«Nett, lustig und vielleicht manchmal ein bisschen ruhig»

Der Co-Pilot der verunglückten Germanwings-Maschine brachte offenbar das Flugzeug absichtlich zum Absturz. Was den 27-jährigen zur Tat antrieb, bleibt unklar.

Der Co-Pilot der verunglückten Germanwings-Maschine hat den Airbus mit 150 Menschen an Bord offenbar mit Absicht in die Katastrophe gesteuert. Hinweise auf einen Terrorakt gibt es aber laut Staatsanwaltschaft nicht.

Die Motive des 27-Jährigen Andreas L. sind unklar. Bisher weiss man auch noch nicht viel über den Co-Piloten. Bekannt war bereits, dass der Mann seit 2013 bei Germanwings flog. Er hatte 630 Flugstunden absolviert. Davor hatte er aber schon seit etlichen Jahren für den Konzern gearbeitet, auch als Flugbegleiter.

Nach den Worten von Lufthansa-Chef Carsten Spohr waren die fliegerischen Leistungen von Andreas L. einwandfrei und ohne jede Auffälligkeiten. Er habe seine Ausbildung zum Piloten für mehrere Monate unterbrochen, dies sei aber nicht unüblich. Zu den Gründen für die Unterbrechung sagte Spohr nichts.

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Wie werden Piloten beurteilt?

1:37 min, aus Tagesschau vom 26.3.2015

Er habe alle Tests und Prüfungen bestanden, versicherte Spohr, der auf den psychologischen Eignungstest der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt verwies. Der Test gelte weltweit als das führende Verfahren zur Auswahl von Cockpit-Personal.

«Netter junger Mann»

Der Co-Pilot stammte aus dem rheinland-pfälzischen Montabaur. Dort wohnte er bei seinen Eltern, hatte aber auch eine Wohnung in Düsseldorf.

In Montabaur hat die Nachricht, dass der 27-Jährige den Germanwings-Airbus mit Absicht in die Katastrophe gesteuert hat, grosse Bestürzung ausgelöst. Die Polizei hat in der Strasse, die zum Elternhaus des Mannes führt, Einsatzfahrzeuge quergestellt, um Autos an der Durchfahrt zu hindern.

Andreas L. war bereits als Jugendlicher Mitglied des Segelfliegervereins LSC Westerwald, wo er seine ersten Flugstunden erhielt. Ein langjähriges Vereinsmitglied sagte, er sei ein netter junger Mann gewesen, «lustig und vielleicht manchmal ein bisschen ruhig».

Er sei beliebt und gut integriert im Verein gewesen, wo er immer Spass gehabt habe. Er habe Freunde gehabt und sei kein Einzelgänger gewesen. Deutsche Medien berichteten jedoch, dass Andreas L. früher an Depressionen und an einem Burnout gelitten haben soll.

Wohnung durchsucht

Ermittler haben ein Haus in Düsseldorf durchsucht, in dem der 27-Jährige Co-Pilot wohnte. Grundlage ist ein Ersuchen der französischen Justiz. Auch im Elternhaus des Piloten in Montabaur wurden Polizisten vorstellig.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Co-Pilot brachte A320 absichtlich zum Absturz

    Aus Tagesschau vom 26.3.2015

    Der Stimmenrekorder der abgestürzten Germanwings-Maschine hat Erschütterndes zutage gebracht: Wie die zuständige Staatsanwaltschaft heute in Marseille erklärte, hat der Co-Pilot den Airbus 320 offenbar vorsätzlich zum Absturz gebracht. Eses sich um einen 28-jährigen Deutschen, der sich beim Mutterkonzern Lufthansa zum Piloten ausbilden liess. Zu den neusten Erkenntnisse live Berlin SRF-Korrespondent Adrian Arnold.