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International Nicht alle Afghanen freuen sich über US-Truppenabzug

Die USA wollen bis Ende 2016 so gut wie alle Soldaten aus Afghanistan abziehen. Das kündigte Präsident Obama an. Die Verantwortung für das Land liege ab dann bei den Afghanen. Die Bevölkerung sieht dem zum Teil zwiespältig entgegen.

Ein Soldat aus Georgia umarmt seine Freundin auf dem Parkplatz vor seinem letzten Afghanistaneinsatz.
Legende: Des einen Freud ist des anderen Leid: Der Abzug der US-Truppen aus Afghanistan steht fest. Keystone

US-Präsident Barack Obama hat mit dieser Aussage Klarheit über den Truppenabzug geschaffen: Bis Ende 2016 soll der letzte US-Soldat Afghanistan verlassen. Der afghanische Präsident Hamid Karzai begrüsste die Pläne der USA. Der Abzug der Truppen sei ein Wunsch der Regierung und der afghanischen Bevölkerung.

Thomas Ruttig ist Ko-Direktor des Afghanistan Analysts Network in Kabul und Berlin. Seiner Meinung nach ist die Freude über den angekündigten Truppenabzug unter den Afghanen nicht so einhellig, wie es scheint.

«Die Auffassungen sind sehr gespalten», erklärt er gegenüber SRF. «Insgesamt wünschen sich die Afghanen schon, dass die ausländischen Truppen abziehen. Es ist ihr Land. Aber viele denken auch, es sei zu früh.» Denn die Taliban seien nach wie vor im ganzen Land aktiv, sie seien nicht wirklich geschwächt worden, gibt er zu bedenken.

Taliban-Rebellen in Lauerposition?

Zweifel hegen viele an der Schlagkraft der eigenen Armee. «Die Afghanen vertrauen nicht voll darauf, dass die eigenen Sicherheitskräfte in der Lage sein werden, den Taliban entgegenzutreten», sagt Ruttig. Ausserdem sei der US-Abzugsentscheid aufgrund innenpolitischer Erwägungen gefallen, ohne Absprache mit der Nato.

Dies habe den Taliban in die Hände gespielt, so der Analyst. «Sie können jetzt einfach abwarten und versuchen, den Konflikt militärisch für sich zu entscheiden.»

Doch die Rebellen sollten sich nicht zu früh freuen: «Die Taliban sind nicht eine so starke Bewegung, dass man befürchten müsste, sie würden gleich in Kabul einmarschieren», weiss Ruttig. Afghanistans Armee sei ziemlich hochgerüstet. Die Sicherheitskräfte umfassen laut dem Kenner des Landes 350'000 Mann. «Die Frage ist, wie lange können sie durchhalten und wie viel Stehvermögen haben auf der anderen Seite die Taliban?»

Zudem werde weiterhin versucht, eine politische Lösung zu finden, sagt Ruttig. «Man kann nur hoffen, dass das passiert, bevor die Kämpfe wieder eskalieren.»

2 Kommentare

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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Stimmt. Mein afghanischer Kumpel freut sich gar nicht, dass die US-Truppen abziehen, weil er diese Taliban-Teufel selbst noch erlebt hat und jetzt bald wieder um seine verbliebenen Verwandten, speziell die Frauen, Angst haben muss, die von den Taliban besonders tyrannisiert werden. Und die afghanische Regierung ist leider kein Pfifferling wert und wird das Volk nach dem US-Abzug nicht beschützen können. Dann geht der ganze islamistische Terror wieder von vorne los.
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  • Kommentar von michael fischbacher, nidau
    Für Obama hat sich das Thema Taliban in Afghanistan sowieso als "erfolgreich erledigt." Dass ein Teil der Bevölkerung immer noch Angst hat kann man verstehen. Ein paar Leute von der CIA werden sicherlich vor Ort bleiben, denn jemand muss weiterhin die Mohnfelder bewachen....
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