Nazi-Wachmann in Auschwitz bricht vor Gericht sein Schweigen

Der 94-jährige ehemalige SS-Wachmann im Nazi-Konzentrationslager Auschwitz, Reinhold Hanning, hat sich vor Gericht mit einer persönlichen Erklärung entschuldigt.

Der Angeklagte Reinhold Hanning wird im Rollstuhl an seinen Platz geschoben.

Bildlegende: Im Auschwitz-Prozess hat der frühere SS-Wachmann Reinhold Hanning sein Schweigen gebrochen. Keystone

Der frühere Wachmann der Nazi-Schutzstaffel (SS) im Konzentrationslager Auschwitz, Reinhold Hanning, hat am 13. Prozesstag eine persönliche Erklärung vorgelesen. «Ich schäme mich dafür, dass ich das Unrecht sehend geschehen lassen und dem nichts entgegengesetzt habe», sagte der 94-Jährige vor dem Landgericht Detmold.

«Es tut mir aufrichtig leid.» Er bereue zutiefst, einer verbrecherischen Organisation angehört zu haben, die für den Tod vieler Unschuldiger und für die Zerstörung unzähliger Familien verantwortlich sei. Hanning ist wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 170 '000 Fällen angeklagt.

SS-Innendienst in Auschwitz

Nach einer Kriegsverwundung in Kiew war er zum «Innendienst nach Auschwitz» versetzt worden, las sein Verteidiger aus einem persönlichen Bericht Hannings vor. Anfangs habe er nicht gewusst, was dort geschah. «Wenn man aber längere Zeit da war, dann bekam man auch mit, was dort ablief. Es wurden Menschen erschossen, vergast, verbrannt.»