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International «Nach zwei Jahren Abriegelung sind die Leute total ausgehungert»

Endlich erhalten Menschen in Syrien dringend benötigte Güter. Dank des momentanen Waffenstillstands können Hilfskonvois in die belagerten Gebiete vordringen. Jakob Kern vom UNO-Welternährungsprogramm ist optimistischer als auch schon, was die Zukunft Syriens betrifft.

Männer geben Säcke mit Lebensmittel weiter.
Legende: Leichtes Aufatmen dank der Waffenruhe, die hält: Hilfskonvois konnten Lebensmittel liefern. Reuters

Der Waffenstillstand in Syrien ist seit rund zwei Wochen in Kraft – und er hält. Das Welternährungsprogramm der UNO konnte 33 Hilfskonvois in 18 belagerte Städte fahren und dringend benötigte Hilfsgüter liefern.

SRF News: Wie lange hatten Sie keinen Zugang zu diesen belagerten Gebieten?

Jakob Kern: Wir hatten gut zwei Jahre lang zu rund einer halben Million Menschen, die in diesen belagerten Gebieten leben, keinen Zugang. Unterdessen haben wir mit diesen 33 Lieferungen 150‘000 von ihnen erreicht. Es sind also immer noch 350‘000, die noch nicht versorgt sind. Die sind zum Teil in den östlichen, sehr schwierig zu erreichenden Gebieten, da sie von der Terrormiliz IS belagert sind.

Was bedeuten diese Hilfslieferungen das für die syrische Bevölkerung?

Nach diesen zwei Jahren sind die Leute völlig ausgehungert und unterernährt und dringend auf diese Hilfe angewiesen. Vor allem das Münchner Abkommen und der Waffenstillstand erleichtern uns die Arbeit, denn wenn man eine Lieferung in eine belagerte Stadt macht, muss man eine aktive Kriegszone überqueren.

Aber der Waffenstillstand ist auch sonst eine riesige Erleichterung für die Bevölkerung. Als ich letzten Sonntag in einem der bewaffneten Gebiete war, haben Kinder draussen Fussball gespielt. Wahrscheinlich das erste Mal seit fünf Jahren.

Wenn ich Sie richtig verstehe, sind Sie optimistischer als auch schon, was die Zukunft anbelangt?

Ja. Nach fünf Jahren Krieg, ist es das erste Mal, das ein ausgerufener Waffenstillstand auch hält. Das ist ein sehr gutes Zeichen.

Das Gespräch führte Daniel Eisner.

Jakob Kern

Jakob Kern
Legende: WFP/ Rein Skullerud

Der Schweizer arbeitet beim UNO-Welternährungsprogramm und koordiniert die Ernährungshilfe für rund vier Millionen Menschen in Syrien.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Das Belangern/Aushungern von Menschen wenden in diesem Krieg außer vlt. den Kurden alle Parteien an. Am schlimmsten ist die Situation unter der IS. In von der IS eroberten Gebieten muss die Lage für die Menschen ein Albtraum sein. Sie müssen sich mit einem religiösen Wahnsinn arrangieren, ohne einen Ausweg zu haben. Die Lage unter der Assad-Regierung war sicher problematisch. Nun ist die Situation in Syrien noch wesentlich schlimmer. Die Zukunft für die nächsten JZ'en ist äusserst düster.
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  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    Gott sei Dank hält die Waffenruhe. Wieso kann man nicht die 350'000 eingeschlossenen Menschen mit Hilfsgütern aus der Luft mittels Abwurf versorgen?
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    1. Antwort von robert mathis (veritas)
      M-Helmers,diese Frage beantwortete noch Niemand,UNHCR hat um Hilfe gebeten die Essensrationen mussten auf die Hälfte reduziert werden weil das Geld nicht ankam. So viele gutgemeinte Spenden erreiche nicht ihr Ziel weil sie durch zu viele Hände gehen,das ist bedenklich.
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