Nato misstraut Russlands Hilfsangebot

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hält ein militärisches Eingreifen Russlands in der Ostukraine für sehr wahrscheinlich. Währenddessen gibt die ukrainische Armee bekannt, dass der Belagerungsring um die Millionenstadt Donezk immer enger gezogen wird.

Panzerreihe; dahinter eine Explosionswolke

Bildlegende: Russland hat seine Streitkräfte an der ukrainischen Grenze zusammengezogen. Hier ein Bild einer Truppenübung. Keystone

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hält es für sehr wahrscheinlich, dass Russland militärisch in den Konflikt in der Ostukraine eingreifen könnte. Es gebe keine Hinweise, dass Russland seine Truppen im Grenzgebiet zur Ukraine verringere, sagte Rasmussen.

Die Wahrscheinlichkeit einer militärischen Intervention Russlands im Konflikt zwischen Separatisten und der ukrainischen Führung sei sehr hoch, sagte Rasmussen.

Mutmassungen über russische Truppenstärke

Die Forderung Russlands nach einer humanitären Hilfsaktion in den umkämpften Gebieten bezeichet Rasmussen als Vorwand für einen militärischen Einmarsch. Präsident Wladimir Putin hatte die EU-Kommission über die Teilnahme Russlands an einer Hilfsmission informiert. Die Ukraine hatte eine solche jedoch lange abgelehnt. Erst nach einem Telefonat mit US-Präsident Barack Obama stimmte auch sie zu.

Bereits letzte Woche vermeldete die Nato, dass rund 20'000 russische Soldaten an der Grenze zur Ukraine zusammengezogen worden seien. Der ukrainische Militärsprecher Andriy Lysenko geht hingegen davon aus, das bis zu 45'000 Kämpfer im Grenzgebiet stationiert sind.

Donezk unter Beschuss

Während es an der Grenze russische Truppenverschiebungen gibt, haben ukrainische Regierungseinheiten erneut Stellungen der Separatisten in der okstukrainischen Millionenstadt Donezk mit schwerer Artillerie beschossen. Über einigen Stadtteilen stehe dichter Rauch, teilte die Stadtverwaltung mit.

Nach Angaben der Armeeführung in Kiew wurden «mehrere Stützpunkte der Terroristen» attackiert. Die Truppen hätten beträchtlich an Boden gewonnen und einen Keil zwischen die separatistischen Kämpfer getrieben, sagte ein Sprecher. Der Belagerungsring um Donezk werde immer enger gezogen.

Lugansk abgeschnitten

Die Stadt sei nun von der anderen Rebellenhochburg Lugansk an der Grenze zu Russland abgeschnitten. «Wir arbeiten daran, beide Städte zu befreien, aber es
ist besser, zuerst Donezk zu befreien – es ist wichtiger», sagte der Armeesprecher.

Die Regierung in Kiew hatte am Sonntag eine Feuerpause im Kampf gegen die pro-russischen Separatisten abgelehnt. Diese hatten sich zu einer Waffenruhe bereit erklärt, um der Bevölkerung in den belagerten Städten Donezk und Lugansk zu helfen. Sie relativierten dieses Angebot später jedoch.

Gefechte am Absturzort von MH17

Für die Angehörigen der Opfer von Flug MH17 herrscht unterdessen weiter Ungewissheit. Die Rebellen erklärten, sie hätten inzwischen alle Leichen und privaten Gegenstände der 298 Opfer geborgen. «Wir haben die letzten Überreste unter Wrackteilen entdeckt und der ukrainischen Seite übergeben», sagte ein Sprecher. Eine Bestätigung dafür gibt es aber nicht. Die internationalen Experten haben das Gebiet zuletzt zwar abgesucht, mussten den Absturzort wegen der Gefechte aber verlassen.

Zivilisten zur Flucht geraten

Wegen der blutigen Kämpfe in der Ostukraine hat die Regierung in Kiew den Bewohnern der umkämpften Regionen zur Flucht geraten. «Für Zivilisten ist es besser, Donezk und Lugansk zu verlassen», sagte der ukrainische Armeesprecher Andrej Lyssenko. Die Operation gegen die Separatisten werde fortgesetzt, in jeder Stadt gebe es Fluchtkorridore.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Ukraine-Konflikt vor letzter Phase?

    Aus Tagesschau vom 11.8.2014

    Die prorussischen Separatisten scheinen den Kampf um ihre Hochburg Donezk zu verlieren. Aus Kiew heisst es, Donezk sei eingekesselt. Die Bevölkerung bringt sich in Sicherheit, was angesichts der Lage immer schwieriger wird.

  • Putin auf Konfrontationskurs

    Aus 10vor10 vom 7.8.2014

    Russland boykottiert ab sofort westliche Produkte. Agrargüter und Lebensmittel aus der EU, den USA, Kanada, Australien und Norwegen sollen gesperrt werden. Die EU reagiert empört. Mit Einschätzungen von SRF-Korrespondent Christof Franzen aus Moskau.