Nach Gruppenvergewaltigung: Indisches Gericht greift durch

Lange verfolgte die Justiz die brutalen Vergehen nur zögerlich, gesellschaftlich ist das Thema tabuisiert. Jetzt verurteilte ein Gericht in Neu Delhi fünf Männer zu lebenslangen Haftstrafen.

Die Grossmutter zweier junger Mädchen, die vergewaltigt und erhängt wurden.

Bildlegende: Sexuelle Gewalt gegen Frauen wurde in Indien lange tabuisiert. Nun scheint zumindest die Justiz umzudenken. Reuters

Vor vier Jahren machte sich eine heute 30-jährige IT-Mitarbeiterin zu später Stunde auf den Heimweg von ihrer Arbeit. Dort stellte sich ihr eine Gruppe bewaffneter Männer in den Weg und zerrte die Frau in einen Lastwagen. Stundenlang fuhren sie mit dem Opfer durch Neu Delhis Strassen, vergewaltigten die Frau, und liessen sie im Strassengraben einer verlassenen Gegend liegen.

Jetzt wurden die fünf Männer zu lebenslanger Haft – und einer Geldstrafe von umgerechnet 785 Franken – verurteilt. Keine Selbstverständlichkeit.

Gewalt gegen Frauen hält an

Vor zwei Jahren hatte der Fall einer jungen Studentin auch weltweit für Empörung gesorgt, die von einer Gruppe in Neu Delhi so brutal vergewaltigt worden war, dass sie an ihren Verletzungen starb.

Doch trotz der Empörung und einer Verschärfung der Strafgesetze hält die sexuelle Gewalt gegen Frauen in Indien unvermindert an: Einer Regierungsstatistik zufolge wird alle 22 Minuten eine Frau vergewaltigt.