Nahost-Konflikt: «Die Lage ist sehr brenzlig»

Israel hat Ziele in Syrien angegriffen. Das Regime von Baschar al-Assad antwortet mit Kriegsrhetorik. Die Situation im Krisengebiet ist äusserst angespannt und könnte eskalieren.

Israel hielt sich im syrischen Bürgerkrieg bislang weitgehend zurück. Die Situation hat sich durch israelische Angriffe auf Ziele in Damaskus am Wochenende geändert.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Israel direkt in einen Krieg mit Syrien verwickelt wird, sei grösser denn je. Das sagt Ulrike Putz, Journalistin bei Spiegel Online, gegenüber Radio SRF 4. Sie befindet sich zurzeit im Libanon. Dort, wo Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah vergangene Woche zugegeben hat, mit einer Shiiten-Miliz das Regime von Baschar al-Assad zu unterstützen.

Israels Angst ist denn auch die Verstrickung der Hisbollah im syrischen Bürgerkrieg. «Es ist unbestritten, dass Syrien und der Iran Waffen im grossen Stil an die Hisbollah liefern», so Putz.

Israelische Soldaten stehen auf einem Hügel und werden gebrieft.

Bildlegende: Israel befindet sich einer schwierigen Lage und fürchtet Waffenlieferungen Syriens an die Hisbollah. Reuters

Israel in Alarmbereitschaft

Eine andere Bedrohung fürchte Israel jedoch auch von den Rebellen. «Wenn sich in Syrien radikal-islamische Rebellengruppen durchsetzen, könnten sie dann in den Dschihad ziehen, um Israel den Garaus zu machen. Das bereitet Jerusalem schlaflose Nächte.»

Vorerst steht Israel deshalb seit dem Angriff auf Ziele in Damaskus in Alarmbereitschaft. Die Armeeeinheiten entlang der israelisch-syrischen Grenze seien zu grösster Wachsamkeit gerufen, meldete das israelische Radio. Der Luftraum im Norden des Landes ist bis Donnerstag für zivile Flugzeuge gesperrt. Obwohl Syrien mit Vergeltung drohte, rechnen israelische Militärs laut Medienberichten dennoch nicht mit einem syrischen Gegenangriff. Zu sehr seien sie mit sich selbst beschäftigt. Trotzdem ist laut Putz «die Lage im Nahen Osten brenzliger als sie seit langem war».