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International Neuer Anlauf für Flüchtlingsverteilschlüssel

Können die widerspenstigen EU-Mitgliedsstaaten doch noch zur Aufnahme von Flüchtlingen nach einem bestimmten Verteilschlüssel bewegt werden? Der erste Versuch Brüssels scheiterte kläglich. Ob es der EU-Kommission im zweiten Anlauf gelingt, ist fraglich.

Flüchtlingscamp Moria auf der Insel Lesbos.
Legende: Die EU-Kommission in Brüssel diskutiert Vorschläge, wie das Asylwesen in Zukunft ganz grundsätzlich aussehen könnte. Keystone

Bereits im vergangenen Jahr versuchte die EU-Kommission, die Mitgliedsländer von einem fixen Verteilmechanismus für die ankommenden Flüchtlinge zu überzeugen. Sie scheiterte damit auf der ganzen Linie.

Jetzt unternimmt sie einen neuen Anlauf. Dieses Mal hält sie sich aber bewusst zurück mit zu starren Vorschlägen. Sie hofft, damit auch widerborstige Staaten zu einem Kompromiss bewegen zu können.

Timmermans: Asylsystem muss geändert werden

Frans Timmermans, die rechte Hand von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, sagte es unumwunden: «Wir müssen das geltende Asylsystem ändern. Die Flüchtlingskrise hat es gezeigt, dass es nicht funktioniert.»

Gemeint ist das sogenannte Dublin-Abkommen. Dieses sieht vor, dass Flüchtlinge in jenem Land Asyl stellen müssen, in dem sie zum ersten Mal EU-Boden betreten haben. Die Folge dieser Regelung: Griechenland und Italien, zwei Staaten mit ohnehin schon schwachen Institutionen, tragen die Hauptlast, da praktisch alle Flüchtlinge bei ihnen EU-Land betreten.

In ihrer Not tun Griechenland und Italien das, was sie nicht dürften: Sie lassen die Flüchtlinge weiterziehen, nach Norden. Im Falle Griechenlands hat das den Zorn der Nachbarn entfacht, die mit dem Bau von Zäunen entlang der griechischen Grenze reagierten. Eine langfristige Lösung ist das nicht.

«Fairness-Mechanismus» oder direkte Verteilung

Deshalb versucht die EU-Kommission es erneut. Sie legt nun zwei Optionen vor: Die eine sieht vor, dass die Dublin-Regelung in Kraft bleibt. Übersteigen die Ankömmlinge eine noch auszuhandelnde Zahl, soll eine Art «Fairness-Mechanismus» greifen, bei dem ein Teil der Flüchtlinge auf die andern EU-Länder verteilt würde.

Die zweite Option sieht vor, dass Flüchtlinge – kaum in Europa angekommen – nach einem Schlüssel auf die Mitgliedsländer verteilt werden.

Zentralisierung «chancenlos»

Die EU-Kommission hätte gerne noch eine dritte Option eingebracht: Die Zentralisierung aller Asylgesuche und die zentrale Verteilung der Flüchtlinge. Das hätte den Vorteil, dass die Gesuche von allen Flüchtlingen nach gleichen Massstäben beurteilt werden. Nach den Worten von Timmermans ist dieser Vorschlag in der gegenwärtigen Situation politisch chancenlos.

Noch mehr Zentralisierung ist gegenwärtig ein Reizwort. Also versucht es die EU mit ganz vorsichtigen Schritten. Ihre Vorschläge formuliert sie bewusst sehr offen. Sie hofft damit, auch die widerborstigen Mitgliedsländer in Osteuropa zu einem konstruktiven Dialog bewegen zu können. Der soll dann, wenn alles gut geht, noch vor den Sommerferien zu einem verbindlichen Regelwerk für die Verteilung der Flüchtlinge führen.

Die Zeit drängt

Die EU-Kommission lanciert die Flüchtlingsfrage erneut, weil es ihr einerseits um eine Lösung des unwürdigen Schauspiels an ihrer Südgrenze geht. Sie will aber auch eine langfristige Lösung erreichen. Denn die Grenzzäune in ihrem Innern blockieren nicht nur Flüchtlinge. Auch EU-Bürger und der Warenfluss werden behindert.

Der freie Waren- und Personenverkehr gehören aber zu den Grundwerten der Union. Kann die Kommission diese nicht mehr verteidigen, sieht sie den Zusammenhalt der EU in Gefahr. Eine halbwegs vernünftige Lösung des Flüchtlingsproblems geniesst bei ihr deshalb oberste Priorität.

11 Kommentare

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  • Kommentar von ruta habegger (somewhere)
    Das ist überhaupt nicht Europa Unsinn! ich verstehe nicht, dass sich einige Länder einfach weigern können, Flüchtlinge aufzunehmen! Die Oststaaaten scheinen bereits vergessen zu haben, dass auch sie einmal Flüchtlinge waren! Ungarn im 1956, ich weiss noch gut, wie wir ungarische Flüchtlinge bereitwillig aufgenommen haben! Auch sie scheinen das vergessen oder verdrängt zu haben!!
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  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    Die Slowakei lehnt die Neuordnung der Asylverfahren in der EU ab. Man könne nicht Flüchtlinge als Zahlenmengen wie Tonnen von Mais und Zucker behandeln. Im gesamten Jahr 2015 beantragten in der Slowakei nur 169 Menschen Asyl, bewilligt wurde es acht von ihnen. Anfang 2016 erhielten hingegen 150 Christen aus dem Irak Asyl aufgrund einer besonderen humanitären Maßnahme.
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  • Kommentar von Peter Escher (Peter)
    Kurz : EU = Europa - Unsinn... - Punkt !
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