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International Neuer Giftgas-Einsatz in Syrien?

Im syrischen Bürgerkrieg ist offenbar wieder Giftgas zum Einsatz gekommen. Regierung und Opposition beschuldigen sich gegenseitig, bei Kämpfen in der zentralen Provinz Hama Chemiewaffen verwendet zu haben. Die Angaben lassen sich allerdings schwer überprüfen.

Legende: Video Angeblicher Giftgas-Anschlag in Syrien (unkommentiert) abspielen. Laufzeit 0:24 Minuten.
Aus News-Clip vom 13.04.2014.

Trotz der internationalen Bemühungen um eine Entsorgung der syrischen Chemiewaffen hat es in dem Bürgerkriegsland offenbar erneut einen Giftgasangriff gegeben. Regierung und Oppositionelle teilten mit, die Stadt Kafarsita in der Provinz Hama sei mit Giftgas attackiert worden.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, Kampfflugzeuge der Regierung hätten am Freitag in Kafarsita Sprengstofffässer abgeworfen, die einen «dichten Rauch und Gerüche» erzeugt hätten. Bewohner hätten anschliessend von Atemnot und Vergiftungserscheinungen gesprochen.

Der Vorsitzende der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, erklärte, die bei dem Angriff Verletzten seien in Spitäler eingeliefert worden. Die Beobachtungsstelle beruft sich bei ihren Informationen auf ein grosses Netzwerk aus Aktivisten und Medizinern, ihre Angaben können aber von unabhängiger Seite nicht überprüft werden.

Giftiges Chlor

Das syrische Staatsfernsehen berichtete indes, Rebellen der islamistischen Al-Nusra-Front hätten in Kafarsita «giftiges Chlor» verbreitet und dadurch zwei Menschen getötet. Hundert weitere Menschen hätten an Atemnot gelitten. In dem Bericht hiess es weiter, Al-Nusra plane ebensolche Angriffe in Wadi Deif in der Provinz Idlib und in Morek in der Provinz Hama.

Im Online-Netzwerk Facebook berichteten Aktivisten aus Kafarsita von einem Angriff mit «Chlorgas», durch den es «mehr als hundert Fälle von Atemnot» gegeben habe. Auf der Video-Plattform YouTube wurden Filme veröffentlicht, auf denen Kinder und Männer zu sehen sind, die husten und Erstickungssymptome zeigen.

Drei Jugendliche sind in einem Lazarett mit Sauerstoffmasken vor dem Gesicht zu sehen. Ein Mann, offenbar ein Arzt, spricht von einem «gelben Produkt» mit einem «Geruch, der Chlorgas ähnelt».

Im August vergangenen Jahres hatte ein Giftgasangriff nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus 1400 Menschen getötet. Der Westen warf der Regierung von Staatschef Baschar al-Assad vor, für den Angriff verantwortlich gewesen zu sein.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    In einer Sonntagsausgabe gelesen: Sogar Schweizer Muslime, auch Mussliminnen sollen sich am Heiligen Krieg in Syrien beteiligen.
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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    In Syrien hat die demokratische Opposition nichts mehr zu sagen und die Rebellen sind nur noch Söldner ausländischer Interessengruppen. Lösungen werden sich nicht auf der Basis der Anfänge finden lassen, aber auf der jetzigen Situation. Die Interessen des Westens und Russlands in Syrien sind letztendlich die Gleichen und ein Sieg Assads wird daher die beste Lösung sein. Schutz für demokratische Syrer kann man mit Assad vielleicht noch vereinbaren, mit den Islamisten aber bestimmt nicht.
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Das Problem in Syrien ist Assad. Der kann Konflikte nur mit der Waffe austragen. Ich glaube aber nicht, dass sich die Saudis jemals mit diesem Despoten arrangieren werden. Über kurz oder lang werden die Tage des Assad-Clans gezählt sein.
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    2. Antwort von Jens Brügger, Schaffhausen
      Die Saudis sind selber Despoten. Da herrscht leider auch eine schlimme Diktatur. Wenn man konsequent sein will, sollte man beide Staaten ähnlich behandeln. Und finde Assad auch nicht gut!
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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Und der "arabische Frühling" hat mittlerweile tausende Menschenleben gefordert, Millionen Menschen sind auf der Flucht & Amerika schaut zu & engagiert sich lieber in der Ukraine. Weshalb & warum lässt man Baschar al-Assad so lange gewähren?
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Hier gebe ich Ihnen Recht: Durch den Russland-Ukraine-Konflikt ist Syrien in den Hintergrund getreten, Assad hat sicher davon profitiert. Allerdings muss ich sagen, dass es auch mir graut, daran zu denken, dass nach einem allfälligen Sturz Assads - es sieht zwar nicht danach aus - noch Schlimmere an die Macht kommen könnten. Ich träume immer noch von einem arabischen "Raïs", der von allen anerkannt wird und es schafft, über alle Grenzen hinweg einen echten Frieden zu schaffen.
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    2. Antwort von Albert Planta, Chur
      Die USA engangieren sich auch in Syrien. Nur sind sie nicht mehr so dumm und senden Bodentruppen wie im Irak und Afghanistan. Ihr Einsatz in diesen Länder hat in erster Linie dem Mullah-Regime in Teheran genützt.
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