Zum Inhalt springen

Bangen in Aleppo Neue Vereinbarung soll Evakuierung vorantreiben

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt warten Tausende Menschen in Ost-Aleppo darauf, dass die Evakuierungsmission wieder beginnt. In den Verhandlungen bahnt sich ein Hoffnungsschimmer an – auch für andere belagerte Orte.

Legende: Video Evakuierung von Aleppo unterbrochen abspielen. Laufzeit 1:25 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.12.2016.

Das Wichtigste in Kürze

  • Am Freitag wurde die Evakuierung von Ost-Aleppo ausgesetzt.
  • Jetzt haben sich die Kriegsparteien auf einen neuen Evakuierungs-Plan geeinigt.
  • Wann die Menschen wieder in Sicherheit gebracht werden können, steht dennoch nicht fest.
  • Die humanitäre Lage ist katastrophal.

Tausende Menschen in den Rebellengebieten in Ost-Aleppo warten weiter auf den Beginn der ausgesetzten Evakuierungsaktion. Ein Rebellenvertreter sagte der Nachrichtenagentur AFP, es gebe eine Einigung auf eine Wiederaufnahme der Mission.

Die Regierung bestätigte die Angaben des Vertreters jedoch nicht. Die Evakuierung von Ost-Aleppo war am Freitag unterbrochen worden, nachdem es erneut zu Gefechten gekommen war.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) rief alle Konfliktparteien dazu auf, den Schwebezustand für die Menschen zu beenden. «Die Bevölkerung hat genug gelitten», sagte Marianne Gasser, die Leiterin der IKRK-Mission in Syrien, in Aleppo.

Auch Kämpfer unter den Evakuierten

Wie ein Journalist der AFP berichtete, harrten Zivilisten und Kämpfer bei Minusgraden in dem noch immer zum Teil von Rebellen gehaltenen Viertel Al-Amirijah auf der Strasse oder in den Ruinen der zerbombten Häuser aus. Die eingeschlossenen Zivilisten haben weder Lebensmittel noch Trinkwasser.

Der UNO-Sonderbeauftragte Staffan de Mistura hatte erklärt, es befänden sich in dem fast vollständig von der syrischen Armee zurückeroberten Osten von Aleppo noch etwa 40'000 Zivilisten sowie bis zu 5000 Rebellenkämpfer und ihre Familien. Diese Zahlen sind laut UNO allerdings nicht gesichert.

Angesichts der verheerenden humanitären Lage in Ost-Aleppo hatte am Donnerstag die Evakuierung der zerstörten Stadtviertel begonnen. Seitdem wurden nach Aktivistenangaben rund 8500 Menschen nach West-Aleppo gebracht, darunter 3000 Kämpfer.

Weitere Ortschaften sollen evakuiert werden

Am Freitag hatte die syrische Armee die Evakuierungen jedoch ausgesetzt. Sie warf den Rebellen vor, diese hätten sich nicht an die «Bedingungen der Vereinbarung» gehalten. Aus Militärkreisen hiess es, Rebellen hätten das Feuer eröffnet und versucht, Geiseln zu nehmen.

Ein Mann zieht einen Wagen mit seinem Besitz.
Legende: Die Menschen in Aleppo hoffen, dass sie die umkämpften Gebiete bald verlassen können. Keystone

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte hängt das Aussetzen der Evakuierungen in Aleppo auch damit zusammen, dass die Rebellen, die Fua und Kafraja in der nordwestlichen Provinz Idlib belagern, sich dagegen sperren, dass Verletzte aus den beiden Ortschaften herausgebracht werden.

Denn die Rebellen verlangen, dass im Gegenzug die Städte Sabadani und Madaja in der Provinz Damaskus evakuiert werden. Diese werden von regierungstreuen Einheiten belagert. Doch auch dort sollen nun Evakuierungen stattfinden

Die Evakuierungen in Aleppo sollen mit der Ausreise von Verletzten und ihren Familien, Waisenkindern und anderen Zivilisten – insgesamt rund 4000 Menschen – wieder aufgenommen werden, erklärte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Seine Organisation stützt sich auf ein Informantennetz in Syrien, die Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

17 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von S. Meier (SM)
    ARD: "Ein Teil der Menschen aus Ost-Aleppo soll in die Provinz Idlib gebracht werden, die großteils von radikalen Islamisten beherrscht wird. Der Rest soll in Stadtteile Aleppos ausweichen, die unter der Kontrolle der Regierung sind. Idlib ist bereits Ziel russischer und syrischer Luftangriffe. Ob die Regierung dort nun auch eine Bodenoffensive vorantreiben wird oder die Rebellen zunächst verschont, ist unklar." Es ergibt keinen Sinn Zivilisten nach Idlib zu bringen oder kommen dort Kämpfer hin?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Tamer Aboalenin (Tamer)
    “Syria’s war has reached an historic low. A great city and its population are in tatters and catastrophic failings have been exposed in the international community’s collective resolve. Hum. act. can do little to protect in a situation where there is seemingly a collapse of common humanity. Aleppo has become a metaphor for the disastrous situation that Syria is in today. So many lives have been lost. such displacement and suffering will not stop", Zitat, Philipp Grandi UNHCR, 17.12.2016
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Waren es nicht Sarkozy (Gaddafi finanzierte seine Wahl) und Holland, die unter anderem Libyen in Chaos "befreiten"? Das in Nordafrika so verdienstvolle Frankreich könnte zuerst einmal seine Geschichte bis zur Neuzeit aufarbeiten. Aber es ist natürlich bequemer, anderen gute "Ratschläge" zu geben und im Konzert der Wertegemeinschaft mit zu heulen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Ja, es waren die Franzosen die als erste von aussen in den Streit in Libyen eingegriffen haben. Losgetreten wurde er jedoch von abtrünnigen Militärs in Bengazi die genug hatten von Ghaddafis Kurs. Dass Wahlen in F von Libyen her finanziert worden wären ist jedoch nicht anzunehmen. Allfällige Geschichten in der Richtung sollte man zuerst kritisch beleuchten bevor man wilde Behauptungen in die Welt setzt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Christian Szabo (C. Szabo)
      @Reuteler: Der wahre Grund für die Liquidierung Gaddafis war, dass er eine Allianz in Nordafrika ohne Einmischung des Westens schaffen wollte. Da sahen die USA, FR und weitere Rot. Wo kämen wir da hin, wenn ein dreckiger Wüstensohn die Kreise der Guten stört. Der $ war auch in Frage gestellt. Das ging eindeutig zu weit. Jetzt muss der klägliche Rest von Libyen wieder in $ handeln und seine Schulden (das Vermögen wurde geklaut) abstottern. Die Welt ist doch schön.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von S. Meier (SM)
      Doch, kann mich gut daran erinnern, wie die Franzosen (Sarkosy) Luftangriffe in Libyen flogen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen