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International Nazi-Wachmann in Auschwitz bricht vor Gericht sein Schweigen

Der 94-jährige ehemalige SS-Wachmann im Nazi-Konzentrationslager Auschwitz, Reinhold Hanning, hat sich vor Gericht mit einer persönlichen Erklärung entschuldigt.

Der Angeklagte Reinhold Hanning wird im Rollstuhl an seinen Platz geschoben.
Legende: Im Auschwitz-Prozess hat der frühere SS-Wachmann Reinhold Hanning sein Schweigen gebrochen. Keystone

Der frühere Wachmann der Nazi-Schutzstaffel (SS) im Konzentrationslager Auschwitz, Reinhold Hanning, hat am 13. Prozesstag eine persönliche Erklärung vorgelesen. «Ich schäme mich dafür, dass ich das Unrecht sehend geschehen lassen und dem nichts entgegengesetzt habe», sagte der 94-Jährige vor dem Landgericht Detmold.

«Es tut mir aufrichtig leid.» Er bereue zutiefst, einer verbrecherischen Organisation angehört zu haben, die für den Tod vieler Unschuldiger und für die Zerstörung unzähliger Familien verantwortlich sei. Hanning ist wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 170 '000 Fällen angeklagt.

SS-Innendienst in Auschwitz

Nach einer Kriegsverwundung in Kiew war er zum «Innendienst nach Auschwitz» versetzt worden, las sein Verteidiger aus einem persönlichen Bericht Hannings vor. Anfangs habe er nicht gewusst, was dort geschah. «Wenn man aber längere Zeit da war, dann bekam man auch mit, was dort ablief. Es wurden Menschen erschossen, vergast, verbrannt.»

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Zangerl (Thomas Zangerl)
    Mein Vater wurde in Polen einmal zum Erschiessungskommando gezwungen - vorne am Graben die zu Erschiessenden aufgereiht, hinten SS und Feldgendarmerie mit MP im Anschlag. Befehl: Schiesst oder ihr koennt euch auch in die vordere Reihe eingliedern! Noch Fragen? Ich habe eine, wer von all denen, die hier den Stab brechen haette nicht geschossen?
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    1. Antwort von Charles Halbeisen (ch)
      Es gab auch ein Orchester aus Hamburg, die zur Unterhaltung der SS an die Ostfront mussten. Es hatte noch keiner der Musiker je eine Waffe in der Hand gehabt. Die luden die Musiker dazu ein, einmal einer Erschiessung beizuwohnen, und danach sollte jeder der Musiker gleich selbst einen Juden erschiessen. Und die meisten der Musiker taten es wegen des Gruppendrucks, nicht weil ihr Leben ansonsten gefährdet war.
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  • Kommentar von Thomas Zangerl (Thomas Zangerl)
    Wenn ich so die Kommentare lese und an meinen Vater denke - er war Funktruppfuehrer in Italien gegen die Partisanen und dann in Polen gegen die ankommenden Russen. Gefuerchtet mehr als jeden Feind hatte er die sog. 'Kettenhunde', Feldgendarmerie, die reinste Moerder waren und die eigenen Leute reihenweise an den Baeumen aufgehaengt haben. Gehorche oder stirb, standrechtlich gehaengt oder erschossen, sofort. - Herrn Hanning blieb auch nichts anderes uebrig... Wer werfe den ersten Stein...???
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    1. Antwort von Charles Halbeisen (ch)
      Auch in der Schweiz gab es bis in die 90er Jahre die Todesstrafe bei Fahnenflucht. 1977 in der RS in Sion hatte mir der Major höchstpersönlich damit gedroht, dass er mich im Kriesfall erschiessen werden, wenn ich nicht wie befohlen am Funkgerät sitzen würde. Und dass die Nazis ihre Soldaten unter Druck setzten, ist nicht verwunderlich, aber auch nicht tauglich als General-Absolution für alle Kreigsverbrechen.
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  • Kommentar von Fadri Pitsch (FP)
    @Reiser Es ist ein sehr schwieriges Thema. Polen war und ist seit ein paar hundert Jahren immer in den Schwitzkasten genommen worden. Immer wieder von allen Seiten waren die Polen denen oft ausgeliefert. Da 90% der Polen Katholisch sind und früher auch Kommunisten, kann man nicht sagen, dass Polen aggressiv war gegenüber den Angreifer. Finde, dass Österreich gut beraten wäre, die Geschichte aufzuarbeiten. Waldheim als NAZI Scherge konnte zwar vieles vernichten, es gibt jedoch genug Beweise.
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