Nigeria: Bombe reisst viele Schüler in den Tod

Nigeria wird erneut von einem blutigen Anschlag erschüttert. Ein Attentäter in einer Schuluniform betritt eine Schule und zündet eine Bombe. Mindestens 47 Schüler sterben. Zum Anschlag hat sich bislang niemand bekannt. Das Blutbad trägt allerdings die Handschrift der Islamistengruppe Boko Haram.

Menschen stehen vor dem zerstörten Schulgebäude in Potiskum

Bildlegende: Die Menschen stehen vor dem zerstörten Schulgebäude in Potiskum. Keystone

Eine schwere Bombenexplosion hat 47 Schüler in Nigeria in den Tod gerissen. Die Explosion ereignete sich, als die Schüler zu einer morgendlichen Ansprache des Schulleiters versammelt waren.

Bei dem Selbstmord-Attentat wurden 79 weitere Kinder und Jugendliche verletzt, wie die Polizei mitteilte. Es war einer der schwersten Anschläge in der Region auf eine Schule, die nach einem sogenannten westlichen Lehrplan unterrichtet.

Zunächst bekannte sich niemand zu dem Attentat, jedoch trägt es die deutliche Handschrift der sunnitischen Boko Haram, die in Nord-Nigeria für einen Gottesstaat kämpft. Der Name der Gruppe lässt sich mit «westliche Bildung ist Sünde» übersetzen. Die Extremisten sind für zahlreiche Anschläge im Norden Nigerias verantwortlich, wobei auch immer wieder Schulen mit westlichen Lehrplänen ins Visier genommen wurden.

«Die Leichen der Schüler liegen in Blutlachen auf dem Boden»

Zeugen zufolge hatte sich der Selbstmordattentäter in Potiskum in eine Schuluniform gekleidet unter die Schüler gemischt. Die Bombe war offenbar in einer Tasche versteckt. «Ich habe gerade mit einem Lehrer meines Sohnes telefoniert. Mein Junge ist in Sicherheit, aber ich bin so traurig für die Eltern, die ihre Kinder verloren haben», sagte ein Vater.

Zwei verletzte Jungen sitzen vor der Schule am Boden.

Bildlegende: Die naturwissenschaftliche Schule «Potiskum Senior Science Secondary School» ist ein Jungeninternat. Facebook/Habeeb Dandutse

«Die Leichen der Schüler liegen in Blutlachen auf dem Boden», zitierte eine Zeitung einen Zeugen. Zahlreiche Eltern seien nach dem Anschlag auch zu anderen Schulen geeilt, um ihre Kinder abzuholen. «Alle Schulen der Stadt sind geschlossen worden», berichtete eine andere Zeitung. Überall seien weinende Väter und Mütter zu hören.

Bereits früher ähnliche Anschläge

Im Februar dieses Jahres waren im Bundesstaat Yobe mindestens 40 Schüler getötet worden, als bewaffnete Angreifer Sprengsätze in den Schlafsaal eines Internats warfen.

Im Juli vergangenen Jahres wurden 42 Menschen bei einem ähnlichen Überfall nahe Potiskum getötet.

Für weltweites Entsetzen sorgte zudem im vergangenen April die Entführung von 276 Schülerinnen im Bundesstaat Borno durch Boko Haram. Auch mehr als sechs Monate danach sind noch immer 219 der Mädchen in der Gewalt der Gruppe.

«  Wir haben hier ein Kalifat errichtet »

Abubakar Shekau
Anführer Boko-Haram

Auch Potiskum ist immer wieder Ziel von Anschlägen von Boko Haram. Erst in der vergangenen Woche waren in der Stadt bei einem Selbstmordanschlag auf eine religiöse Zeremonie 15 Menschen getötet worden.

Islamisten rufen Kalifat aus

In einem am Sonntag veröffentlichten Video untermauerten die Extremisten ihren Machtanspruch in Nigeria und wiesen eine Waffenruhe mit der Staatsführung erneut zurück.

«Wir haben hier ein Kalifat errichtet», verkündete der klar zu erkennende Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau in dem 44-minütigen Video, das der Nachrichtenagentur AFP vorlag. Es wurde offenbar im Norden des Landes gedreht und zeigt islamistische Kämpfer mit schweren Waffen und Militärfahrzeugen sowie Anwohner, die ihnen zujubeln.

Boko Haram kämpft seit Jahren mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Seit dem Jahr 2009 tötete die Gruppe bei Anschlägen und Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen mehr als 10'000 Menschen.