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Nach Eroberungen in Syrien Erdogan droht mit Offensive auf irakisches Gebiet

Legende: Video Seit der Eroberung wird Afrin geplündert abspielen. Laufzeit 0:51 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.03.2018.
  • Syrien fordert in einem Schreiben an die UNO den sofortigen Abzug der türkischen Armee von seinem Territorium.
  • Derweil kündigt der türkische Präsident Erdogan nach der Einnahme der Stadt Afrin weitere Vorstösse in Kurden-Gebiete im Norden Syriens an.
  • Weiter droht Ankara damit, auch militante Kurden im Norden Iraks anzugreifen, falls die Regierung in Bagdad diese nicht selbst ausschalte.

Einen Tag nach der Einnahme der nordwestsyrischen Stadt Afrin hat die türkische Seite genaue Angaben über ihren Rückzug aus Syrien vermieden. Ziel sei es, die Region «vom Terror zu säubern» und sie «ihren rechtmässigen Besitzern zurückzugeben», sagte der stellvertretende Ministerpräsident Bekir Bozdag. Wer damit gemeint ist und wann genau mit einem Abzug zu rechnen ist, liess er jedoch offen.

Die Erklärung des Präsidenten des türkischen Regimes, dass seine Invasionstruppen Afrin kontrollieren, ist rechtswidrig.
Autor: Syrisches Aussenministeriumin einem Schreiben an die UNO

Präsident Recep Tayyip Erdogan droht derweil gar mit einer Ausweitung der Offensive nach Ostsyrien und einem Einmarsch in den benachbarten Irak. Im Visier sind dabei weitere von der Kurdenmiliz YPG kontrollierte Gebiete sowie «Terrorcamps» der in der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK im Nordirak. Sollte Bagdad nicht agieren, wolle die Türkei diese Ziele «wenn nötig anhaltend unter Kontrolle bringen», warnte Erdogan.

Die türkische Operation «Olivenzweig»

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Die türkische Operation «Olivenzweig»
Legende:Türkische Panzer in AfrinKeystone

Die türkische Armee geht im Norden Syriens gegen die Kurdenmiliz YPG vor, die zuvor mit Unterstützung der USA gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gekämpft hatte. Mit der im Januar begonnenen Offensive versucht die Türkei zu verhindern, dass sich ein zusammenhängendes kurdisches Einflussgebiet vom Irak über Syrien bis in die Türkei bildet sowie den Einfluss der YPG zurückzudrängen. Ankara betrachtet die kurdischen Volksverteidigungseinheiten wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Terrororganisation. Für die USA sind die YPG jedoch ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen den IS.

Nächste Ziele seien unter anderem die Orte Manbidsch, Kamischli, Ayn al-Arab und Ras al-Ain. Aus diesen müssten «Terroristen» vertrieben werden.

Karte
Legende: Nach der Eroberung Afrins will die Türkei nun weiter östlich entlang der Grenze zur Türkei vorstossen, später möglicherweise gar in den Nordirak. SRF

Die UNO appelliert unterdessen eindringlich an die Weltgemeinschaft, Hilfsgüter für die in den syrischen Kampfgebieten eingeschlossenen Zivilisten zu schicken. Die Menschen seien «müde, hungrig, traumatisiert und verängstigt». Zehntausende befänden sich in Ost-Ghuta und Afrin in einer katastrophalen Lage, erklärte das UNO-Büro für humanitäre Angelegenheiten in Damaskus. IKRK-Präsident Peter Maurer forderte nach einer Reise ins Krisengebiet ungehinderten Zugang zur Region.

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40 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Imber (Wasserfall)
    Die Türkei ist heute noch nicht bereit den offensichtlichen Genozid an den Armeniern zu akzeptieren und aufzuarbeiten. Früher oder später folgt der Genozid der Türkei an den Kurden im eigenen Land, in Syrien und im Irak. So sehen die traurigen Tatsachen aus. Ob Sie es nun wahrhaben wollen oder nicht. Hab im übrigen nichts gegen die Türkei und Ihre Menschen. Nur etwas gegen Diktatoren wie Herrn Erdogan und Unmenschlichkeit.
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    In der Türkei selbst werden alle Menschen, die sich gegen diesen Krieg und für Frieden aussprechen, als Terrorist und Vaterlandsverräter abgestempelt. Bisher sind mehr als 600 Menschen in der Türkei verhaftet worden, weil sie sich öffentlich oder auf sozialen Medien gegen den Angriffskrieg auf Afrin ausgesprochen haben. Auch deshalb ist es von grosser Bedeutung, dass wir unsere Stimme gegen Erdogans Krieg erheben. Auf EU- und NATO-Eben endlich handeln.
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Forderungen:Sofortige Massnahmen, von UNO-, EU- und NATO-Ebene, für die Beendigung des völkerrechtswidrigen Angriffs Türken auf Afrin. Sofortiges Ende deutscher Rüstungsexporte in die Türkei und sonstige autokratische Regime. Wiederaufnahme der 2015 abgebrochenen kurdisch-türkischen Friedensgespräche.Die Anerkennung der Demokratischen Föderation Nordsyrien und Unterstützung der demokratischen Selbstverwaltungen.Humanitäre Hilfe für den Kanton Afrin, insbesondere für Verwundete und Flüchtlinge.
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