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International Nigeria weiter im Bann des Terrors

Ein belebter Markt, zwei Bomben und über 100 Tote – das ist die traurige Bilanz eines neuerlichen Anschlags in Nigeria. Dieses Mal war die zentralnigerianische Stadt Jos das Ziel. Der Verdacht fällt erneut auf die islamistische Gruppierung Boko Haram.

Rauch steigt über einem Markt auf, auf der Strasse befinden sich zahlreiche Leute.
Legende: Nach den Bombenanschlägen brach ein Grossbrand auf dem Marktgelände aus. Keystone

Der Terrorismus in Nigeria fordert weiter zahlreiche Opfer. Bei der Explosion von zwei Bomben auf einem belebten Markt in der zentralnigerianischen Stadt Jos sind mindestens 118 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Dies meldete der nationale Krisenstab (Nema).

Legende: Video Etliche Tote nach Doppelanschlag in Nigeria abspielen. Laufzeit 02:09 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 21.05.2014.

Rund um den Ort des Anschlags wurden laut den Rettungsdiensten ein Krankenhaus und andere Gebäude beschädigt. Mächtige Rauchwolken lagen über dem Ort des Geschehens. Eine Bombe habe sich in einem Lastwagen befunden, ein anderer Sprengsatz in einem Minibus, berichtete ein Offizier der Spezialeinsatzkräfte.

Der Verdacht fällt auf die islamistische Boko Haram, deren Aggressivität inzwischen weltweit Entsetzen auslöst. Die islamistische Organisation ist seit 2009 verantwortlich für den Tod Tausender Menschen in Nigeria. Allein seit Jahresbeginn gab es nach nigerianischen Angaben insgesamt schon über 2000 Opfer.

200 Schülerinnen in der Gewalt von Boko Haram

Die Streitkräfte des Landes hatten im Mai 2013 eine Offensive gegen die Gruppe begonnen, jedoch ohne grossen Erfolg. Die Terrorgruppe mit Kontakten zu nordafrikanischen Al-Kaida-Ablegern will im muslimischen Norden Nigerias einen fundamentalistisch-islamischen Staat errichten.

Mitte April hatte Boko Haram mehr als 200 Schulmädchen im Norden Nigerias entführt. Die Islamisten drohen, die Mädchen zu verkaufen, wenn die Regierung in Abuja gefangene Boko Haram-Mitglieder und deren Angehörige nicht freilässt. Bisher fehlt trotz der Unterstützung von amerikanischen und europäischen Experten sowie dem Einsatz von Aufklärungsflugzeugen noch jede Spur von den Mädchen.

Hilfe aus dem Westen

Frankreich, Nigeria und vier andere afrikanische Länder hatten am vergangenen Samstag bei einem Anti-Terrorgipfel einen Aktionsplan gegen die Terrororganisation beschlossen. Man werde den Informationsaustausch der Geheimdienste verstärken, die Aktionen afrikanischer Militärs koordinieren und die Grenzen in Afrika kontrollieren, sagte der französische Präsident François Hollande. Eine Militäraktion des Westens gegen Boko Haram schloss Hollande allerdings aus.

Der Terror der Extremisten treibt im Norden Nigerias immer mehr Menschen in die Flucht: Rund ein Jahr nach der Verhängung des Ausnahmezustands in den besonders schlimm betroffenen Bundesstaaten Yobe, Borno und Adamawa wurden dort nach UNO-Angaben 250'000 Menschen vertrieben. Rund 61'000 weitere hätten in Kamerun, Tschad und Niger Zuflucht gesucht.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    2) Warum die Gruppe trotzdem nicht ausgeschaltet ist, ergibt sich aus der Umformulierung dieses Befundes: Ohne Boko Haram würde nicht ein Fünftel des Haushalts für Waffen ausgegeben und die Generäle würden sich nicht eine goldene Nase mit Schmiergeldern verdienen. Ob man den Tag noch erleben darf, an dem Entführungen oder Attentate durch Islamisten in der islamischen Welt dieselben Reaktionen hervorruft wie eine dänische Mohamedkarikatur?
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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    1) Unter Berufung auf Anweisungen von unsichtbaren Freunden loszuziehen und Menschen zu terrorisieren ist normalerweise ein Grund für die Einweisung in die Geschlossene. Komischerweise ändert sich das, wenn genügend Leute an diese unsichtbaren Freunde glauben, dann nennt man dass "Religion" und fängt an, mit den Irren zu diskutieren. Ein Fünftel des nigerianischen Staatshaushalts fliesst inzwischen in den Sicherheitsbereich, und der Grund dafür ist Boko Haram.
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