Nordindien bibbert in der Kälte

Nordindien kämpft mit einer Kältewelle. In Neu Delhi wurde der tiefste Wert seit 40 Jahren gemessen. Die Zahl der Kältetoten steigt unaufhörlich. Für europäische Verhältnisse sind die Temperaturen nicht ungewöhnlich. Wieso sterben dennoch immer mehr Menschen?

Obdachlose auf der Strasse.

Bildlegende: 300'000 Menschen leben in Dehli auf der Strasse. keystone

Über 140 Tote sind es mittlerweile im Bundesstaat Uttar Pradesh. Auch in der angrenzenden Hautstadt Neu Dehli liegen die Temperaturen nachts um den Gefrierpunkt. So kalt war es in Neu Dehli das letzte Mal vor 40 Jahren. Tagsüber wird es nicht mehr als 10 Grad.
 
Meteorologen sagen voraus, dass die Kälte in den kommenden Tage anhält. Winter in Nordindien sind kurz und dauern von Mitte Dezember bis Februar. Sie fordern aber jedes Jahr zahlreiche Opfer. Doch wieso ist das so?

« Es trifft immer wieder die Ärmsten der Armen. »

In unseren Breitengraden fordern solche Temperaturen kaum Opfer. Der freie Journalist Stefan Mentschel in Delhi sieht vor allem die grosse Zahl an Obdachlosen als Grund für die hohen Todeszahlen. «Es trifft immer wieder die Ärmsten der Armen.»

Zwar gebe es beispielsweise in Delhi rund 150 beheizte Obdachlosenunterkünfte, in denen jede Nacht 7500 Menschen Platz finden. «In der Stadt leben allerdings 300‘000 Menschen auf der Strasse.» Nicht hilfreich seien da Ineffizienz, Korruption oder auch die Gleichgültigkeit der Verwaltung.

In Delhi bericheten Medien kürzlich über einen erschütternden Korruptionsfall. Demnach hat ein Beamter zwischen 1990 und 2010 umgerechnet drei Millionen Franken veruntreut, die für den Bau von Obdachlosenheimen geplant waren. Ernüchternd fasst Mentschel zusammen: «Das ist nur ein Beispiel unter vielen, nur ein Beispiel aus einer Stadt».