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Neuwahlen in Italien «Es riecht nach Krach»

In Italien ist der Weg frei für Neuwahlen. Wer dabei die Nase vorn hat, schätzt SRF-Mitarbeiter Rolf Pellegrini ein.

Rolf Pellegrini:
Legende: Rolf Pellegrini: Der langjährige Italien-Korrespondent von SRF berichtet auch nach seiner Pensionierung sporadisch aus Rom. SRF

SRF News: Wer hat aktuell die besten Karten für eine Regierungsbildung?

Rolf Pellegrini: Der jetzige Kenntnisstand deutet auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen. An der Spitze steht die Listenverbindung der Rechten. Sie umfasst die Forza Italia von Silvio Berlusconi, die Lega von Matteo Salvini und die kleine Rechtsaussen-Gruppierung Fratelli d'Italia. Aber die Listenverbindung ist noch keine wirkliche Regierungsallianz – und Salvini beansprucht, wenn er die meisten Stimmen bekommen sollte, als Premierminister aufgestellt zu werden. Es ist aber kaum vorstellbar, dass Berlusconi dies akzeptieren würde.

Berlusconi und Salvini auf einem Transparent
Legende: Salvini (rechts) möchte die politische Rechte als Premier anführen. Zum Unmut von Silvio Berlusconi. Keystone

Der Altmeister, der im Land plötzlich wieder etwas zählt, will einen Premierminister, der aus den Reihen von Forza Italia kommt. Das wiederum würden Salvini und seine Lega kaum hinnehmen. Es riecht nach Krach – wenn nicht vor, dann nach den Wahlen.

Hoffnung auf einen Wahlsieg macht sich auch die Protestbewegung Cinque Stelle von Beppe Grillo. Sie wollte bisher immer unabhängig sein. Doch sie braucht einen Alliierten, um regieren zu können. Überdies ist ein bisschen von ihrem Glanz abgeblättert. In Rom stellt die Bewegung ja die Bürgermeisterin. Sie hat im schwierigen Umfeld der Hauptstadt aber noch keine grossen Stricke zerrissen.

Renzis forscher Stil missfiel immer mehr Leuten.
Autor: Rolf PellegriniZum sinkenden Stern des Ex-Premiers

Der ehemalige Regierungschef Matteo Renzi wollte eigentlich zurück an die Macht. Momentan scheint seine Partei, der Partito Democratico, aber nicht auf der Siegesstrasse zu wandeln. Was ist da los?

Renzi vor italienischer Nationalflagge
Legende: Renzi plant das Comeback als Premier. Doch die politische Linke ist gespalten. Keystone/Archiv

Renzi war vor fünf Jahren etwas Neues, etwas Unverbrauchtes. Ein Draufgänger mit flinker Zunge und enormer Schlagfertigkeit. Einer der brutal sagte, die «Kaziken» des Partito Democratico müssten verschrottet werden. Damit kam er eine Zeit lang durch. Als die Erfolge ausblieben, weil die Wirtschaftskrise Italien beutelte, begehrten viele auf: die schrumpfende Mittelschicht, die Jungen und Älteren ohne Arbeit, das Heer der Arbeitslosen.

Renzis forscher Stil missfiel immer mehr Leuten. Vor allem aber auch, weil unter den alten Parteichefs, die Renzi aufs Abstellgleis abschieben wollte, die wahre Linke sehr stark vertreten war. Diese Linke sonderte sich ab, verliess die Partei und versagt Renzi nun jegliche Unterstützung.

Das Gespräch führte Isabelle Maissen.

7 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Als mögliche Erklärungselemente, Herr Arthur, sehe ich: Das Eine ist der Konformismus, wahrscheinlich Folge, über Jahrhunderte via römisch katholischer Kirche sozialisiert worden zu sein. Dann die Tatsache, dass ursprüngliche Agrargebiete, wie so oft nach schrecklichen Kriegen, eine Turboanpassung an eine Gesellschaft des Konsums zu bewerkstelligen hatten. .... Dann ist da eine Form des Machismo dem auch manche Frauen fleißig zudienen, der diesem Land absolut nicht gut tut.
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  • Kommentar von D. Schmidlin (Querenlife)
    Auch Italien ist in die Migrationsfalle getreten wie Deutschland. Beide kommen da nicht mehr so schnell raus. Beide Staaten haben hunderttausende Migranten als Flüchtlinge schöngeredet, die illegal über Libyen den Mittelmeerweg eingeschlagen haben. Jetzt kommt die bittere Retourkutsche vom Volk.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Die Hauptprobleme in Italien sind die Mafia und der Faschismus;-)
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Dass es auch Anderes gibt als die ewiggleichen Mitspieler zu rezyklieren, zeigt die wachsende Bewegung, die sich nicht als politische Partei versteht, sondern als Bewegung ähnlich den Insoumises in Frankreich, ´Potere al Popolo'. Sie bereiten sich darauf vor, bei den Wahlen im März dabei zu sein. Vielversprechend und Vielfältig. Bin gespannt.
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