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Nach Vorwürfen gegen Trump Jr. Trump bricht mit Bannon

Legende: Video Trump kontra Bannon abspielen. Laufzeit 01:25 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 04.01.2018.
  • US-Präsident Donald Trump hat sich von seinem früheren Chefstrategen Steve Bannon distanziert.
  • Als er entlassen worden sei, habe Bannon nicht nur die Stelle, sondern auch den Verstand verloren, sagte Trump.
  • Zudem drohen Trumps Anwälte Bannon in einer Unterlassungserklärung mit rechtlichen Schritten.
  • Bannon hatte zuvor den ältesten Sohn von US-Präsident Donald Trump wegen eines Treffens mit einer russischen Anwältin mitten im Präsidentschaftswahlkampf scharf attackiert.

Nach den schweren Vorwürfen Bannons an die Adresse des ältesten Trump-Sohnes Donald erklärte der Präsident: «Steve Bannon hat nichts mit mir oder meiner Präsidentschaft zu tun. Als er gefeuert wurde, hat er nicht nur seinen Job verloren, sondern auch seinen Verstand.»

Unterdessen haben die Aussagen von Bannon auch die Anwälte des US-Präsidenten auf den Plan gerufen. Bannons Kommunikation «mit dem Autor Michael Wolff über ein bevorstehendes Buch gibt Anlass zu zahlreichen Rechtsansprüchen, darunter auf Rufschädigung durch Verleumdung und Beleidigung», zitierte der US-Nachrichtensender CNN am Donnerstag Trumps Anwalt Charles Harder. Bannon habe zudem eine schriftliche Vertraulichkeitsvereinbarung verletzt.

Umstrittene Kontakte mit russischer Anwältin

Kurz zuvor hatte ein Bericht des britischen «Guardian» in Washington für gewaltiges Aufsehen gesorgt: Bannon wertet ein Treffen von Donald Junior mit einer russischen Anwältin im Wahlkampf 2016 als «Verrat, unpatriotisch und üblen Mist».

Steve Bannon hat nichts mit mir oder meiner Präsidentschaft zu tun. Als er gefeuert wurde, hat er nicht nur seinen Job verloren, sondern auch seinen Verstand.
Autor: Donald TrumpUS-Präsident

Trumps ältester Sohn hatte im Juli 2017 unter Druck zugegeben, sich mit einer russischen Anwältin getroffen zu haben. Von ihr hatte er sich heikle Informationen über die damalige Gegenkandidatin seines Vaters versprochen, der Demokratin Hillary Clinton. Mit im Raum waren auch Trumps Berater und Schwiegersohn Jared Kushner sowie der damalige Wahlkampfchef Paul Manafort.

Donald Junior hatte auf das Angebot, sensible Informationen über Clinton zu erhalten, geantwortet: «Wenn es das ist, was Sie sagen, liebe ich es.»

Trump: «Gewinnen ist nicht so einfach»

Bannons Äusserungen stammen aus dem Buch «Fire and Fury» von Michael Wolff. Dieses erscheint in der kommenden Woche und basiert angeblich auf 200 Interviews. Bannon hatte die Machtzentrale im August 2017 verlassen, galt aber seither eigentlich als Trump-nah.

Bannon sei nur ein Angestellter gewesen, erklärte Trump, und habe nichts mit seinem «historischen Sieg» zu tun. Tatsächlich gilt Bannon, der im Sommer 2016 an Bord des Wahlkampfteams kam, aber als ein entscheidender Faktor für Trumps Sieg.

«Jetzt, wo er auf sich alleine gestellt ist, lernt Steve, dass Gewinnen nicht so einfach ist, wie es bei mir aussieht», erklärte Trump.

Es dreht sich alles um Geldwäsche. (...) Sie werden Don Jr. im landesweiten Fernsehen knacken wie ein Ei.
Autor: Steve BannonEx-Chefstratege im Weissen Haus

Bannon wird zu dem Treffen Trump Juniors mit den Worten zitiert: «Die drei ranghohen Herren hielten es für eine gute Idee, in einem Konferenzraum im 25. Stock des Trump Towers eine Vertreterin einer ausländischen Regierung zu treffen – ohne Anwälte. (...) Jemand hätte sofort das FBI rufen sollen.»

Sonderermittler Robert Mueller, der Absprachen zwischen dem Trump-Team und Russland hinsichtlich einer Wahlbeeinflussung untersucht, wird sich laut Bannon ganz auf das Thema Geldwäsche konzentrieren. Muellers Team werde versuchen, Trump über seinen Sohn, Manafort und Kushner zu Leibe zu rücken. «Sie werden Don Jr. im landesweiten Fernsehen knacken wie ein Ei.»

Trump erklärte, viele Vertreter der republikanischen Partei unterstützten seine «Make America Great Again»-Agenda. Wie er würden sie die USA aufbauen statt einfach alles niederbrennen zu wollen. Diese Aussage ist auch mit Blick auf das Kongress-Wahljahr 2018 zu verstehen. Bannon will angeblich in vielen Bundesstaaten populistische, eigene Kandidaten unterstützen.

Einschätzung von SRF-Korrespondent Thomas von Grünigen

«Steve Bannon bezichtigt Trumps Sohn des Verrats. Das ist bemerkenswert. Nie zuvor hat jemand, der dem engsten Umkreis des Präsidenten angehörte, die Russland-Kontakte öffentlich so scharf kritisiert. Damit unterwandert Bannon die Verteidigungsstrategie des Weissen Hauses, das die Russland-Untersuchungen als Farce zu diskreditieren versucht.
Der Präsident reagiert auf Bannons Kritik wie so oft: Statt konkret auf die Anschuldigungen einzugehen, schlägt er verbal wild um sich. Das Zerwürfnis zwischen Trump und Bannon kann dem Präsidenten einigen Ärger einbringen. Denn Bannon hat seit seinem Abgang aus dem Weissen Haus zwar an Einfluss eingebüsst. Doch er ist – unter anderem über das Online-Newsportal Breitbart News – weiterhin ein wichtiger Player im rechts-nationalistischen Lager, das Trump bisher unterstützt hat.»

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