Nobelpreis der Medizin geht an drei Zellforscher

Ein Ehepaar aus Norwegen und ein Amerikaner erhalten gemeinsam den Nobelpreis für Medizin für eine Entdeckung im Gehirn. Sie löst jahrhundertealte philosophische und wissenschaftliche Fragen und hilft dabei, Alzheimer besser zu verstehen.

Portraits der drei Preisträger

Bildlegende: John O'Keefe (rechts) und May-Britt und Edvard Moser erhalten den Nobelpreis für ihre Entdeckung des «inneren GPS». Kavli Institute at the NTNU / royalsociety.org

Der Nobelpreis für Medizin geht je zur Hälfte an John O'Keefe aus den USA und an das Forscher-Ehepaar May-Britt und Edvard Moser aus Norwegen.

Sie erhalten die Auszeichnung für die Entdeckung einer Art «inneren GPS» im Gehirn, das es dem Menschen erlaubt, sich im Raum zu orientieren, hiess es vom Nobel-Komitee am Stockholmer Karolinska-Iinstitut.

Alzheimer besser verstehen

So lösten die Preisträger ein Problem, das Philosophen und Wissenschaftler über Jahrhunderte hinweg beschäftigt habe: «Wie erzeugt das Gehirn eine Karte des Raums, der uns umgibt, und wie können wir uns durch eine komplexe Umgebung navigieren?»

Die Zellen, die ein Positionierungssystem bilden, helfen laut dem Nobel-Komitee auch dabei, Krankheiten wie Alzheimer besser zu verstehen.

«Ich bin immer noch schockiert. Das ist so grossartig», sagte May-Britt Moser (51) als die Entscheidung fiel. Sie sei vor Freude in ihrem Institut herumgetanzt. Ihr Mann Edvard (52) sass während der Bekanntgabe im Flugzeug und landete kurz darauf in München. «Als ich aus dem Flugzeug kam, wusste ich nicht einmal, dass heute der Tag ist, an dem der Nobelpreis bekanntgegeben wird», sagte Moser.

Erste Entdeckung bereits 1971

Die erste Komponente dieses Systems entdeckte John O'Keefe bereits 1971: Er fand bei Ratten in einer Hirnregion namens Hippocampus einen Typ Zellen, der immer dann aktiv war, wenn sich das Tier an einem bestimmten Ort befand. War es woanders, waren andere Zellen aktiv. O'Keefe schloss daraus, dass diese «Ortszellen» eine Karte des Raumes bildeten.

Viele Jahre später, im Jahr 2005, entdeckten May-Britt und Edvard Moser einen weiteren entscheidenden Baustein des Gehirn-GPS. Sie fanden einen Zelltyp, den sie «Rasterzellen» nannten. Diese bilden eine Art Koordinatensystem und erlauben damit das präzise Navigieren. Ihre weiteren Forschungen zeigten auf, wie Orts- und Rasterzellen zusammenwirken.

Das Ehepaar Moser ist das fünfte Ehepaar, welches einen Nobelpreis erhält.

Auch 2013 wurden Zellforscher ausgezeichnet

Im vergangenen Jahr hatten der gebürtige Deutsche Thomas Südhof sowie James Rothman und Randy Schekman aus den USA die Auszeichnung erhalten. Sie hatten wesentliche Transportmechanismen in Zellen entdeckt, deren Defekte Grundlage von vielen Krankheiten sind.

Mit der Bekanntgabe des Preisträgers in Medizin startete die Woche der Nobelpreis-Verkündungen. In der schwedischen Hauptstadt Stockholm verraten die Nobeljurys in den kommenden Tagen weiter, wer die begehrten Auszeichnungen in Physik und Chemie bekommt.

Das Komitee im norwegischen Oslo verkündet überdies am Donnerstag den Nobelpreisträger für Literatur, am Freitag teilt es seine Entscheidung über den diesjährigen Träger des Friedensnobelpreises mit.

Verliehen werden die mit jeweils acht Millionen schwedischen Kronen (eine Million Franken) dotierten Preise an Alfred Nobels Todestag, dem 10. Dezember.

Ein hirneigenes GPS

Wie wissen wir, wo wir sind, wie finden wir den Weg von A nach B? Und wie schaffen wir es, uns den Weg einzuprägen, nachdem wir ihn einmal gegangen sind? Den Antworten darauf sind die drei Medizin-Nobelpreisträger auf der Spur. Lesen Sie hier mehr.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Präsentation der Gewinner und der Gewinnerin des Nobelpreises für Medizin, Karolinska-Institut in Stockholm.

    Nobelpreis für die Entschlüsselung des Orientierungssinns

    Aus Echo der Zeit vom 6.10.2014

    Wie findet man sich im Raum zurecht? Welche Rolle spielt dabei das Gehirn? Diese Frage haben die drei Forschenden beantwortet, die den Nobelpreis für Medizin erhalten haben: der britisch-US-amerikanische Doppelbürger John O'Keefe und das norwegische Forscher-Ehepaar May-Britt und Edvard Moser.

    Pascal Biber