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International Noch mehr Hunger in der Welt

Immer mehr Menschen werden hungern: Dies sagt eine US-Studie voraus. Schuld an der Misere ist nicht nur der Klimawandel.

Eine kleine magere Hand greift nach dem Mund der Mutter.
Legende: Mama? Viele von den derzeit 870 Millionen unterernährten Menschen sind Kinder. Reuters

Mehr schreiende Kinder, mehr Mütter ohne Milch in ihren Brüsten, mehr Tote: Hunger ist für die Welt kein neues Problem, aber es wird virulenter. Vor allem in Ländern in Süd- und Südostasien sowie Afrika südlich der Sahara. Dies besagt ein Report der Weltbank.

Grund für das, was nicht sein dürfte, ist zum einen der Klimawandel. Die Forscher warnen: Die ärmsten Länder der Welt müssen sich vorbereiten. Und sie sollen sich sputen: Dürreperioden, Hochwasser und Stürme stehen diesen Regionen bevor, deutlich mehr und extremer als bisher.

Doch nicht nur wegen des Klimawandels werden mehr Menschen hungern. Die Weltbevölkerung wächst, von sieben auf neun Milliarden bis 2050. Die Produktion von Nahrungsmitteln steigt zu langsam, sinkt gar in vielen Regionen. Im Jahr 2050 müssten die Bauern weltweit doppelt so viel Reis, Mais, Weizen und Sojabohnen ernten wie derzeit.

Anbauschlacht nötig

Die Forscher haben berechnet, wie gross die Ernteausfälle bei einem Temperaturanstieg von 1,8 bis 2.8 Grad sind. Diese Ausfälle könnten allerdings stark reduziert werden, wenn die Bauern entsprechende Massnahmen ergreifen würden – etwa die Sorten anpassen oder den Zeitpunkt der Aussaaten und Ernten besser planen.

Die Ernterückgänge wegen des Klimawandels

Report Weltbank «Turn down the Heat»
Bauern verändern Produktion nichtBauern verändern Produktion
Sommerweizen- 14 bis - 25 Prozent- 4 bis - 10 Prozent
Mais- 19 bis - 34 Prozent- 6 bis - 18 Prozent
Sojabohnen- 15 bis - 30 Prozent- 12 bis - 26 Prozent

Verhalten des Westens ist widersprüchlich

Die Menschen in den Industriestaaten und Schwellenländern tragen das Ihre zur Misere bei: Wir essen im Schnitt immer mehr Fleisch und Milchprodukte. Die Produktion dieser Nahrung bindet Ressourcen wie Agrarland und Wasser. Dies verhindert den Anbau von mehr Getreide.

Fakt ist, die reichen Staaten können mehr für Nahrungsmittel bezahlen, sie bestimmen denn auch den Menuplan der Welt. Zudem wollen die Menschen in den Industriestaaten zunehmend mehr Energie. Auch für den Biosprit werden die wertvollen Agrarflächen gebraucht.

45 Millionen fliehen derzeit

Die westlichen Staaten verhindern demnach den Hunger nicht, sie fördern ihn. Der Migrationsdruck wird steigen.

Derzeit sind laut der UNO 45 Millionen Menschen auf der Flucht. Die Fliehenden wollen alle nur eines – Arbeit und Wohlstand. Also in die westlichen Staaten. Bislang fangen vor allem die umliegenden Länder der Katastrophen-Gebiete die Flüchtlingsströme auf. Meist sind diese Staaten selber arm. Ihre Kapazitäten stossen an Grenzen.

Zur Studie

Der Bericht «Turn down the Heat» (Dreh die Hitze runter) beleuchtet die Folgen eines Temperaturanstiegs von angenommenen zwei bis vier Grad Celsius für Süd- und Südostasien sowie Afrika südlich der Sahara. Der Report wurde am Mittwoch von der Weltbank vorgestellt. Zur Studie

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Martha Beéry-Artho, Eggersriet
    und wenn diese Menschen einfach nur dort leben möchten wo sie zu Hause sind? Leben von dem was sie anpflanzen, sich erarbeiten und von dem sie leben könnten, wenn wir nicht mit unseren ungeheuren Ansprüchen an Wohlstand und Bequemlichkeit die Welt und die Weltwirtschaft und somit auch das überleben auf diesem Planeten in Gefahr bringen würden. Umdenken in unseren Köpfen tut not. Bescheidener werden und bewusster leben mit dem was uns wirklich zusteht. M. Beéry-Artho
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Zwar traurig aber wahr... die Natur wird sich von ihrer Last irgendwie befreien... was dem Menschen an Intelligenz fehlt (oder mehr dem Mut zum Handeln) wird durch den Kollaps der Weltwirtschaft bravouroes erledigt..... ferne Zukunft... na event noch fuer mich aber Juengere.. seht Euch vor!
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Ja, ja, nach mir die Sintflut.
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  • Kommentar von Samuel Nogler, Bever
    Ich schlage folgende Massnahmen vor (die Politiker hören aber nicht darauf und gehen lieber ihren Ego-Wahn nach): 1. faire Preise für alle Nahrungsmittel -> Bauern/Kleinbauern sollten ohne fremde Unterstützung überleben und produzieren können. 2. Massive Verteuerung von Fleischerzeugnisse (ist zum überleben nicht von Bedeutung) 3. Abgabe von Grundnahrungsmittel (Wasser, Obst- und Gemüse, Getreide [Brot, Reis, Pasta etc.] und Milchprodukte) an die notleidenden Menschen. Einfach und effizient!
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    1. Antwort von marc bonanomi, zollikofen
      Ganz einverstanden mit diesen Massnahmen. Eine kleine Ergänzung:Die Milchprodukte sind für unsre Gesundheit überhaupt nicht nötig, brauchen aber zur Erzeugung einen Grossteil der Landfläche.
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    2. Antwort von Alex Kramer, ZH
      @ Nogler: Nett, was Sie da vorschlagen. Löst das Problem einmal mehr nicht und wie immer nur als Symptombekämpfung auf Kosten der Allgemeinheit und an der Eigenverantwortung vorbei. Wenn Sie Kleinbauern von Ihrer Eigenproduktion überleben und kleinräumig handeln lassen wollen, müssen Sie MONSANTO, SYNGENTA und Co. sofort aus dem Verkehr ziehen, Patentschutz auf Saatgut aufheben, ebenso Fischereiflotten vor fremden Küsten. Wird aber am Spezies Macht-Menschen scheitern, und an der Korruption.
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    3. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      A.Kramer,kommt hinzu,dass allein die CH eine Fläche in der Grösse der CH ausgelagert hat,einen Grossteil davon in Entwicklungsländer.Dies vor allem zwecks Futtermittelanbau für unsre Fleisch/Milchlieferanten.Diesbezüglich hat Nogler schon recht.Auch der Kreditdruck,womit das Freihandelsabkommen in Afrika erpresst wurde,hat seine Folgen.NL uva zB exportiert seine überschüssigen Billigpoulet aus Massenhaltung nach Afrika.Solche Importe ruinieren afrik.Bauern.Weiteres Thema ist Verhütung.
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