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Zankapfel Ost-Jerusalem Netanjahu plant Touristen-Bahn zur Klagemauer

Zum 50. Jahrestag der Eroberung Ost-Jerusalems kündigt Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den Bau einer Seilbahn an. Zur Bequemlichkeit der Touristen. Für die muslimischen Bewohner der Stadt wohl eher ein Affront.

Eine Frau steht an der Klagemauer. Hinter ihr stehen zwei weisse Plastikstühle.
Legende: Touristen sollen leichter zur Klagemauer kommen. Die Seilbahn wäre aber auch ein politisches Symbol. Reuters
  • Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigt den Bau einer Touristen-Seilbahn bei Jerusalems Klagemauer an.
  • Dahinter liegt die erklärte Absicht, Jerusalem als unteilbare, ewige Stadt zu stärken.
  • Palästinenser fürchten um die Integrität ihrer heiligen Stätten.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu lässt keine Zweifel aufkommen, was er mit «einer Reihe Schritte» meint, mit denen er Jerusalem «weiter stärken» möchte. Eine Seilbahn soll es sein, in der Altstadt, für jene Touristen, die zur Klagemauer möchten. Was auf den ersten Blick als harmloses ÖV-Projekt daherkommt, birgt einiges an Konfliktpotenzial.

«Ewige» Krise in ewiger Stadt

Israelische Bauvorhaben in der Nähe des Tempelberges sind immer mehr als blosse Stadtentwicklung. Es ist gute zehn Jahre her, dass Netanjahu während seiner ersten Amtszeit einen Tunnel an der Klagemauer öffnen liess und damit blutige Unruhen in den Palästinensergebieten in Kauf nahm.

An besagtem Bauwerk hat die israelische Regierung am Sonntag auch eine Sondersitzung abgehalten – zum 50. Jahrestag der Eroberung Ost-Jerusalems. Ein Akt, bei dem Israel 1967 den Ostteil der Stadt eroberte und später annektierte. An der Sondersitzung betonte Netanjahu, man wolle Jerusalem mit einer Reihe von Schritten «weiter stärken».

Die Antwort von palästinensischen Seite liess nicht auf sich warten: Die Sitzung in dem Tunnel an der Klagemauer sei eine Provokation. Saeb Erekat sprach von einer klaren Botschaft Israels an die Palästinenser.

Für den Generalsekretär der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO bedeutet die Wahl des Sitzungsortes, «dass die systematischen Verstösse gegen unsere Rechte weitergehen werden». Diese Einschätzung dürfte durch den angekündigten Bau einer Seilbahn nicht entkräftet werden.

Einschätzung der Journalistin Gisela Dachs in Tel Aviv:

Bislang ist die Bahn erst eine Idee. Wann sie verwirklicht sein wird – falls überhaupt – ist kaum vorauszusagen. Jedes Projekt in der Jerusalemer Altstadt ist ein derartiges Politikum, dass auch der Bahn viele Hindernisse im Weg stehen werden. Für die israelische Regierung geht es wohl vor allem darum zu zeigen, dass sie in Ostjerusalem das Sagen hat, auch wenn die restliche Welt die israelische Souveränität über ganz Jerusalem nicht anerkennt.

Das Seilbahn-Projekt hätte nach meinem Ermessen höchstens dann einen sinnvollen Zweck, wenn es nach einem allfälligen Friedensschluss als Friedensprojekt initiiert würde: Es braucht ja auch viele Touristen, welche die Bahn benützen, damit sie einen Sinn hat. Ausserdem muss deren Sicherheit an dem sensiblen Ort gewährleistet sein.

14 Kommentare

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  • Kommentar von Juha Stump (Juha Ilkka Stump)
    Herr Halbeisen, Ihre Worte treffen nur teilweise zu. Die von Kreta stammenden Philister lebten zwar im heutigen Gaza-Streifen, aber sie sind nicht ausgestorben, sondern in den Israeliten und anderen Nachbarvölkern buchstäblich aufgegangen, so auch in den Arabern, also stammen die Pal. z.T. wirklich von Kreta ab. Der Name "Palästina" durch die Römer entsprach höchstens insofern politischem Kalkül, als dieser Name mit der hebräischen und arabischen Variante fast identisch ist.
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  • Kommentar von Magdalena Glaus (Bhabiana)
    Ein Vorschlag zugunsten ausgewogener Berichterstattung betreffend Israel: Wie wäre es mit einem Artikel über die Marwani-Moschee mit einer Kapazität von 7000 Plätzen, die ab 1996 in das Gewölbe der Ställe Salomons unter dem Tempelberg gebaut wurde? Dabei wurde die Stabilität der Südmauer gefährdet und bedeutende archäologische Zeugnisse der jüdischen Vergangenheit zerstört. Erst ab 2004 erhielten israelische Archäologen die Erlaubnis, den Bodenaushub nach möglichen Artefakten zu untersuchen.
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  • Kommentar von Charles Halbeisen (ch)
    Da schiesst sich Netanjahu selbst ins Bein, wenn er die alterwürdige Klagemauer zum Disney-Land macht.
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