Neue Runde im Asbest-Prozess gegen Schmidheiny

2013 ist der Schweizer Industrielle Stephan Schmidheiny in Italien in zweiter Instanz zu 18 Jahren Haft verurteilt worden. Der frühere Eternit-Miteigentümer zog das Urteil weiter: Am Mittwoch befindet nun das höchste italienische Gericht über den Fall.

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Asbest-Prozess: Anhörung im Fall Schmidheiny

1:23 min, aus Tagesschau am Mittag vom 19.11.2014

Morgen beginnt vor dem Kassationshof in Rom der Berufungsprozess gegen den Schweizer Industriellen Stephan Schmidheiny. Der frühere Eternit-Miteigentümer war 2013 zu 18 Jahren Haft und Entschädigungszahlungen in der Höhe von 90 Millionen verurteilt worden.

Laut Gericht hatten Schmidheiny und der frühere belgische Eternit-Manager Louis de Cartier de Marchienne (inzwischen verstorben) mit der Herstellung von Asbest-Produkten eine Umweltkatastrophe verursacht. Das Gericht befand die beiden für den Tod von fast 2000 Asbest-Opfern schuldig. Zudem sollen sie Sicherheitsregeln in den Fabriken missachtet haben.

«Verfahrensfehler begangen»

Schmidheiny zog das Urteil weiter. Nun befasst sich der Oberste Gerichtshof in Italien mit dem Fall. Gegenüber «10vor10» zeigte sich Schmidheinys Verteidiger, Astolfo Di Amato, optimistisch und hofft auf einen Freispruch.

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SRF-Korrespondent Philipp Zahn zum Schmidheiny-Prozess

1:13 min, aus Tagesschau am Mittag vom 19.11.2014

Die Richter seien nicht nur parteiisch gewesen sondern hätten auch schwere Verfahrensfehler begangen. «Wir haben immer die Beweise geliefert, dass Stephan Schmidheiny grosse Investitionen unternommen hatte, um die Asbestbelastung zu senken. Dies fiel bei der Beurteilung nie ins Gewicht – eben weil mein Mandant verurteilt werden musste», so Di Amato.

Anders sieht es der Turiner Staatsanwalt Raffaele Guariniello. Seiner Meinung nach steht der Prozess gegen Schmidheiny nicht nur für Recht und Gerechtigkeit, sondern auch für Sicherheit am Arbeitsplatz.

Das Urteil wird für nächste Woche erwartet. Sollte Schmidheiny auch in letzter Instanz verurteilt werden, will die Verteidigung den Fall an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte weiterziehen.

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Die Firma Eternit mit ihrem Asbestzement ist untrennbar verknüpft mit der Familie Schmidheiny. Sehen Sie in der Chronik wie es dazu kommen konnte, dass sich Stephan Schmidheiny in Italien vor Gericht verantworten musste.

Autor: Marc Herter

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  •  Angehörige der Opfer und ehemalige Angestellte von Eternit Italia während des Prozesses gegen Stephan Schmidheiny und den Belgier Jean-Louis de Cartier im Dezember 2009. In Casale Monferrato sterben nicht mehr die Eternit-Arbeiter.  Heute trifft es die Jüngeren, die jahrelang am Ufer des Po gespielt haben.

    80 Jahre Eternitproduktion - ein Alptraum mit Asbest und Tod

    Aus Echo der Zeit vom 18.11.2014

    Der italienische Kassationshof befasst sich am Mittwoch mit Stephan Schmidheiny und Eternit Italia. Schmidheiny wurde in der Vorinstanz zu 18 Jahren Haft und Schadenersatzzahlung von fast 100 Millionen Euro verurteilt.

    In der wichtigsten Standortgemeinde von Eternit Italia, in Casale Monferrato im Piemont, wird das Urteil mit Spannung erwartet. Eine Reportage.

    Massimo Agostinis