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International Nervenkrieg um die Krim

Nachdem das russische Parlament einem Militäreinsatz auf der Halbinsel Krim zustimmte, hat der ukrainische Interimspräsident Alexander Turtschinow reagiert: Er ordnete volle Kampfbereitschaft des Militärs an. Zudem bat die Ukraine die vier übrigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates um Schutz.

Legende: Video Nervosität in der Ukraine nach russischem Ja zu Militäreinsatz abspielen. Laufzeit 01:26 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 01.03.2014.

Das Gezerre um die Halbinsel Krim in der Ukraine hat eine neue Eskalationsstufe erreicht: Am Samstag stimmte der russische Föderationsrat, die zweite Kammer des Parlaments, einer Bitte von Kremlchef Wladimir Putin nach einem Militäreinsatz zu.

Putin sprach angesichts der «aussergewöhnlichen Situation» auf der Krim von der Notwendigkeit, die russischen Bürger sowie die dort stationierten Streitkräfte zu schützen.

Der Einsatz sei so lange nötig, bis sich die Lage normalisiert habe, heisst es. Abgeordnete des russischen Parlamentes hatten Putin zuvor aufgefordert, auf der Krim einzugreifen. Dort stellen ethnische Russen die Bevölkerungsmehrheit.

Ukraine wehrt sich

Nach Russlands Entscheidung über einen möglichen Militäreinsatz in der Ukraine hat in Kiew Interimspräsident Alexander Turtschinow volle Kampfbereitschaft angeordnet. Dies teilte Turtschinow in einer am Fernsehen übertragenen Rede an die Nation mit.

Ich gebe den Befehl, alle Militäreinheiten in volle Kampfbereitschaft zu versetzen.
Autor: Alexander TurtschinowUkrainischer Interimspräsident

Zudem hat die Ukraine die vier übrigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates – USA, Grossbritannien, Frankreich und China – um Schutz der eigenen Souveränität gebeten.

Russland habe für einen «Akt der Aggression» keine Grundlage. «Alle Erklärungen über Gefahren für russische Staatsbürger oder russischsprachige Ukrainer sind erdacht», erklärte Turtschinow.

Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk sagte, er habe mit seinem russischen Kollegen Dmitri Medwedew gesprochen. In Moskau sei demnach noch keine Entscheidung über einen Marschbefehl gefallen.

«Die Regierung der Ukraine wird alle Massnahmen zur Wahrung von Ruhe, Ordnung und Stabilität ergreifen», sagte Jazenjuk.

Truppenstärke unklar

Der russische Föderationsrat hatte am Nachmittag den Einsatz eines begrenzten Kontingents an Streitkräften ermöglicht. Angaben über die genaue Truppenstärke machte das Parlament nicht.

Nach ukrainischen Angaben wurden bereits bis zu 6000 russische Soldaten auf die Halbinsel im Schwarzen Meer verlegt. Eine Bestätigung dafür gibt es aber nicht.

«Unglaubliche Aggression Russlands»

Auch der ukrainische Präsidentschaftskandidat Vitali Klitschko verurteilte die Vorfälle auf der Krim als «unglaubliche Aggression Russlands». Es handle sich um einen «bewaffneten Einbruch». «Es geht ausschliesslich um die Provokation», sagte Klitschko am Samstag.

Wo liegt die Krim?

Wo liegt die Krim?

Weshalb streiten sich Russland und die Ukraine um diese Halbinsel im Schwarzen Meer? Was macht die Krim für beide Seiten so attraktiv? Hier die Antworten.

Kriegsschiffe vor Krim

Am späten Samstagabend sind vor der Krim-Küste laut der Agentur «Interfax» zwei russische Kriegsschiffe der baltischen Flotte zur Bekämpfung von U-Booten gesichtet worden. Laut einer ukrainischen Militär-Quelle verstosse deren Einsatz im Schwarzen Meer gegen das Marine-Abkommen zwischen der Ukraine und Russland.

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64 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Beutler, 3803 Beatenberg
    Die betroffene Bevölkerung wird ja befragt. Die 60% Russen werden wohl zustimmen. Der Rest wird Nein schreiben oder sich enthalten. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Abstimmung unter Druck zustande kommt. Dann ist der Nervenkrieg um die Krim zu Ende. Gut.
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  • Kommentar von A. Super, Bellach
    Habe gestern die Sitzung des UN Sicherheitsrates geschaut - und es ist halt schon komisch, wenn Russland sich bei Libyen und Syrien jeweils der Stimme enthält - angeblich auf Grund der Beachtung der Souveränität und Integrität der Staaten, nun aber bei der Ukraine sofort einschreitet (sogar ohne UN Mandat). EU und USA hin oder her, aber Russland scheint sich da auch nicht gerade vorbildlich zu verhalten, oder?
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    1. Antwort von Markus Guggisberg, Busswil
      @A. Super: Die Ukraine in der Form wie sie nach dem Verrat Gorbatschows nach westlichen Vorstellungen hinterlassen wurde hat es in der Form als Nation nie gegeben. Sehr verständlich also, dass Russland die eigenen Gebiete wieder zurückfordert !!!
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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    2. Teil: Es gibt ein altes finnisches Sprichwort: Achte deinen grossen Nachbarn im Osten - aber traue ihm nie! Jetzt könnt ihr alle sehen, wie richtig es war, dass Estland, Lettland und Litauen sich vor zehn Jahren der NATO angeschlossen haben. Natürlich haben die USA und die EU Fehler gemacht, aber sie sind nicht die Hauptschuldigen. Nicht vergessen: Die stets einflussreichen Ultra-Nationalisten in RU haben die Abspaltung des Baltikums, der UK und von BLR nie wirklich überwunden.
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