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Nationalität der Südtiroler Landeshauptmann warnt vor Rückfall in nationalistische Politik

Kompatscher mit Brille spricht in ein Mikrofon und gestikuliert.
Legende: Der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher ist mit den Plänen aus Wien nicht glücklich. Imago
  • Die Regierung Kurz in Österreich hat bei ihrem Amtsantritt vorgeschlagen, den deutschsprachigen Südtirolern die österreichische Nationalität zu geben.
  • Südtirol gehörte bis 1919 zu Österreich und hat einen grossen Anteil von Deutschsprachigen in der Bevölkerung. Nach 1919 wurde es Italien zugesprochen.

Die Vergabe der österreichischen Staatsbürgerschaft an die deutschsprachigen Südtiroler sei Teil des Regierungsabkommens, meinte Aussenministerin Karin Kneissl vor der Abreise nach Rom knapp, aber selbstverständlich werde das Vorhaben nur im Dialog mit Rom und Bozen umgesetzt.

Der Dialog allerdings war bisher eher ein Monolog der rechtsnationalistischen Freiheitlichen in Österreich und ihres Ablegers in Südtirol, die ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten sowohl die Regierung Italiens als auch die Regierung des autonomen Südtirol mit diesem Plan überrumpelten. Vor allem in Südtirol fürchtet die Regierung eine Spaltung der Bevölkerung.

Südtiroler gegen ethnisch-nationalistische Denkweise

Der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher meinte am Sonntag, die österreichische Staatsbürgerschaft nur deutsch- oder ladinischsprachigen Südtirolern zu ermöglichen, sei ein ethnisch-nationalistischer Ansatz, der bloss trenne. Man müsste, wenn schon darüber nachdenken, allen diese Wahl zu geben, also auch den Italienischsprachigen.

Österreichs Aussenministerin Kneissl wollte heute jedoch nicht auf diese Kritik eingehen. Sie erklärte lediglich, wenn Landeshauptleute hier oder dort etwas sagten, sehe sie keinen Mehrwert, dies zu kommentieren.

Kein Abwägen des Mehrwerts gibt es allerdings bei Österreichs Freiheitlichen und ihrer Zusammenarbeit mit der Südtiroler Rechtsaussenpartei Südtiroler Freiheit. So empfing am letzten Freitag der ehemalige freiheitliche Präsidentschaftskandidat und heutige Infrastrukturminister Norbert Hofer eine Delegation dieser Separatistenpartei und liess sich gleich einen Gesetzesentwurf für die Staatsbürgerschaftsfrage übergeben.

Landeshauptmann will friedlich zusammenleben

Es war übrigens diese Schwesterpartei, die vor einem halben Jahr in Südtirol ein Merkheft an Schulen verteilte, in dem auf einer Landkarte Südtirol innerhalb von Österreichs Grenzen gezeigt wird. Der Fraktionsführer der Partei im Südtiroler Landtag, Sven Knoll, meinte dazu, so würden sich die Schüler daran gewöhnen, dass Südtirol nicht Italien ist.

Südtirols Landeshauptmann Kompatscher warnte jetzt die Freiheitlichen in Nord und Süd davor, ins 19. Jahrhundert zurückzufallen. Sezessionistische Politik gefährde bloss das friedliche Zusammenleben der Volksgruppen und damit auch das Autonomiemodell. Der nationalistische Ansatz habe Europa, so Kompatscher, zweimal ins Unglück gestürzt, insbesondere auch Südtirol.

5 Kommentare

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  • Kommentar von László Schink (Schink)
    Bei Migranten ist man sonst immer sehr tolerant mit dem Doppelpass innerhalb der EU. Das Geschlecht kann sich heute auch jede Person selber aussuchen oder mehrere Identitäten gleichzeitig haben. Selbst in Italien. Aber ein österreichischer Zweit-Pass für Südtiroler soll dann untersagt bleiben.
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  • Kommentar von D. Schmidlin (Querenlife)
    Lieber Herr Schelbert, ich weiss nicht ob Sie unser Nachbarland fast nicht kennen oder Ihr Schreiben politisch motiviert ist. Hier nur ein kleines Beispiel: Der/die Österreicher(in) erhällt bei Niedriglohn per Antrag Gemeindezuschüsse in Form von Wohn- Heizungs- und anderen Geldern. Dies erspart vielen Bürgern den Weg zum Sozialamt und ist ein erheblicher Beitrag zu seinen Lebenskosten. Kunz ändert in diesem System staatlicher Hilfe lediglich die Transparenz um Missbrauch zu bekämpfen.
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  • Kommentar von D. Schmidlin (Querenlife)
    Österreich wollte aus dem jahrzehnte langen Sumpf staatlicher Demontage der Gesellschaft rauskommen. Das Wahlergebnis ist die Folge davon. Das Klassengeschrei der Linken kommt in Österreich nicht mehr sehr gut an. Der Wahlkampf war sehr transparent und die Österreicher wussten was sie wählen. Das Thema Südtirol ist in diesem Land ein Dauerthema und mit der SPÖ gab es keinen Lösungsansatz.
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    1. Antwort von D. Schmidlin (Querenlife)
      Die Folge der Verweigerungshaltung der SPÖ war das Aufkommen Rechtsextremer Gruppierungen im Südtirol und das war nicht im Sinne der ÖVP.
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