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Neues Datenleck Was man über die «Paradise Papers» wissen muss

Neue Recherchen zu Millionen von Daten über Steuertricks bringen weltweit Politiker, Prominente und Konzerne unter Druck. Auch in der Schweiz.

Legende: Video Reto Lipp: «Auch die Schweiz kämpft gegen solche Steuertricks» abspielen. Laufzeit 2:18 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 06.11.2017.

Worum geht es? Die Dokumente stammen laut den Rechercheuren hauptsächlich aus der Kanzlei Appleby, vom Trust-Anbieter Asiaciti mit Sitz in Singapur und von den Firmenregistern von 19 Steueroasen. Die Recherchen zeigen, dass Appleby – einer der führenden Anbieter sogenannter Offshore-Firmen – neben seriösen Kunden auch Politiker mit fragwürdigen Geschäften betreut. Das neue riesige Datenleck wurde von den Autoren «Paradise Papers» getauft.

Was wurde untersucht? Das Material soll rund 13,4 Millionen Dokumente umfassen. Wie die ICIJ-Journalisten an die Daten herankamen, wurde nicht preisgegeben.

Wer hat untersucht? Die Dokumente wurde von einem internationalen Team von 380 Investigativjournalisten, dem ICIJ (International Consortium of Investigative Journalists), ausgewertet. Mehr als 90 Medien waren an der Recherche beteiligt, darunter die «New York Times», die «BBC», der «Guardian», «Le Monde» und die «Süddeutsche Zeitung». Die Auswertung dauerte rund ein Jahr.

In der Schweiz waren Journalisten von den Tamedia-Titeln «Tagesanzeiger» und «Sonntagszeitung»/«Le Matin Dimanche» an der Recherche beteiligt gewesen. Die von der Tamedia herausgegebenen Zeitungen veröffentlichten am Montag eine Serie von Artikeln über heikle Geschäfte von Schweizer Firmen in Angola, Kongo und Nigeria.

Welche Personen stehen im Fokus? In den Papieren stehen die Namen von mehr als 120 Politikern aus fast 50 Ländern, Prominenten und Konzernen, darunter auch Queen Elizabeth, Prinz Charles, U2-Sänger Bono und der US-Handelsminister Wilbur Ross. Letzterer soll als Privatmann von Geschäften mit einer Firma profitieren, die dem Schwiegersohn des russischen Präsidenten Wladimir Putin und Kreml-nahen Geschäftsleuten gehöre.

Welche Verbindungen gibt es zur Schweiz? In der Schweiz hatte Appleby zu 2363 Personen- und Firmen-Verbindungen.

In den «Paradise Papers» erscheinen die Namen des Schweiz-Angolaners Jean-Claude Bastos, dessen Firma Quantum Global eng mit der Kanzlei Appleby zusammen arbeitet, und jener von SBB-Präsidentin Monika Ribar, die der Firma von Bastos beratend zur Seite stand und dafür ein fürstliches Honorar erhalten haben soll.

Welche Unternehmen werden genannt? In den Dokumenten sind zahlreiche internationale Unternehmen erwähnt. Darunter ist der Schweizer Rohstoff-Riese Glencore.

Wie hat die untersuchte Anwaltskanzlei reagiert? Appleby hatte vor wenigen Tagen eingeräumt, dass möglicherweise illegal Datenmaterial dem ICIJ zugespielt worden sei. Die Firma betont, auf legale Offshore-Praktiken zu setzen und im Einklang mit den Gesetzen zu handeln. Nach sorgsamer und intensiver Prüfung sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass es keinerlei Belege für Fehlverhalten seitens der Firma oder ihrer Klienten gebe.

Haben die Erkenntnisse aus solchen Recherchen überhaupt Folgen? Vorherige Recherchen des ICIJ, die sogenannten «Panama Papers»-Enthüllungen, führten 2016 weltweit zu Ermittlungen. Unterlagen der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, die von Journalisten weltweit ausgewertet wurden, zeigten, dass zahlreiche Politiker, Sportler und andere Prominente Vermögen in Offshore-Firmen halten – was nicht unbedingt strafbar ist.

In Island führte die Veröffentlichung zum Rücktritt des Ministerpräsidenten Sigmundur Gunnlaugsson und zum Verzicht des Staatschefs Ólafur Ragnar Grímsson, für eine Wiederwahl bereitzustehen. In Pakistan wurde Ministerpräsident Nawaz Sharif des Amtes enthoben.

Das ICIJ erhielt für die Enthüllungen der «Panama Papers» 2017 die höchste Auszeichnung im US-Journalismus, den Pulitzer-Preis.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von A. Zuckermann (azu)
    Begreift es endlich: Die Reichen werden nicht in unsere Gesellschaft investieren. Also, Organisieren wir uns selbst, bringt euer Geld zu alternativen Banken, die solche Geschäftspraktiken vermeiden.
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    1. Antwort von Peter Holzer (Peter Holzer)
      Man wird es erst begreiffen, wenn man selbst vor einem Scherbenhaufen steht. Viel einfacher ist es, man hat weiterhin einen Sündenbock den man vermeindlich besiegen kann, die Flüchtlinge. Wer aber Flüchtlinge generiert will man nicht wissen, denn es würde bedeuten man müsste bei sich selbst und seinem Konsumverhalten Einschränkungen hinnehmen. Es wird die Gier allein sein die den Menschen und seine Umwelt zerstört hat.
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  • Kommentar von Tim Buesser (TimBue)
    "Was man über die «Paradise Papers» wissen muss". Ja was denn hat man (wer ist "man"?) laut unseren Journalisten über diese über diese von Journalisten ausgesuchten Papers zu wissen. Aber "vielen Dank" ihr Journalisten dafür, dass Sie uns das Aussuchen, was ich zu wissen habe, abgenommen haben… Qualitäts-Journalismus vom Besten.
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  • Kommentar von Raymond Klaus (Ray)
    Nicht aufregen. Das ist noch gar nichts. Das ist wieder nur ein zückerhein und eine Ablenkung der wahren Verbrechen. Die richtigen Fälle sind zigtausend Mal grösser. Da gehören praktisch alle Geheimdienste, Regierungen etc. dazu, natürlich auch die Schweiz. Die tun nur immer so heilig.
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