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International Nach Polizeiwechsel: Proteste in Ferguson bleiben friedlich

Vergangenen Samstag war der 18-jährige Afroamerikaner Michael Brown in der Kleinstadt Ferguson in Missouri von der Polizei erschossen worden. Seither halten die Proteste an. Der Gouverneur des Bundesstaates Missouri hat die weissen Polizeikräfte abgezogen – seither bleibt es friedlich.

Nach fünf Nächten gewalttätiger Auseinandersetzungen in dem überwiegend von Schwarzen bewohnten Ort Ferguson im US-Bundesstaat Missouri zog Gouverneur Jay Nixon die örtlichen, weissen Polizeikräfte ab.

Viele schwarze Sicherheitskräfte des Bundesstaates zogen vergangene Nacht gemeinsam mit Demonstranten friedlich durch die Strassen der Kleinstadt. Es war eine ruhige Nacht.

Anders als in den Tagen zuvor wurde auch auf den Einsatz gepanzerter Fahrzeuge verzichtet. Diese Schritte führten wie erhofft zu einer Deeskalation. In vielen anderen Städten in den USA kam es zu Solidaritätskundgebungen.

Plünderungen und Krawalle

Legende: Video Rassenunruhen in Missouri abspielen. Laufzeit 1:08 Minuten.
Aus Tagesschau am Vorabend vom 14.08.2014.

Die Polizei der Stadt Ferguson, die unweit der Metropole St. Louis liegt, war in den vergangenen Tagen mehrfach für ihr hartes Vorgehen kritisiert worden. Nachdem ein weisser Polizist am Samstag einen schwarzen Teenager erschossen hatte, kam es in folgenden Nächten zu Protesten, Plünderungen und Festnahmen.

Zunächst hatten die Polizisten sich zurückgehalten, dann gingen sie aber schwer bewaffnet und auch mit Tränengas und Rauchbomben vor, um Proteste aufzulösen. Auch Gummigeschosse wurden eingesetzt.

Journalisten wurden schikaniert oder von der Berichterstattung abgehalten. Mindestens zwei Reporter wurden gewaltsam festgenommen. Mehrfach war von Verstössen gegen die Pressefreiheit die Rede. Polizeichef Tom Jackson gestand später ein, dass sich die Polizei nicht gut verhalten habe.

Name des Schützen nun bekannt

Der 18-jährige Michael Brown soll Polizeiangaben zufolge seinen Todesschützen am Samstag bei einer Auseinandersetzung in sein Dienstfahrzeug gedrängt haben. Augenzeugen hatten dagegen berichtet, der Jugendliche habe sich kurz vor seinem Tod ergeben und die Hände in die Höhe gehalten. Brown sei unbewaffnet gewesen.

Die Polizei hat derweil den Namen des Todesschützen veröffentlicht. Offenbar arbeitet dieser seit sechs Jahren als Polizist. Probleme habe es mit ihm nie gegeben, so der Polizeichef. Bisher hatte sich die Polizei geweigert, den Namen des Polizisten bekanntzugeben. Sie argumentierte, dies geschehe zum Schutz des Mannes.

Die sogenannte «Highway Patrol», die nun in Ferguson im Einsatz ist, überwacht vor allem den Verkehr, ermittelt aber auch bei Straftaten wie Mord und Diebstahl. US-Justizminister Eric Holder teilte mit, Plünderungen seien nicht hinnehmbar. Zugleich müsse die Polizei darauf hinwirken, die Lage zu entspannen und nicht anzuheizen.

Die ungewöhnlich schwere Bewaffnung der Polizei in Ferguson ist kein Einzelfall. Polizeistationen können sich dank eines Programms des Verteidigungsministeriums kostenlos militärische Ausrüstung zulegen. Das sogenannte 1033-Programm ermöglicht den kostenfreien Transfer überschüssigen Materials vom Pentagon an die Polizei in Gemeinden und Bundesstaaten. Darunter sind schwere Waffen wie Granatwerfer und gepanzerte, gegen Landminen geschützte Fahrzeuge, die auch in Ferguson zum Einsatz kamen.

2 Kommentare

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  • Kommentar von michael fischbacher, nidau
    Achtung Bürger von Ferguson, sonst könnte die "Anordnung 12656" schneller in Kraft treten als euch lieb ist, ihr würdet dann in einem der über 800 FEMA (Federal Emergency Management Agency = bitte Googeln!) Camps landen! Gewalt gegen Polizei, das geht nicht und Plündern schon überhaupt nicht! Tatsache aber bleibt doch, dass die Zusammenstösse erst dann begannen, als der weisse Polizist den schwarzen Teenager erschoss!
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  • Kommentar von Susanne Lüscher, Gossau
    Journalisten wurden teils schikaniert oder von der Berichterstattung abgehalten, was von der OECD verurteilt wurde. Journalisten werden in den USA öfters von der Berichterstattung abgehalten oder auch Leute wie Paul Craig Roberts. In Europa gibt es z.B. einen Mathias Bröcker, der als Verschwörer und schlimmeres beschimpft wurde, weil er gewisse Berichterstattung hinterfragt hat und dazu ein Buch heraus gebracht hat. Pressefreiheit in den USA, das war einmal!
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