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Legende: Video Überraschender Rücktritt abspielen. Laufzeit 01:10 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.07.2019.
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Nach Vorladung aus Den Haag Kosovos Regierungschef Haradinaj tritt per sofort zurück

  • Kosovos Regierungschef Ramush Haradinaj ist überraschend zurückgetreten.
  • Als Grund nannte der ehemalige UCK-Kommandant eine bevorstehende Befragung durch den Internationalen Strafgerichtshof.
  • Die Aussagen, ob Haradinaj in Den Haag als Beschuldigter oder als Zeuge aussagen soll, sind noch widersprüchlich.
  • Er wolle am Strafgericht «als Bürger und nicht als Regierungschef» aussagen, sagte er nach einer Regierungssitzung vor den Medien.

Haradinaj sieht sich seit Jahren mit Vorwürfen der Kriegsverbrechen an der serbischen Bevölkerung während des Kosovo-Kriegs 1999 konfrontiert. Bereits zwei Mal war er in Den Haag angeklagt, wurde jedoch zwei Mal freigesprochen.

Bisherige Prozesse: fehlende Beweise und tote Zeugen

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Bisherige Prozesse: fehlende Beweise und tote Zeugen

Haradinaj blickt auf eine turbulente Beziehung zum Internationalen Jugoslawien-Tribunal (ICTY) in Den Haag zurück, das Kriegsverbrechen im Rahmen aller Konflikte im zerfallenen Jugoslawien seit 1991 ahndete. Das ICTY hatte ihn zwei Mal – 2005 und 2011 – wegen Kriegsverbrechen angeklagt.

In beiden Fällen war er freigesprochen worden. Auffallend dabei war, dass etliche wichtige Zeugen zum Teil auf nie ganz geklärte Weise ums Leben gekommen waren. Westliche Geheimdienste brachten Haradinaj auch mit Mafia-Aktivitäten in Zusammenhang, die er stets bestritt und die ihm am Ende nie nachgewiesen werden konnten.

Zur neusten Vorladung sagte Haradinaj im albanischsprachigen Teil der Pressekonferenz zu seinem Rücktritt: «Ich bin nicht angeklagt, ich werde nur befragt.» Als er auf Serbisch zu den Journalisten sprach, bezeichnete er sich als «Beschuldigten».

Ramush Haradinajs Rücktritt bedeutet, dass Staatpräsident Hashim Thaci innerhalb von 45 Tagen einen Nachfolger ernennen oder Neuwahlen ausschreiben muss.

Vergangenheit in der Schweiz

Ramush Haradinaj lebte zwischen 1989 und 1998 als politischer Flüchtling in der Schweiz. Er war der Überzeugung, Kosovo könne nur mit Gewalt von der serbischen Dominanz befreit werden und schmuggelte ab 1994 Waffen in die Region. Ab 1998 kämpfte Haradinaj im Kosovo, wo er schnell zum Kommandanten der sogenannten Befreiungsarmee UCK aufstieg.

Obwohl der deutsche Bundesnachrichtendienst 2005 zum Schluss kam, dass sich Haradinajs Familienclan im Nachkriegskosovo «mit dem gesamten Spektrum krimineller, politischer und militärischer Aktivitäten» befasste, stieg dieser bis zum Regierungschef auf. Mit ähnlichen Anschuldigungen sehen sich Mitstreiter wie Staatspräsident Hashim Thaci konfrontiert.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Dani Maler  (Damal)
    Wer vertrieben wurde ist ganz einfach herauszufinden. Wieviele Serben und Albaner bewohnten vor dem Krieg den Kosovo, wie viele nachher? Albaner gibt es mehr nach dem Krieg (abgesehen von den hundertausenden Wirtschaftsflüchtlingen in Westeuropa). Serben sind es nicht einmal halb so viele (keine Wirtschaftsflüchtlinge, die meisten zerstreut in ganz Zentralserbien
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  • Kommentar von Jürg Brauchli  (Rondra)
    Der Eine wie der Andere. Kein Wunder geniesst dieser Staat nicht viele Sympathien.
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  • Kommentar von Alexander Ognjenovic  (Alex)
    Das ist ein sehr wichtiges Zeichen dass nun auch schweizer Medien bestätigen dass Ramush Haradinaj und Hashim Thaci beteiligt waren und auch heute noch beteiligt sind an kriminellen Aktivitäten! Jedes Verbrechen dass begangen wurde wird früher oder später vor Gericht geahndet so auch die Verbrechen von Ramush Haradinaj und Hashim Thaci! Zu deren Verbrechen zählen unter anderem Drogenhandel, Menschenhandel, Waffenhandel, Organhandel und Terrorismus gegen die Zivilbevölkerung!
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    1. Antwort von Philipp Moreno  (HOC)
      Herr Ognjenovic, Verbrechen wurden auf beiden Seiten begangen. Ich finde es schade, dass sie die Verbrechen der einen Seiten verdammen und dann die Verbrechen der anderen Seiten verschweigen und verniedlichen.
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    2. Antwort von Dani Maler  (Damal)
      Philipp Moreno, die westlichen Staaten machen das Gleiche, nur anders herum. Verbrechen wurden von allen begangen, nur schreibt man nie über Verbrechen, die an Serben begangen wurden. Auch wird praktisch niemand verurteilt trotz tausender ermordeten Zivilisten und fast einer halben Million vertriebenen.
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    3. Antwort von Alexander Ognjenovic  (Alex)
      Philip Moreno// Ich habe keine Verbrechen verniedlicht sondern lediglich Hashim Thaci und Ramush Haradinaj verurteilt für deren begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit! Das ist mein gutes Recht!
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