein

Vielleicht werden die kommenden Wochen wenigstens eine Antwort auf die Frage liefern, ob die Terroristen in Frankreich aus dem Jemen gesteuert wurden oder Einzeltäter sind.

So oder so, die Antwort wird nicht beruhigend sein. Die grossen Terrornetzwerke können für Nachschub sorgen. Und selbst wenn sie mit den aktuellen Taten nichts zu tun hätten, würde es Frankreich an radikal Denkenden, die plötzlich zur Tat schreiten, nicht fehlen.

44 Kommentare

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  • Kommentar von Andrea Müller, Zürich
    Notiz am Rande: Frankreich hat eine "Vorratsdatenspeicherung" (in der Schweiz unter dem Stichwort BÜPF). Was es genützt hat, sieht man.
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  • Kommentar von D. Schmidel, St. Gallen
    Wenn ich mit einer Schrift wie der Bibel oder dem Koran hart ins Gericht gehe, dann beleidige ich keinen Menschen, auch wenn es ein Buch von VonDäniken ist nicht. Wenn sich aber Menschen dadurch persönlich beleidigt fühlen, so stecken sie bereits in einem gefährlichen Gefühlszustand und brauchen Aufklärung. Muslime müssen akzeptieren, dass man auch mit dem Koran wie mit der Bibel hart ins Gericht gehen kann.
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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    Die Frage stellt sich,wieso kommen so viele aus musl.Ländern in eine westl.Kultur?Krieg,Armut,Arbeit,bewusste Infiltration?Und wieso entwickeln sich junge,in westl.Ländern aufgewachsene Muslime zu Radikalen?Weil sie in der Gesellschaft keine Akzeptanz fanden,sich nicht aufgenommen fühlten?Diesbezüglich dürften Muslime selber Verantwortung übernehmen.Im Wissen,dass eine überwiegende Zahl der Bürger gew.kulturelle Gewohnheiten nicht will,sollten sie die Notwendigkeit ihres Verhaltens hinterfragen.
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