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International Nigeria feiert neuen Präsidenten Buhari

In dem westafrikanischen Land kommt es zu einem Machtwechsel. Der muslimische Oppositionskandidat Buhari siegte über Amtsinhaber Jonathan. Der hat seine Niederlage offiziell eingestanden.

Legende: Video Machtwechsel in Nigeria abspielen. Laufzeit 4:32 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.04.2015.

Der frühere Militärdiktator Muhammadu Buhari hat die Präsidentschaftswahl in Nigeria gewonnen. Amtsinhaber Goodluck Jonathan habe seine Niederlage offiziell eingestanden und dem 72-Jährigen telefonisch zum Sieg gratuliert, sagte Paul Ibe von Buharis Wahlkampfteam. Jonathan habe Buhari seine volle Unterstützung zugesichert.

Der Muslim Buhari lag laut offiziellen Auszählungsergebnissen aus 35 der 36 Bundesstaaten mit mehr als zwei Millionen Stimmen vor dem 57 Jahre alten Christen Jonathan. Buhari erzielte damit den ersten Sieg der Opposition, seit das ölreiche westafrikanische Land 1999 zur Demokratie zurückgekehrt ist.

Ex-Putschist gibt sich als geläuterter Demokrat

Jonathans Kritiker hatten dem Präsidenten immer wieder vorgeworfen, den Aufstand der islamistischen Gruppierung Boko Haram nicht in den Griff zu bekommen. Oppositionsführer Buhari profitierte zudem von der Frustration der Wähler über die verbreitete Korruption.

Buhari war vor drei Jahrzehnten durch einen Militärputsch an die Macht gekommen. Zwei Jahre später war er aber von General Ibrahim Babangida abgesetzt worden.

Seither kandidierte Buhari, der sich selbst als geläuterten Demokraten bezeichnet, bei mehreren Wahlen. Nach seiner Niederlage vor vier Jahren hatte es starke Unruhen gegeben, bei denen über 800 Menschen getötet wurden.

Gratulation aus Brüssel und Washington

Die Europäische Union hat den Sieg Buharis begrüsst. Aussenbeauftragte Federica Mogherini erklärte noch am Dienstagabend in Brüssel, sie begrüsse den Wahlsieg Buharis als Kandidat der Partei APC «herzlich».

Zugleich gratulierte sie den Politikern aller Parteien, die bei der gleichzeitig abgehaltenen Parlamentswahl am Wochenende einen Sitz in der Abgeordnetenkammer und im Senat erlangt haben. Mogherini dankte dem noch amtierenden Jonathan für dessen «grossen Beitrag für den Aufbau des Landes und für die Festigung der Demokratie in den vergangenen fünf Jahren».

Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon gratulierte Buhari zum Wahlsieg und telefonierte mit Nonathan Goodluck. Der unterlegene Amtsinhaber habe sich nach der Wahl staatsmännisch verhalten, sagte Ban.

Gleichzeitig lobte er das professionelle Vorgehen der nigerianischen Wahlkommission und rief das Volk auf, das Ergebnis des Urnengangs zu akzeptieren. Ähnlich äusserte sich auch US-Präsident Barack Obama.

Wahlen als Herausforderung für das Land

Rund 70 Millionen Wahlberechtigte in Nigeria waren am vergangenen Wochenende zur Abstimmung aufgerufen. Die Wahl verlief nach Ansicht von Beobachtern im Grossen und Ganzen ordnungsgemäss. Es wurde jedoch vor möglichen Manipulationen bei der Auszählung gewarnt.

Die Wahlen waren wegen der anhaltenden Gewalt seitens der Boko Haram vom 14. Februar auf den 28. März verschoben worden. Sie waren eine enorme Herausforderung für Nigeria, das mit fast 180 Millionen Menschen das bevölkerungsreichste Land Afrikas ist und in dem die Religionsgruppen der Christen und Muslime fast gleich gross sind.

Das Land ist zwar der grösste Ölexporteur des Kontinents und auch die grösste Volkswirtschaft. Die Mehrheit der Nigerianer lebt jedoch immer noch in grosser Armut.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Kein Neustart! Buhari ist konservativ. Er kommt aus dem Establishment, war bisher im Rahmen des Establishments im politischen System aktiv. Der Zeitpunkt zu dem er gewählt wurde, zwei Amtsperioden nach einem Christen aus dem Süden, entspricht den Absprachen der nigerianischen Elite. Er dürfte auch keinen Grund sehen, warum er sich als Muslim zum Kämpfer gegen Boko Haram aufschwingen sollte. Es ist nicht anzunehmen, dass Buhari kein Freund der Scharia ist. Sieht aus,als bleibt alles wie es war.
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  • Kommentar von Max Müller, Wangen
    Der neue Präsident wird sicher, mit aller Härte, gegen den Boko Haram vorgehen....(Hoffen darf man ja)
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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Man muss mal davon ausgehen, dass die Wahlen einigermassen fair waren. Buhari ist Muslim + wird den Staat auch in diesem Sinne führen, das ist nichts als logisch. Der Westen muss akzeptieren, wenn er eben als Muslim hart gegen Regimgegner, Religionsgegner usw. durchgreifen wird. Dieses Land ist nicht der Westen und wir müssen lernen andere Staatsformen zu akzeptieren. Muslime die sich hinter die Religion und die Regeln stellen, können in einem solchen Land sehr gut und friedlich leben.
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    1. Antwort von Otto Würz, Winterthur
      Logisch - also zwingend - ist das nicht, denn ein Politiker kann seine Religion auch aus seinem Amt heraus halten. Dies allerdings tat auch der vorherige Staatspräsident und Christ Goodluck Jonathan nicht. Er kümmerte sich wenig um die Interessen der Muslime, was deren Unzufriedenheit erhöhte und somit auch den Zulauf zu Boko Haram. Ein Staatspräsident sollte für die gesamte Bevölkerung da sein, sonst kommt es nicht gut.
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