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Nach der Rede von Puigdemont «Von Deeskalation kann keine Rede sein»

Der katalanische Regierungschef hat wenig geklärt und viele enttäuscht, sagt SRF-Korrespondent Erwin Schmid im Interview.

SRF-Korrespondent Ervin Schmid
Legende: SRF-Korrespondent Erwin Schmid ist in Barcelona vor Ort. SRF

SRF: Wie beurteilen Sie die Rede Puigdemonts, ist es eher eine Deeskalation oder eher eine Kampfansage?
Erwin Schmid: Es war vor allem eine Rede voller Widersprüche, die nichts klärt und alles offen lässt. Das zeigen auch die ersten Reaktionen. Viele Anhänger der Separatisten waren auch enttäuscht. Einige warfen Puigdemont sogar Verrat vor.

Aber auch Madrid konnte Puigdemont mit dieser Rede nicht besänftigen. In einer ersten Reaktion hiess es, der katalanische Regierungschef habe sehr wohl implizit die Unabhängigkeit erklärt und man werde entsprechend darauf reagieren. Also von Deeskalation kann heute keine Rede sein.

Legende: Video Einschätzung von Erwin Schmid abspielen. Laufzeit 2:42 Minuten.
Aus 10vor10 vom 10.10.2017.

Puigdemont will den Dialog mit Madrid suchen, das hat er betont. Es klappt aber seit Jahren nicht damit, warum sollte es diesmal anders sein?

Es hiess heute aus Kreisen um Puigdemont, dass es ein Angebot für eine internationale Mediation gäbe. Hier in den Medien wird dabei immer wieder die Schweiz ins Spiel gebracht.

Eine Anfrage beim Aussendepartement EDA in Bern ergab allerdings, dass die Bedingungen der Schweiz für eine solche Mediation nicht erfüllt sind, weil nach wie vor nicht beide Seiten die Schweiz offiziell für eine solche Vermittlung angefragt haben.

Und abgesehen davon gibt es nach der heutigen Rede auch inhaltlich keine breitere Basis für solche Gespräche, weil Puigdemont nicht auf die Unabhängigkeitserklärung verzichtet, sondern sie lediglich aufgeschoben hat.

Nun hat man sich heute eine Entscheidung erhofft, stattdessen gab es nur vage Pläne. Was bedeutet das für die Menschen?

Es bedeutet vor allem, dass die Unsicherheit weiter geht. Die Unsicherheit für die Wirtschaft. Die Rede von Puigdemont ist keine zwei Stunden her, und schon haben weitere Firmen angekündigt, dass sie Katalonien verlassen werden. Aber auch die Leute sind zunehmend verunsichert. Viele bekommen es auch langsam mit der Angst zu tun. Offenbar gibt es schon erste Schlangen vor Bancomaten. Die Leute wollen jetzt ihr Geld abheben.

Die Leute sind zunehmend verunsichert. Viele bekommen es auch langsam mit der Angst zu tun.
Autor: Erwin Schmid

Das könnte möglicherweise sogar der Strategie der Separatisten entsprechen, dass man Katalonien politisch destabilisieren will und die Massen weiter gegen Madrid aufwiegeln. Das zumindest steht in einem Strategiepapier der Separatisten, das die Polizei vor drei Wochen bei einer Razzia sichergestellt und heute den Medien zugespielt hat.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
    3.Teil Wir streiten uns um Besitz, Das ist, daran Glaube ich nicht unsere Aufgabe auf der Erde, sondern friedlich miteinander zu Leben, sich Sorgen das jeder Essen, Trinken und einen trockenes Heim hat, sich gegenseitig helfen in Not und Krankheit. Solche Lächerlichkeit wie in Katalonien zeigen auf wie krank wir als Gesellschaft sind. Ich bin nicht für Rajoy, sondern für die Verfassung, diese hat das Zusammenleben in Spanien geregelt,die ist wenn man JA dazu gesagt hat von allen zu Respektieren.
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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
    2.Teil / Ich Glaube nicht an Gott oder irgend einen anderen Götzen. Ich Glaube das es meine Pflicht ist in der Zeit die ich hier bin auf der Erde das beste zu tun um eine friedliche und gesunde Erde zu erhalten. Wenn ich nur da bin um für mein bestes da bin um die Erde und die Mitmenschen auszuplündern, hatte ich ein Armes Leben, den am Schluss kann ich nichts mitnehmen. Man findet immer einen Grund zur Abspaltung oder sich zu trennen, doch Glücklich wird man dabei nie!
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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
    Ja die Geschichte zeigt es auf Grenzen und Abgrenzungen die darauf beruhen man sei was besseres oder man habe die Kultur die man beschützen muss sind nur neben Sachlichkeit die aufgebauscht werden. Statt zu fragen was kann der einzelne tun um das es uns besser geht, beschäftigt jeder sich mit sich um das es ihm besser geht, und vergisst das er als Einzelner Vergänglich ist doch die Gesellschafft als solches weiterlebt.
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