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International Noch mehr Erdbebenopfer befürchtet

Tausende Menschen in Nepal haben durch das Erdbeben ihr Zuhause verloren, andere trauen sich nicht zurück - sie alle verbrachten die Nacht im Freien. Wasser und Nahrung wird knapp, Strom gibt es kaum. Und die Helfer finden immer mehr Leichen.

Männer heben eine Betonplatte an
Legende: Suche nach Verschütteten mit blossen Händen. Es seien noch viele Opfer zu befürchten, so die Regierung. Keystone

Nach dem verheerenden Himalaya-Erdbeben haben die Helfer in Nepal bislang mehr als 1800 Leichen geborgen. Tausende Menschen wurden nach offiziellen Angaben bei der Naturkatastrophe verletzt. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Toten weiter steigen wird.

Legende: Video Verheerendes Beben in Nepal abspielen. Laufzeit 2:22 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 25.04.2015.

Nacht im Freien bei Nieselregen

Nepal war am Samstagmittag von einem Beben der Stärke 7,8 erschüttert worden. Auch in den umliegenden Ländern China, Indien und Bangladesch starben Menschen, als ihre Häuser über ihnen zusammenfielen.

Die meisten Menschen in Nepals Hauptstadt Kathmandu verbrachten die Nacht im Freien, bei leichtem Nieselregen - darunter auch Verletzte, die in den überfüllten Krankenhäusern keinen Platz mehr fanden.

Viele Nachbeben

Tausende haben ihre Häuser verloren oder fürchten sich, in die Gebäude zurückzukehren. Laut Augenzeugen bebt die Erde noch immer - zuletzt um 5 Uhr Ortszeit, als ein starkes Nachbeben viele aus dem Schlaf riss. Selbst der Präsident Ram Baran Yadaf habe in einem Zelt geschlafen, sagte sein Sprecher in einem lokalen Radio.

Fast nirgendwo in Kathmandu gibt es Strom, manche Menschen helfen sich mit Solarlampen. «Wir laden unsere Handys an Autobatterien auf», sagte Alina Shrestha von World Vision, die selbst betroffen ist. Etwa 30 Nachbarn hätten die Nacht in Zelten in ihrem Hof verbracht. Sie höre Helikopter, aber Soldaten oder Polizisten habe sie in ihrem Stadtviertel noch nicht gesehen.

Menschen liegen unter Decken an einer Strasse.
Legende: Aus Angst vor Nachbeben haben viele Menschen die Nacht unter freiem Himmel verbracht. Keystone

«Alles ist weg»

Wie es in vielen abgelegenen Städte und Dörfern in dem Himalaya-Land aussieht, ist noch kaum zu überblicken. Das Dorf Barmak, unter dem das Epizentrum des Bebens lag, sei fast vollständig zerstört, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. «Ich habe meine Angehörigen und alle meine Nachbarn verloren», sagte eine Frau auf Jaybageshwari einem örtlichen Radiosender. «Kann jemand, der überlebt hat, uns helfen? Wir haben weder Essen noch Kleidung. Alles ist weg.»

Nepal hat den Notstand in den betroffenen Gebieten ausgerufen. Schulen und Universitäten bleiben für eine Woche geschlossen. Die Stromversorgung könnte lange ausfallen, da das Erdbeben die Wasserkraftwerke beschädigt hat, von denen Nepal fast all seinen Strom bezieht.

Flugzeug
Legende: Indiens Luftwaffe hatte bereits kurz nach dem Beben erste Hilfslieferungen in Marsch gesetzt. Keystone

Feldlazerett aus Pakistan

Pakistans Militär hat vier Grossraum-Transportflugzeuge mit Hilfsmitteln nach Nepal entstandt. Nach Angaben der Armee ist darunter ein Feldlazarett mit 30 Betten sowie Ärzte. Ausserdem werde ein Team des Militärs entsandt, dass auf die Bergung von Opfern von Naturkatastrophen spezialisiert sei und Spürhunde mit sich führe.

Unter den Hilfsmitteln, die heute Sonntag auf den Weg gebracht werden sollten, seien Lebensmittel und Wasser, Zelte, Decken sowie Medizin.

Hilfe aus Indien und Deutschland

Indien hat mehrere Flugzeuge mit Hilfsgütern wie Nahrungsmitteln, Wasser und Kommunikationsgeräten geschickt. Auch aus Deutschland haben sich Helfer auf den Weg gemacht, darunter ein Team des Bundesverbands Rettungshunde. Hilfsorganisationen riefen die Menschen in Deutschland zum Spenden auf.

Care etwa plant, bis zu 75'000 Menschen mit Notunterkünften, Nahrungsmitteln, Wasserreinigungstabletten und dem Bau von Latrinen zu unterstützen.

Das Deutsche Medikamentenhilfswerk action medeor packt Verbands- und Nahtmaterialien, chirurgisches Besteck, Schmerzmittel, Antibiotika und Spritzen für seine Partner.

Unter den Toten sind viele Kinder.
Autor: Pratab NarayanArzt im Teaching-Krankenhaus, Kathmandu

Die internationalen Caritasverbände arbeiten bereits vor Ort - und berichten von grossen Problemen. «Der Zugang zu Erdbebenopfern ist vielerorts noch nicht möglich, weil die Strassen blockiert sind. Die Kommunikation ist aufgrund des Stromausfalls schwierig», erklärte der Direktor der Caritas Nepal, Pius Perumana. Ein deutscher Mitarbeiter werde bald das lokale Katastrophen-Team verstärken. Auch die Organisation Help - Hilfe zur Selbsthilfe wird zwei erfahrene Helfer schicken.

Augenzeugen berichten, vielfach hätten die Menschen nur noch Kekse und Trockenfrüchte übrig. Hilfsorganisationen fürchten, dass bald auch das Wasser ausgeht. Auch die Ärzte sind an vielen Orten bereits überlastet. «Unter den Toten sind viele Kinder», sagte Doktor Pratab Narayan aus dem Teaching-Krankenhaus. «Wir sind völlig überwältigt von der Zahl an Menschen.»

Tote im Everest-Basislager

Im Everest-Basislager starben nach Angaben des Tourismusministeriums mindestens 13 Menschen bei einer Lawine. Das Schneebrett hatte sich durch das Erdbeben gelöst und war durch das Lager gefegt. Schlechtes Wetter behinderte die Rettungsarbeiten, da Helikopter nicht starten konnten.

Laut Temba Tsheri Sherpa von Dreamer's Destination sind unter den Toten mindestens ein Australier und ein Chinese. Die amerikanische Schauspielerin Sophia Bush schrieb auf Instagram, sie habe ihren Ex-Freund Dan Fredinburg durch die Lawine verloren.

Spendenaufruf der Glückskette

Nach dem verheerenden Erdbeben im Himalaya ruft die Glückskette zu finanzieller Hilfe auf. Spenden kann man via Postkonto 10-15 000-6, auf www.gluecksette.ch oder mittels der Swiss-Solidarity-App.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Donat Hunger, Fischenthal
    Deutschland ist mit Soforthilfe schon in Nepal! Und die Schweiz? Wieso hat man noch keine Teams von REDOG gesendet? Sofortige und und unklomplizierte Hilfe ist das Wichtigste, das sollte man auch von der Schweiz erwarten dürfen!
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    1. Antwort von C. Szabo, Thal
      Die Schweiz bildet Helfer aus vielen Teilen der Erde für den Katastrophenschutz aus. Das ist nachhaltiger, als bei akuten Ereignissen sofort anzureisen. Sollte Bedarf bestehen und gewünscht werden, sind CH-Einsatzkräfte schnell vor Ort. Die Inder und Chinesen haben sicher die nötige Ausrüstung und ebenfalls genügend Personal, um dort zu helfen.
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  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    Immer neue Zahlen an Todesopfern zu nehnen ist zur Zeit nicht so wichtig. Zentral ist es jetzt, dass die Helfenden (Eigene und Fremde) vor Ort alle Verletzten mit dem nötigen Material "versorgen", damit die Nepalesen ihr Land und die betroffenen Menschen auf einen guten Weg bringen können. Das ist sehr wichtig für die Moral der Opfer und die Zukunft des Landes.
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