Noch mehr Zivilisten sterben bei Kämpfen in Donezk

In Donezk sind bei Kämpfen zwischen der ukrainischen Armee und den Separatisten drei Menschen ums Leben gekommen. Gefechte gibt es offenbar auch in der Nähe der russischen Grenze.

Eine Frau läuft neben einem zerstörten Haus vorbei

Bildlegende: Kaputte Häuser und tote Zivilisten: Der Kampf zwischen der ukrainischen Armee und den Separatisten geht weiter. Keystone


Vor allem zwei Bereiche der Stadt Donezk sind betroffen

5:30 min, aus SRF 4 News aktuell vom 07.08.2014

Bei schweren Gefechten zwischen Armee und Separatisten sind in der ukrainischen Grossstadt Donezk mindestens drei Zivilisten getötet worden. Fünf weitere wurden verletzt. Auch auf dem Gelände eines Krankenhauses sowie einer Kirche seien Artilleriegeschosse eingeschlagen, teilten die Behörden mit. Donezk im Osten des Landes gilt als Separatistenhochburg und ist von Regierungseinheiten eingekreist.

In der 130 Kilometer nordöstlich gelegenen Grossstadt Lugansk waren weiter Hunderttausende Einwohner als Folge der Kämpfe ohne Stromversorgung. Die Lage sei «katastrophal», teilten die Behörden mit. Vor Lastwagen, von denen aus Brot verteilt werde, bildeten sich lange Schlangen.


Auf der Flucht im Osten der Ukraine

4:51 min, aus Rendez-vous vom 07.08.2014

Kämpfe in der Nähe der russischen Grenze

Seit Beginn der «Anti-Terror-Operation» der Armee im April seien allein im Gebiet Lugansk rund 1500 Menschen ums Leben gekommen, sagte Bürgermeisterin Irina Werigina. Die Opferzahlen in dem Konflikt gelten aber nicht als gesichert.

Die prorussischen Separatisten berichteten über schwere Kämpfe nahe der russischen Grenze. Stellungen der Regierungstruppen seien mit Granaten und Raketen beschossen worden, hiess es.

Gleichzeitig hat die ukrainische Regierung die Waffenruhe rund um das Absturzgebiet des malaysischen Verkehrsflugzeugs in der Ostukraine ausgesetzt. Sie sei so lange ausser Kraft, bis die internationale Untersuchungskommission ihre Arbeit wieder aufnehme, hiess es in einer Mitteilung der Regierung.

Experten können nicht arbeiten

Einen Tag zuvor hatte der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte erklärt, die Arbeit der 70 Experten aus den Niederlanden, Australien und Malaysia zu unterbrechen. Wegen der anhaltenden Kämpfe in der Region sei es zu gefährlich.

Die Niederlande leiten die internationale Untersuchung, die meisten der 298 Opfer stammen von dort. Das Expertenteam soll klären, ob die Maschine abgeschossen wurde. Flug MH17 der Malaysia Airlines war am 17. Juli abgestürzt. Die Mitglieder der Untersuchungskommission waren erstmals vor einer Woche zu der Absturzstelle gelangt. Zuvor mussten sie immer wieder an Kontrollpunkten der Rebellen umkehren.

Rücktritt

Am Donnerstag hat der Chef des Sicherheitsrates in Kiew, Andrej Parubij, seinen Rücktritt eingereicht. Präsident Petro Poroschenko nahm Parubijs Gesuch an. Zuvor hatte es Spekulationen über Unstimmigkeiten zwischen Poroschenko und Parubij gegeben. Die Armee soll bei Kämpfen mit den Separatisten grössere Verluste erlitten haben als zugegeben.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Erbitterte Kämpfe in Donezk und ein russisches Manöver

    Aus Tagesschau vom 6.8.2014

    In der Ostukraine wird der Kampf um die Seperatisten-Hochburg Donezk offenbar immer erbitterter geführt. Bei Luftangriffen der ukrainischen Armee sind laut der Stadtverwaltung drei Zivilisten getötet worden. Ein ukrainischer Armee-Sprecher bestritt allerdings, dass Siedlungsgebiete bombardiert worden seien. Just in dieser verworrenen Situation lässt der russische Präsident Putin an der Grenze zur Ukraine mehr als 20'000 Soldaten für ein grosses Manöver zusammenziehen. Blosser Zufall sagt man im Kreml. Wohl eher nicht, denkt man im Westen.