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International Nach Luftschlägen: Flammt der türkische Kurdenkonflikt neu auf?

Die türkische Luftwaffe hat offenbar Stellungen der PKK angegriffen. Zuvor soll diese türkische Militärposten attackiert haben, wie die Zeitung «Hürriyet» berichtet. SRF-Korrespondentin Ruth Bosshart sieht den fragilen Friedensprozess zwischen den Parteien in Gefahr.

Mann beobachtet vor Panzer mit Fernglas
Legende: Auf der anderen Seite: Ein türkischer Kurde beobachtet die Kampfhandlungen in der syrisch-kurdischen Stadt Kobane. Reuters

Die türkische Luftwaffe hat offenbar Stellungen kurdischer Rebellen im eigenen Land angegriffen, wie es aus Sicherheitskreisen heisst. Die Angriffe hätten im Südosten der Türkei stattgefunden.

Am späten Montagabend hätten F-16-Kampfjets Bomben auf Stellungen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) abgeworfen. Die türkische Armee dementierte laut Medienberichten aber den Einsatz von Kampfjets. Sie bestätigt aber Gefechte gegen PKK-Kämpfer im Südosten des Landes. Die PKK ist in der Türkei verboten.

Zuvor hatte die türkische Zeitung «Hürriyet» über Luftangriffe berichtet. Sie seien am Sonntag geflogen worden. Dies, nachdem PKK-Rebellen drei Tage lang einen Militärposten in Grenznähe zum Irak angegriffen hätten. Seit Beginn des Friedensprozesses vor zwei Jahren sei dies der erste grössere Einsatz dieser Art gegen die PKK gewesen. Der Angriff habe grossen Schaden verursacht.

Vergeltungsaktion mit fatalen Folgen?

Legende: Video SRF-Korrespondentin Ruth Bosshart zum Bombardement abspielen. Laufzeit 01:33 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 14.10.2014.

SRF-Korrespondentin Ruth Bosshart wertet die mutmasslichen Angriffe der türkischen Luftwaffe auf die PKK als Vergeltungsaktion «nach dem Motto ‹Wehret den Anfängen›». Doch der Versuch, ein Exempel an der revoltierenden PKK zu statuieren, berge Gefahr.

So könnte dieser «der Anfang vom Ende für den fragilen Friedensprozess» zwischen der Kurdenpartei und dem türkischen Staat bedeuten: «Man muss wahrscheinlich mit einem Wiederaufflammen des bewaffneten Konflikts rechnen, der in den letzten 30 Jahren 40'000 Menschenleben gefordert hat.».

Rapide Verschlechterung der Beziehungen

In den vergangenen Wochen hatten sich die Beziehungen zwischen der PKK und der türkischen Regierung massiv verschlechtert. Grund ist die Belagerung der syrisch-kurdischen Stadt Kobane durch die radikal-sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Kurden werfen der Türkei vor, trotz eines drohenden Massakers nicht einzugreifen. Dies, weil die kurdischen Kämpfer in Kobane Verbindungen zur PKK haben sollen.

Der inhaftierte PKK-Chef Abdullah Öcalan hat vor einem Ende des Friedensprozesses gewarnt, sollte der IS in Kobane ein Massaker verüben. Medienberichten zufolge hat Öcalan der Regierung in Ankara bis zu diesem Mittwoch Zeit gegeben, um den Friedensprozess zu retten.

Die Türkei lehnt einen militärischen Alleingang gegen den IS ab. Sie fordert eine international abgestimmte Strategie zur Bekämpfung der Terrormiliz, die grosse Teile Syriens und des benachbarten Irak unter seine Kontrolle gebracht hat.

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30 Kommentare

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  • Kommentar von heiko meyer, zürich
    zuvor hat pkk 3 tage lang militärposten angegriffen...?? wieso wurden die ereignisse nicht vor 3 tagen berichtet, geschweige von tr medien.. erst nacht drei tagen ist es denen aufgefallen. das ist nur ein propaganda um die kurden in kobane nicht zu helfen
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  • Kommentar von Ben Samstagern, Zuerich
    Boykottiert endlich die Tuerkei. Die spielen mit der Eu und der USA nur Katz und Maus. çEs wird Zeit diesen Anfaengen zu wehren.
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  • Kommentar von Urs Imboden, Bern
    Die Türkei hat weder in der Nato noch in der EU etwas verloren. Nach ein paar Jahren relativen Friedens sieht man jetzt wieder wie weit es mit der Stabilität und dem Umgang mit Minderheiten her ist. Es gibt sowieso kein Islamisches Land welches das hinbekommt... Typisch 3te Welt Religion. Und wir haben uns ein Nein beim Grippen Kauf erlaubt... sehr bedenklich
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    1. Antwort von Adrian Flükiger, Bern
      @Imboden: Immer diese unrealistischen Hinweise, wer was wo verloren hat oder eben nicht. Das geht uns rein gar nichts an. Wir machen ja dort auch nicht mit, also können wir es getrost denen überlassen, die da auch noch mit an Bord sind, ob die Türken zu ihnen passen oder nicht. Der zweite Hinweis, auf das vom Stimmvolk abgeschossene Flügerli, in diesem Zusammenhang ist ausserordentlich bedenklich, ja ekelhaft.
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    2. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @A. Flükiger: Ich stimme U. Imboden bei. Was die Bemerkung über den Grippen-Kauf angeht, was sollte daran bedenklich ja ekelhaft sein, wenn es doch stimmt. Wissen Sie Herr Flükiger, es wird sich möglicherweise herausstellen, dass die jetzigen Lösungsansätze in Bezug auf unsere Verteidigung teurer kommt als von Ihnen u. vielen anderen bedacht wurde - und das ist auch gut so.
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