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International Noch weniger Hilfe für Flüchtlinge in Griechenland

Nach dem UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR stellt auch die Organisation Ärzte ohne Grenzen seine Arbeit im Auffanglager auf der griechischen Insel Lesbos ein. Grund: Das Hilfswerk hat Bedenken wegen des Flüchtlingsabkommens der EU mit der Türkei.

Legende: Video «Hilfsorganisationen verlassen Griechenland» abspielen. Laufzeit 0:50 Minuten.
Aus Tagesschau vom 23.03.2016.

Nach Inkrafttreten des EU-Türkei-Pakts hat die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ihre Arbeit im Lager Moria auf der Insel Lesbos abgebrochen. Andernfalls würden die Helfer zu «Komplizen eines Systems, das wir als unfair und unmenschlich ansehen», teilt die Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Griechenland mit.

«Extrem schwieriger Entscheid»

«Wir werden nicht zulassen, dass unsere Hilfe für eine Massenabschiebung instrumentalisiert wird.» Dieser Entscheid sei «extrem schwierig» gewesen. Ärzte ohne Grenzen beendet damit den Transport von Flüchtlingen nach Moria.

Zudem kümmerte sich die Organisation nach eigenen Angaben bisher um die Verbesserung der Wasser- und Sanitätsversorgung sowie die medizinische Hilfe im Lager auf Lesbos. Ärzte ohne Grenzen war nach eigenen Angaben seit Juli 2015 im Lager Moria auf Lesbos tätig.

Zurückschicken von Flüchtlingen umstritten

Die EU und die Türkei haben vereinbart, dass alle ab dem 20. März in Griechenland ankommenden Flüchtlinge in die Türkei zurückgeschickt werden. Zuvor müssen diese registriert und ihre Asylanträge aufgenommen werden. Die Rückführungen sollen am 4. April starten. Im Auffanglager Moria sollen Migranten bis dahin festgehalten werden.

Auch das UNHCR hält die Rückführungen in die Türkei für rechtlich bedenklich. Es hat am Dienstag angekündigt, keine Flüchtlinge mehr von der Küste in das Zentrum zu transportieren. Das UNHCR beteilige sich nicht an «Haftzentren», hiess es.

Transtizentrum bleibt

Im eigenen Transitzentrum in Mantamados wird Ärzte ohne Grenzen weiter präsent sein. Hier wird Neuankommenden Ersthilfe geleistet. Auch die Seenotrettung werde fortgesetzt, und ausserhalb des «Hotspots» seien weiterhin mobile medizinische Teams im Einsatz.

Flüchtlinge besetzen Autobahn

Im Norden Griechenlands haben am Mittwochabend hunderte Flüchtlinge die Autobahn Richtung Mazedonien blockiert. Sie sperrten 25 Kilometer vor der Grenze entfernt die Strasse und bauten darauf Zelte auf. Die Flüchtlinge verlangen die Öffnung der Balkanroute. Auch auf kleineren Strassen gab es ähnliche Protestaktionen.

14 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Ein echter Arzt hilft ohne wenn und aber den Menschen in Not, da haben politische Ansichten keinen Platz und wenn solche Ansichten zum Schaden von Menschen stattfinden, ist das ein Vergehen gegen den Rechtssatz des Eides des Hippokrates, der auch OHNE Ablegung seine Gueltigkeit behaelt..
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Och, wie schön ist es, vom Afrikanischen Alterssitz aus den Moralapostel zu spielen. Am ganzen Syriendebakel sind die Grossmächte schuld. Für diese bedeuten Menschenleben nicht allzuviel.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Die eigenen MA vor wütenden Migranten zu schützen ist wichtiger als alles andere. Die Bilder, an denen wütende Flüchtlinge an der HU-Grenze die eigenen Kleinkinder über den Zaun geworfen haben und die grösseren in die vordere Reihe beim Tränengas geschoben haben, ist wohl noch viel zu präsent...
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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Was ist jetzt die Wahrheit? ? Gestern Abend las ich in Ausl. Zeitungen, aus Protest u. Angst vor wütenden Migranten, haben sich die Hilfsorganisationen aus den Hotspots zurückgezogen. Der Grund bleibt der Gleiche ,die Rückschaffung, aber warum dann die Mitteilung, die Org. hätten sich aus eigenem Protest wegen des Deals zurückgezogen? Sehr, sehr fragwürdig das Ganze. Deshalb wohl auch die Weigerung, keine Flüchtlinge mehr in die Lager zu bringen? Und deshalb nur noch med. Hilfe Ausserhalb
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